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Astrid Hohlbein: Mit Büchern die Welt verändern

Die Germanistin Astrid Hohlbein will mit ihren Literaturführungen durch Hanau die Menschen zum Nachdenken bewegen.

Astrid Holbein vor dem Goldschmiedehaus
Astrid Holbein vor dem Goldschmiedehaus
Foto: Sascha Rheker/attenzione

Studierte Germanistinnen und Lehrerinnen müssen nicht immer dem Klischee entsprechen. Das beweist die gebürtige Hanauerin Astrid Hohlbein. In einem Sommerkleid, aber mit Motorrad kommt sie zum Goldschmiedehaus am Altstädter Markt. „Ich habe Germanistik studiert, aber eigentlich war es nur eine Notlösung“, erzählt sie, „ich wollte studieren und da ich gerne lese, lag dieses Fach nahe“. Heute ist sie Lehrerin für Alphabetisierung und Deutsch als Fremdsprache an der Volkshochschule (VHS) und leitet Literaturführungen in Hanau. Für den Verein „Literaturbetrieb“ arbeitet sie ehrenamtlich.

Ihr Weg zur Literatur und den Literaturführungen war ungewöhnlich: „Nach dem Studium arbeitete ich fünf Jahre als Hausverwalterin und Haushaltshilfe. Mein Traum war, in einem Verlag zu arbeiten. Aber ich wollte Zeit zum Schreiben und Forschen haben. Außerdem wollte ich keinen Acht-Stunden-Job.“ Als sie ihre Arbeit verlor, belegte sie als Gasthörerin an der Frankfurter Goethe-Universität das Seminar „Literaturreisen, Reiseliteratur“ bei Heiner Boehncke. „Ich war von Literatur schon immer fasziniert, die Führungen verstärkten dies später noch“, erzählt Hohlbein, „zu Hause habe ich 2300 Bücher“.

Vita

Astrid Irmgard Hohlbein (44) studierte Germanistik, Sozialpsychologie und Ältere Skandinavistik in Frankfurt. 2006 gründete sie mit weiteren 15 Studenten den Verein „Literaturbetrieb“.
Seit drei Jahren leitet sie Literaturführungen für die VHS Hanau und arbeitet dort als Lehrerin für Alphabetisierung und Deutsch als Fremdsprache.
Die nächste Führung „Hanau weiblich“ beginnt am Sonntag, 26. September, um 14 Uhr an der Stadtbibliothek, Schlossplatz.
Die Tourist-Information bietet am Samstag, 7. August, 11 Uhr, eine Führung „Auf den Spuren von Frauen in Hanau“ an. Treffpunkt: Congress Park. mg
www.vhs-hanau.de.

Literarische Führungen machen ihr Spaß. „Da kommt alles zusammen: Literaturwissenschaftliches Forschen, erzählerische Aufbereitung und das Erzählen vor Leuten, die sich interessieren und mitmachen. Da fühlt man sich manchmal wie ein Detektiv.“

Drei Führungstypen leitet sie für die VHS: Den „Literaturspaziergang“, „Freiheit des Geistes – Geist der Freiheit“ mit Heiner Boehncke und „Hanau weiblich“ mit Sybille Schrempp. Durchschnittlich kommen 10 Teilnehmer, meist ältere Menschen über 50 Jahre. Natürlich geht auch mal was schief: „In Frankfurt leitete ich ein Führung, die an der Alten Oper startete. Leider hatte ich den Marathon vergessen. Wir mussten zwischen den Läufern eine Straße queren. Das war peinlich!“ In Hanau lief bisher alles glatt. „Nur die letzte Führung ,Hanau weiblich’ fiel wegen mangelnder Anmeldungen aus. Allerdings wussten wir nicht, dass sich am Samstag zehn Leute anmelden wollten.“

Mit ihren Führungen möchte sie die Sinnlichkeit von Literatur vermitteln: „Das sind nicht nur einfach Bücher. Da steckt etwas dahinter.“ Wichtig sei ihr vor allem der revolutionäre, freiheitliche und gesellschaftskritische Aspekt. „Die Menschen sollen über sich und ihre Welt nachdenken und vielleicht etwas ändern.“

Hanau sei eine Literaturstadt. Clara Zetkin, Rosa Luxemburg, Jacob und Wilhelm Grimm, Karoline von Günderrode und Hans Jakob Christoffel von Grimmelshausen sind nur einige Namen. „In Hanau gab es so viele, wir können nicht immer alle erwähnen. Etwa lebte Karl Gutzkow eine Zeit lang in Wilhelmsbad. In einer Stadt dieser Größe war viel los.“

Als Grund dafür sieht sie die wirtschaftliche Blüte und die freiheitlichen Bestrebungen der Stadt seit dem 16. Jahrhundert: „Neben Offenbach war Hanau schon fast eine kommunistische Bastion. Hier war es alles sehr viel freier.“ Das berühmte „ABC-Buch der Freiheit für Landeskinder“ konnte in anderen Städten nicht publiziert werden. Ihr „gefällt das am meisten“. Selbst der russische Schriftsteller Nicolai Gogol soll in Hanau gewesen sein. Forschungen dazu sind das nächste Projekt der Germanistin: „Dennoch war es früher nicht sehr einfach, Autor zu sein. Besonders für Frauen.“

Autor:  Mareike Geringswald
Datum:  5 | 8 | 2010
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