Das Altenhilfezentrum Bernhard Eberhard hat eine ungewöhnliche Unterstützung bekommen. Orlando heißt der Vierbeiner, der seit Jahresbeginn den an Demenz erkrankten Bewohner einer Hausgemeinschaft stundenweise Gesellschaft leistet.
„Wir haben gemerkt, dass sich die Gesichtszüge der Menschen aufhellen, mehr Leben sichtbar wird, wenn Beschäftigte oder Bewohner mal ihren Hund mitbringen“, erklärt Irmgard Hesse. Die Altenpflegerin ist die Bezugsperson des gut vier Monate alten schwarzen Labradors, der auch mit ihr nach Dienstschluss nach Hause geht.
Der Ursprung der tiergestützten Therapie liegt offenbar in den 70er Jahren. US-Mediziner entdeckten, dass Patienten sich entspannten, wenn Tiere anwesend waren.
Als Begleiter werden Hund, Katze, Meerschweinchen oder Kaninchen eingesetzt. Vor allem Lamas und Pferden wird eine große Wirkung zugeschrieben.
Die Anwendung kann bei Autismus, geistiger und körperlicher Behinderung oder seelischer Erkrankung erfolgen.
Tiere nehmen Menschen ohne Vorbehalte an. Darin liegt das Erfolgsgeheimnis ihres Einsatzes in Therapien.
Eine besondere Ausbildung benötigen oft Tier und Therapeut. (sun)
Regeln für den Umgang
Derzeit bleibt der Hund nur wenige Stunden am Tag in der Einrichtung. „Er befindet sich noch in der Ausbildung“, sagt Hesse mit einem Schmunzeln, während Orlando im Korridor mit tapsigen Schritten freudig auf eine Bewohnerin an einem Rollator zugeht.
Dass es ein Labrador sein sollte, stand für das Altenzentrum von Anfang an fest. Die Rasse besitzt ein freundliches und sehr ausgeglichenes Wesen, so die Altenpflegerin. Dennoch hat man es sich bei der Auswahl nicht einfach gemacht. Das passende Tier fand sich über das Internet bei einem Züchter im bayerischen Landshut. Zuvor waren Beschäftigte, Bewohner und deren Angehörige nach ihrer Meinung zu dem Plan, einen Hund anzuschaffen, befragt worden.
Das Geld für den Kauf, die Impfungen und das Futter bezahlt das Altenheim. „Demnächst wollen wir versuchen, für Orlando Paten zu werben, um so einen Teil der Kosten zu finanzieren“, sagt Irmgard Hesse. Wegen ihrer Erfahrung mit Hunden wurde sie zur Erziehungsberechtigten von Orlando ernannt. Hesses Mann bildete in Mühlheim bei der Polizei Rauschgift- und Sprengstoffhunde aus. Der Kollege mit der kalten Schnauze kam nach Dienstschluss ebenfalls mit nach Hause.
Damit der vierbeinige Gesellschafter im Seniorenheim von Beschäftigten und Bewohner nicht verhätschelt wird, gibt es klare Regeln für den Umgang mit ihm. Sie wurden im Gemeinschaftsraum aufgehängt. Dazu gehört etwa, dass Orlandos Rückzugräume respektiert werden. Das Gassigehen übernehmen Beschäftigte der Pflegestation.
Wenn Orlando größer ist, soll er vor allem Carmen Köbel begleiten, die sich zurzeit zur geronto-psychiatrischen Fachkraft weiterbildet. In den zwei Hausgemeinschaften soll er dann den jeweils zehn dementen Bewohnern zusätzliche Bewegungs- und Kommunikationsanreize bieten. Sie können mit dem Hund sprechen oder für ihn einen kleinen Ball werfen.
Möglicherweise werden Orlandos Aufgaben eines Tages noch weiter wachsen. Laut der Leiterin des Altenhilfezentrums, Petra Brugger, kann er nach ein- bis eineinhalb Jahren an einer Spezialhundeschule zum Therapiehund ausgebildet werden, sofern er sich dafür eignet. Die Anforderungen sind hoch, denn ein Therapiehund wird gezielt in einer tiergestützten medizinischen Behandlung, etwa in der Psychotherapie oder Ergotherapie, eingesetzt.

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