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Baggersee wird Vogelparadies

Langenselbold In der Kinzigaue entstehen naturnahe Schlamminseln und Brutgebiete

Ihren Ursprung verdankt die Kinzigaue von Langenselbold in ihrer heutigen Form - eher untypisch für Naturschutzgebiete - dem nahen Autobahndreieck. Aus dem Ruhlsee schaufelten Bagger 1976 Kies und Erde für die A 45. Langgezogen, als Regattastrecke gedacht, wurde aus der 17 Hektar großen Wasserfläche ein Überschwemmungsgebiet und dann ein Rastplatz für Zugvögel.

Dabei wirkt die als Flora-und- Fauna-Habitat (FFH) ausgewiesene Kinzigaue eher steril. Nun wird sie für rund 1,85 Millionen Euro renaturiert. Eine der größten Projekte dieser Art im Land. Kurz vor dem Hessentag startet unter Leitung der Hessischen Gesellschaft für Ornithologie und Naturschutz (HGON) und der Gesellschaft für Naturschutz und Auenentwicklung (GNA) die Umgestaltung zum naturnahen Fließgewässer und Vogelschutzsee.

"Der Ruhlsee wird ein wertvolles Stillgewässer", erläutert Projektleiter Günter Könitzer. Denn trotz der bisher kärglichen Lebensraumstrukturen und Störungen durch Besucher, die am benachbarten Kinzigsee planschen oder ihre Hunde spazieren führen, hat sich hier der Biber blicken lassen. "Im nahen Wald brütet der Schwarzmilan. Der Rotmilan ist Nahrungsgast, auf dem Feuchtgrünland jagen Weißstörche, rasten Graugänse, Bekassine und Kiebitz. Im September schaut der Fischadler vorbei", berichtet Biologin Susanne Hufmann.

Eine Schlamminsel wird Nahrungshabitat für Wiesenbrüter und eine drei Hektar große Flachwasserzone am Südufer mit Schilf- und Röhrichtgürtel zum Brutgebiet. Die Vögel werden durch einen Ringgraben geschützt.

Aber auch für Besucher soll das Revier als Erholungsgebiet attraktiver werden. Geplant sind Stände für Naturbeobachtungen und ein mit Schautafeln bestückter See-Lehrpfad. Spaziergänger können weiter auf dem Damm flanieren.

Fünf Jahre lang haben Susanne Hufmann und Könitzer in Abstimmung mit Stadt, Landwirten, Anglern, Pächtern und Behörden das Projekt realisiert. Bis 2015 soll die Kinzig naturraumtypische Gewässerstrukturen ausbilden. Störsteine, Buhnen oder Totholz verändern dann das Strömungsmuster und fördern Substratvielfalt und artenreichere Fischbestände.

Im Bereich des Langenselbolder Industriegebietes entlastet bald ein Gewässerbypass den stark beanspruchten Prallhang. "Künftige Kinzig-Inseln werden sich zu wertvollen Weichholzauen entwickeln", sagt Hufmann. Im weiteren Verlauf werden Altarmstrukturen wieder geöffnet.

Hufmann und Könitzer haben in Sachen Renaturierung viele Referenzen vorzuweisen: den Etzwiesenbach in Hasselroth, die Rodenbacher Lache oder den naturnahen Umbau der Orbmündung.

Das Projekt in der Kinzigaue ist mit 917 000 Euro veranschlagt. Knapp 600 000 Euro davon finanziert das Land aus seinem Förderprogramm. Das Amt für Straßen- und Verkehrswesen steuert weitere 930 000 Euro für den Ruhlsee bei. Das Geld stammt aus dem Kompensationskonzept Kinzig.

Autor:  JÖRG ANDERSSON
Datum:  8 | 4 | 2009
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