Gewöhnlich donnern dort schwerbeladene Lastwagen mit Schüttgut, Heizöl oder Überseecontainern durch die breiten Straßen. Auf dem Gelände halten sich trotz dieser Betriebsamkeit in der Regel nicht viele Leute auf. Seit Donnerstagabend herrscht am Hafen aber eine andere Welt und das noch bis Sonntag - zumindest auf dem Abschnitt zwischen Rhenus- und Nösenberg-Areal. Das 85-jährige Bestehen des Güter-Umschlagplatzes ist den Stadtwerken als Betreiberin ein Hafenfest wert.
Tausende Menschen besuchen am Freitag das Industriegebiet, das für die Festtage sein Image als Schmuddelecke nicht versteckt. Die Besucherströmen gehen vorbei an aufgetürmten Bergen von Altglascontainern, staubüberzogenen Silobauten oder Gebirgen aus Schrott. Hinzu kommt der dem Hafen ganz eigene Geruch. Wie ein Fremdkörper mutet vor dieser Kulisse der Rummelplatz an - etwa das kleine, quietschbunte Riesenrad vor der meterhohen, rostigen Altmetallwand, die von Brettern zusammengehalten wird. Ein Sujet der Gegensätze für Fotografen. Unterschiede auch kulinarischer Art, Currywurst versus Backfisch.
Das Fest geht heute und am Sonntag jeweils von 11 Uhr an weiter. Eine Ausstellung zur Hafengeschichte ist in der Hafenstraße 8 zu sehen. An beiden Tagen gibt es Baggervorführungen ab 11 Uhr. Der Dampflokzug startet um 11.20 Uhr und verkehrt stündlich zwischen Hafen und Hauptbahnhof. www.stadtwerke-hanau.de
Das Geburtstagsfest nutzt nicht nur der Hafenbetrieb, um sich vorzustellen, sondern auch die Hanauer Feuerwehr. Deren Erläuterungen und Vorführungen folgen mehrere Dutzend Menschen. Den Wunsch einer Frau, einmal einen Feuerlöscher ausprobieren zu dürfen, erfüllt ihr Hauptbrandmeister Helmut Happel jedoch nicht.
Die Stadtwerke bieten den Besuchern des Festes mehr als einen Rundgang zwischen Buden, Lagerhallen und Gleisen. Fahrten mit dem historischen Dampfzug der Museumseisenbahn Hanau stehen auf dem Programm, eine Fahrt mit dem Schiff nach Kesselstadt oder Steinheim und zurück sowie Vorführungen der Taucher im Hafenbecken. Heute und morgen soll es weitere Aktionen geben, wie das Löschen eines Kiesschiffes um 12 Uhr.
"Ich finde es schade, dass das Programm nicht plakatiert ist", sagt eine Hanauerin auf der Suche nach einem Veranstaltungskalender. Außerdem vermisst sie eine "richtige Hafenrundfahrt".
"Ein bisschen enttäuscht" äußert sich ein Paar aus Maintal. "Zu viele Schausteller und zu wenig hafentypisches Programm", sagt der Mann. "Vor zehn Jahren beim 75. Hafengeburtstag war das noch anders", erinnert er sich. Als "schön und gemütlich" bewertet dagegen eine Frau das Fest, die mit ihrem Begleiter aus Steinheim anreiste, er auf Inline-Skatern, sie mit dem Fahrrad und dem Korb für den Hund daran.
Das Hafenfest bietet aber auch Ruhezonen an, die es sonst kaum in der Stadt so gibt. Wer will, kann sich an die Mole setzen, ins glatte Mainwasser schauen und sich vorstellen, wo das nächste Ziel der "Aquila" liegt - den Namen trägt ein Binnenschiff.

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