Lärm macht bekanntermaßen krank. Deshalb hat das Regierungspräsidium Darmstadt (RP) für seinen Bezirk einen „Lärmaktionsplan“ erstellt, der zum einen die lautesten Stellen kartiert, zum anderen Vorschläge macht, dem Krach zu begegnen. Welche Ergebnisse der Plan für die Stadt Hanau beinhaltet, erläuterte am Donnerstag RP-Experte Christian Reuter im Struktur- und Umweltausschuss der Stadt.
Reuter konnte zunächst nur den Bereich Straßenlärm vorstellen; die Bahn- und Fluglärmpläne sind noch in Arbeit. In einer ersten Stufe wurden dazu alle Straßen beurteilt, auf denen mehr als sechs Millionen Fahrzeuge im Jahr unterwegs sind. Durch Lärm belastet sind demnach in Hanau naturgemäß die Bereiche an den Autobahnen 66, 45 und 43a, aber auch innerörtliche Straßen: die Bruchköbeler Landstraße, die B8, die Lamboystraße und die Frankfurter Landstraße. Letztere ist ein typisches Beispiel: Belastet ist sie nur zwischen Kinzigbrücke und Rosenau, weil sich ab dort der Verkehr einerseits direkt Richtung Autobahn, andererseits in Richtung Beethovenplatz teilt.
Das merken auch die Anwohner. Derzeit „profitieren“ sie noch von dem Bahnübergang; bei rund 250 Zügen in 24 Stunden ist die Schranke so oft geschlossen, dass viele Autofahrer lieber gleich den Umweg über die Gustav-Hoch-Straße wählen. Um dennoch im Abschnitt der Frankfurter Landstraße zwischen Rosenau und Bahnübergang den Lärm zu reduzieren, könnte man an Tempo 30 denken, schlägt Reuter vor.
Die derzeit vorliegenden Daten sind jedoch nur vorläufig: Wenn die nordmainische S-Bahn gebaut wird, wird der Bahnübergang durch eine Unterführung ersetzt – dann wird der Verkehr massiv zunehmen. Und der Lärm wird nochmals dadurch verstärkt, dass noch mehr Züge als bisher über die dann viergleisige Strecke fahren werden.
Bahnlärm-Plan folgt
Der Aktionsplan für den Bahnlärm soll im kommenden Sommer vorgelegt werden. Er ist speziell für Hanau von Bedeutung, kaum eine andere Stadt ist von dermaßen vielen und auch stark befahrenen Strecken durchzogen und umringt. Reuter konnte zunächst zumindest bestätigen, dass sämtliche Bahnlinien in und um Hanau als besonders laut eingestuft sind.
Für etwas Verwirrung sorgte im Ausschuss, dass eine präsentierte Karte ausgerechnet Großauheim als „weißen Lärm-Fleck“ auswies – die Großauheimer werden das kaum verstehen, führt doch die Hauptstrecke Frankfurt – Nürnberg direkt durch ihren Stadtteil. „Das“, gestand Reuter zu, „ist ein Fehler in der Karte, der noch korrigiert werden muss.“
Für die Lamboystraße – ebenfalls als Beispiel – sehen die Darmstädter schon einige Verbesserungen durch den Umbau der Straße mit grünen Mittelstreifen. Außerdem habe der besonders laute Lastwagenverkehr durch die Schließung der Kasernen schon um 30 Prozent abgenommen.
Um dem Straßenlärm zu begegnen, kommen in der Innenstadt Lärmschutzwände natürlich nicht in Frage. Eine Alternative ist der „Flüsterasphalt“, dessen offenporige Oberfläche das Rollgeräusch der Reifen (das mehr Krach verursacht als die Motoren) spürbar reduziert. Das sei für Hanau „interessant“, meinte Stadtrat Ralf-Rainer Piesold (FDP) in der Sitzung. Es wird nun Sache der Kommune sein, aus dem Aktionsplan Konsequenzen zu ziehen.

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