"Dass sich erwachsene Menschen daran aufgeilen, verängstigte Rinderbabys zu jagen, spricht Bände." Viola Kaesmacher beklagt "ein zweifelhaftes Spektakel" an den nächsten beiden Wochenden in Klein-Auheim. Die Pressesprecherin der Tierrechtsinitiative Rhein-Main ruft zum Protest auf gegen das "Original Wildwest Rodeo", das der Griesheimer Dieter Brand jeweils Samstag und Sonntag inszeniert.
Am Sonntag, 28. Juni, wollen die Tierrechtler am Veranstaltungsort, dem Gelände neben dem Sportplatz des FC Alemania, Dieselstraße 13, ab 12.30 Uhr demonstrieren. "Tiere werden eingesperrt, manipuliert und benutzt, damit sich Menschen mit Lasso und Sporen überlegen fühlen," kritisiert Kaesmacher das Bullenreiten, Wildpferdreiten und Kälberfangen.
Selbst wenn die Tiere in der Arena nicht wirklich besiegt werden könnten, seien sie immer der Verlierer, argumentieren die Tierrechtler. "Denn im Gegensatz zu den menschlichen Akteuren nehmen sie nicht freiwillig teil und erleiden oftmals erhebliche psychische und physische Schäden." Diese Auffassung stützt sich auf ein Gutachten der Tierärztlichen Vereinigung für Tierschutz, das auf Verhaltensbeobachtung basiert. Das habe auch zu einem einschränkenden Erlass geführt. Aber nicht überall sei wie in Niedersachsen unter anderem Bullenreiten verboten worden.
Amtsveterinäre und Gerichte vertreten keine einheitliche Auffassung zu diesem Thema. "Die Sachverständigen scheiden sich hierzu massiv", erklärte die hessiche Landestierschutzbeauftragte Madeleine Martin der FR. "Das ist der Grund, weshalb Rodeo nicht verboten wird."
Zweierlei Maß bei Pferdesport
Martin gibt zu bedenken: "Wenn man an den normalen Pferdesport die Kriterien des Tierärzte-Gutachtens anlegte, was ich sehr begrüßen würde, dann wären wir den Pferdesport in Deutschland los." Es habe einen Geschmack, dass der einzige Rodeo-Betrieb immer wieder angeprangert werde, nicht aber die Leiden der Turnierpferde: "An die große Pferdesportlobby geht man nicht ran."
Weder Sporen noch Schmerzen verursachende Flankengurte würden verwendet, verteidigt sich Veranstalter Brand. Und die angeblichen Rinderbabys seien einjährige Jungrinder. "Die werden mit dem Lasso gefangen, dann reißt eine Schnur und sie rennen ungebremst weiter." Zu Boden geworfen und gefesselt wie in USA würden sie nicht. (lex)

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