Von Hanau nach Munkacz in der Ukraine sind es 1300 Kilometer und drei Tage strapaziöse Fahrt im Hilfskonvoi. Zwei Lastwagen bringen jedes Jahr Tonnen von Möbeln, Kleidung, Schuhe und Computer für das humanistische Gymnasium in einer armen Region in den Karpaten. Begleitet werden die Brummis dabei von Damen des Lions-Clubs Hanau Schloss Philippsruhe.
„Wir wollen kein wohltätiges Damenkränzchen oder bloße Ableger der Lions-Männer sein“, sagt Stefanie Keilig, die Club-Präsidentin, „wir sind berufstätig und finanziell unabhängig“. Die Ärztin sieht das Lions-Motto „We serve“ pragmatisch: Der Leitsatz der Damen lautet „aktiv, kreativ, positiv“. Er bestimmt das Engagement der rund 20 ehrenamtlich tätigen Frauen, die die Welt im Kleinen verbessern wollen.
Die Lions sind ein weltweit tätiges Netz von Wohltätigkeitsvereinen (ähnlich dem Rotary Club), die jedoch Jahrzehnte lang reine Männerclubs waren.
In Hanau gibt es seit über 50 Jahren einen Ableger, den der Frauen erst seit gut zehn Jahren. Informationen über den Verein gibt es über die Internetadresse www.lionsclub-mainkinzig.de.
Ihre erste Aktion im Jahr 2006 war das „Husarenstück“, wie sie es nennen: Zusammen mit einer Berufsschulklasse aus Köln organisierten die Damen das gesamte Mobiliar für das ukrainische Gymnasium, restaurierten es und brachten es per Laster in die Ukraine. Seitdem bereiten sie persönlich die alljährliche Hilfsaktion mit deutschen und ukrainischen Partnern vor.
Hilfe für ein breites Spektrum
In der Region Hanau ist der Damen-Lions-Club Schloss Philippsruhe der einzige seiner Art. Letztes Jahr feierten die 36 bis 65 Jahre alten Frauen ihr zehnjähriges Bestehen in Schloss Philippsruhe. So entstand der neue, eigenständige Name des Gruppierung, der eigentlich gar kein reiner Damenclub ist – die Satzung erlaubt auch den Beitritt von Männern. Bisher habe sich aber noch kein Gentleman in ihre Reihen verirrt.
Im Main-Kinzig-Kreis deckt die Hilfe der Frauen ein breites Spektrum ab. Sie ist vor allem für Kinder und Familien bestimmt, die nicht in der Lage sind, ihr eigenes Leben zu meistern. Von den Aktivitäten und Zuwendungen der Frauen profitieren viele Einrichtungen, wie das Wächtersbacher Frauenhaus und die Hanauer Beratungsstelle „Lawine“ für Opfer von sexuellem Missbrauch.
Die Spenden stammen von Privatleuten, aus Erlösen von Ständen auf Weihnachtsmärkten oder Verlosungen. Auch Gewaltprävention und Mittagessen in Problemschulen stehen auf dem Programm. Da der Club keinen großen Verwaltungsapparat hat, kommt die Hilfe direkt bei den Menschen an. Dies gilt besonders im Falle des Dauerpatienten Ukraine. „Die Wirtschaftskrise hat den leicht spürbaren Aufschwung in Munkacz wieder zum Erliegen gebracht“, sagt Keilig.
Bis 2009 hatte der ukrainische Staat einen Teil der Lehrergehälter übernommen, diesen Zuschuss aber bald wieder gestrichen. So arbeiten die Lehrer des Gymnasiums überwiegend unentgeltlich, sie leben von Naturalien-Spenden. „Die Menschen dort sind für jede Unterstützung äußerst dankbar“, so die Präsidentin, die die Menschen im Kreis um Spenden bittet.

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