Elf Mädchen und ein Junge der Sportakrobatikgruppe des TV Echzell turnen im Zelt unter dem Beifall des Publikums. Draußen drehen Läufer beim Jedermann-Sponsorenlauf ihre Runden und bringen 3260 Euro in die Kasse der Bürgerinitiative „Grätsche gegen Rechtsaußen“. Im Gerätehaus der Feuerwehr klärt die Antifaschistische Bildungsinitiative über Rechtsextremismus in der Wetterau auf. Auf dem Sportplatz wird Frisbee gespielt und mit einer speziellen Wurfmaschine Baseball trainiert. Abends spielt im Zelt die populäre Wetterauer Band Fräulein Wunder und textet einen ihrer Songs in „Nazi fick dich“ um. Das Publikum singt mit, die vielen jungen Mädchen vor der Bühne ebenso wie die älteren Herren im Hintergrund des Zeltes.
Das erste Echzell-Festival „Gemeinsam gegen Rechtsaußen“ am Samstag auf dem Sportplatz des Ortsteils Gettenau war ein Volksfest. Das Verzeichnis der Unterstützer liest sich wie ein Vereins- und Gewerbeverzeichnis von Echzell und Umgebung.
900 Besucher kamen laut Olivia Bickerle von der Bürgerinitiative, die damit „sehr zufrieden“ ist. Besonders freut sie, dass viele Echzeller zeigen wollten, dass ihr Dorf kein braunes Nest ist.
Aber auch viel politische Prominenz hatte sich eingefunden, darunter der hessische SPD-Chef Thorsten Schäfer-Gümbel, der Fraktionsvorsitzende der Grünen im Landtag, Tarek Al-Wazir, Hermann Schaus, Landtagsabgeordneter der Linken, die Wetterauer SPD-Landtagsabgeordnete Lisa Gnadl oder Landrat Joachim Arnold (SPD). Sie alle wollten deutlich machen: Wir lassen Euch in Eurem Kampf gegen den Rechtsextremismus nicht alleine. Echzells Bürgermeister Dieter Müller (SPD), Schirmherr des Festivals, wertete die Veranstaltung als „einzigartiges Signal“.
Ein Problem mit Rechtsaußen hat Echzell, seit der rechtsextreme Patrick W., der sich den makabren Spitznamen „Schlitzer“ zugelegt hat, seine Aktivitäten in seine Hofreite in der Wiesengasse in Echzell verlegt hat. Er betreibt unter dem Firmennamen Old Brothers ein Tätowierstudio und einen Ordnerdienst und versucht, die Dorfjugend zu ködern. Fast jedes Wochenende ist Party in der festungsähnlichen Hofreite, die er Old Brothers Castle nennt. Grölende und pöbelnde Rechtsextreme ziehen durch die Gasse. Anwohner, die sich beschwerten, wurden zusammengeschlagen.
In der Ausstellung, die die Antifaschistische Bildungsinitiative zeigte, ging es auch um den Rechtsextremen Marcel Wöll, der kurze Zeit hessischer NPD-Vorsitzender war. Der hatte in Butzbach-Hoch-Weisel eine Hofreite gekauft und wollte sie zum rechtsextremen Zentrum ausbauen. Das Dorf wehrte sich. Wöll gab auf und setzte sich nach Thüringen ab. Nun stehen die Echzeller auf. Sie wolle, dass ihre zweieinhalbjährige Tochter in einem gewaltfreien Umfeld aufwachse, nennt die BI-Sprecherin Olivia Bickerle als Motiv für ihr Engagement.
Internet: www.graetsche-gegen-rechtsaussen.de

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