Auch wenn gerade alle, über eisige Finger, Füße oder Hintern jammern, und man morgens am liebsten zurück unter die Bettdecke flüchten würde, statt bibbernd das Haus zu verlassen, bin ich fest entschlossen, meine Schlittschuhe zu schnüren. Endlich kann ich auch mal wieder draußen in der Natur laufen, statt meine Bahnen in einer Eissporthalle brav im Kreis zu drehen.
Früher hoffte ich, dass es so richtig kalt wird
Reicht eine lange Unterhose? Ein paar Socken oder besser zwei? Am Ende entscheide ich mich für die klassische Winterausstattung: einmal Skiunterwäsche, warme Socken plus Wollpulli, Schal, Mütze und extradicke Handschuhe.
Als Jugendliche und später als Studentin in Berlin hatte ich meine Hoch-Zeit als Eisläuferin. Ich war so passioniert, dass ich im Winter nur darauf wartete, dass es so richtig kalt wird. Das Ganze ging so weit, dass ich sogar an manchen Tagen, wenn die Freunde keine Zeit hatten, stundenlang allein Eislaufen übte.
Die Füße in Kurven elegant voreinander zu platzieren, studierte ich mühsam ein – ebenso wie den Rückwärtsgang samt Wechsel der Fahrtrichtung während des Laufens.
Dass meine Künste zwischenzeitlich etwas eingerostet sind, merke ich, als ich die ersten Gleitversuche auf gefluteten Wiesen, den Kaiserteichen in Hanau, unternehme. Der Wagemut von früher, einfach drauflos zu fahren und auch mal einen Sturz zu riskieren, hat mich verlassen.
Unheilverkündendes Knacksen
Doch nach ein paar Runden läuft es besser. Das Gefühl dafür, wie ich mein Körpergewicht einsetze, um möglichst guten Halt auf dem Eis zu haben, kommt wieder. Ich lege mich in die Kurven, einmal rechtsherum, dann wieder linksherum, umfahre weitsichtig ein Loch im Eis am äußeren Rand der zugefrorenen Fläche und weiche den vielen kleinen Kindern aus, die gerade erst Schlittschuhfahren gelernt haben.
Einige der jüngeren Läufer sind schon sehr talentiert, bemerke ich. Ein Junge neben mir springt während der Fahrt in die Luft und streckt dabei ein Bein nach hinten aus. Das schaut gut aus, doch mein Versuch, das Kunststück nachzumachen, gelingt nicht. Ich hebe einfach nicht weit genug vom Eis ab. Voller Respekt lobe ich den Nachwuchs für diese Leistung. „Ich turne und das hilft mir jetzt auch beim Eislaufen“, sagt er.
Einen Schreck bekomme ich, als ich kurz ein unheilverkündendes Knacksen höre. Zuvor habe ich einige tiefe Risse im Eis bemerkt, doch bei dem seit gut einer Woche anhaltenden Frost ist die Gefahr einzubrechen gering. Und selbst wenn – bei etwa knietiefem Wasser besteht keine Lebensgefahr. Um den Füßen ein Eisbad zu ersparen, sollte man trotzdem vorsichtig sein, wie diese Erfahrung zeigt.
Wie im Flug vergeht die Zeit, es wird langsam dunkel und am Himmel hängt schon der Mond. Ich gleite dahin, atme die klare Luft ein. Kalt ist mir kein bisschen, durch die Bewegung wird mir wohlig warm. So macht der Winter richtig Spaß.

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