Eine Doktorarbeit kann nicht aufwendiger sein, sagt Erika Schulte, Hanauer Wirtschaftsförderin und Geschäftsführerin der „Brüder-Grimm-Berufsakademie GmbH“. Eine Fülle von Unterlagen, gepackt in mehrere Ordner, hat sie für die Akkreditierung der geplanten kleinen Hanauer Hochschule zusammengestellt und am 8. Februar an die „Zeva“, die „Zentrale Evaluations- und Akkreditierungsagentur“ in Hannover geschickt, die darüber entscheidet, ob die Berufsakademie zugelassen wird. Die Bewerbung enthält unter anderem die Lerninhalte und -ziele der zunächst vorgesehenen beiden Studiengänge „Produktgestaltung“ und „Designmanagement“, die Studienordnung oder die geplanten Module bis zum Bachelor-Abschluss.
Besichtigung im März
Das Studium an einer Berufsakademie ist mit viel Praxis verknüpft, normalerweise mit einer Ausbildung oder Praktikum in einem Betrieb. In Hanau kann dieser praktische Teil an der Staatlichen Zeichenakademie absolviert werden.
Träger der Brüder-Grimm-Berufsakademie ist eine eigens gegründete Gesellschaft, in der die Stadt Hanau 80 Prozent und die „Steinbeis Business School“
20 Prozent der Anteile hält.
Am 8. März werden Vertreter der Akkreditierungsagentur in Hanau erwartet, um sich die Staatliche Zeichenakademie anzusehen, mit der sich die Berufsakademie die Räume und einen Teil des Lehrpersonals teilen soll. Einige Wochen später erteilt die Agentur entweder eine uneingeschränkte Empfehlung, eine mit Auflagen oder im ungünstigsten Fall eine Absage. Sie sei zuversichtlich, dass das Konzept für die Brüder-Grimm-Berufsakademie Gefallen finden werde, sagt Erika Schulte. Sollte es so kommen, so sei im Mai mit einem offiziellen Bescheid des Hessischen Ministeriums für Wissenschaft und Kunst zu rechnen.
„Leider dürfen wir bis dahin keine Werbung für unsere Berufsakademie machen“, bedauert die Geschäftsführerin. Was bedeutet: Die Bewerbungsfrist für die Studierenden wird knapp. Denn bereits Mitte August soll der Unterricht an der Berufsakademie beginnen. Pro Studiengang können 15 Studierende aufgenommen werden, mehr sind wegen der Größe der Werkstätten nicht möglich.
Auch ein Leiter für die Berufsakademie ist bereits gefunden: Ulrich Kern, seit 2008 Professor für Designmanagement an der Hochschule für angewandte Wissenschaften und Kunst in Hildesheim, soll diese Aufgabe übernehmen. Für seine künftige Tätigkeit scheint er geradezu prädestiniert: Denn so wie die Berufsakademie Theorie und Praxis verbindet, prägte beides Kerns bisherigen Werdegang: So war er unter anderem Geschäftsführer des Design-Zentrums in Essen.
An der Brüder-Grimm-Berufsakademie können die Absolventen zwei Abschlüsse parallel ablegen: einmal den Gesellenbrief in einem gestalterischen Beruf (er kann in einem Betrieb oder an der Staatlichen Zeichenakademie erworben werden) – und eben den Bachelor in „Produktgestaltung“ oder „Designmanagement“.
Die Inhalte der Studiengänge haben Leitung und Lehrer der Zeichenakademie erarbeitet: Bei „Produktgestaltung“ liegt der Schwerpunkt auf dem Entwerfen von Schmuck, Accessoires und Geräten, bei „Designmanagement“ geht es vor allem darum, wie Arbeiten auf den Markt gebracht werden können.
Bei diesen beiden Angeboten soll es indes nicht bleiben, erklärt Wirtschaftsdezernent Ralf-Rainer Piesold (FDP). Geplant seien nicht nur weitere künstlerische Studiengänge, sondern auch ein betriebswirtschaftliches Studium. „In Hanau gibt es viele große Unternehmen, die bereits Interesse angemeldet haben“, sagt Piesold. „Denkbar wäre es, Abschlüsse wie Industrie oder Bürokaufmann mit dem BWL-Studium zum koppeln“, erläutert Erika Schulte. Unterrichtsräume würden diese Studierenden dann aber nicht in der Zeichenakademie finden, sondern möglicherweise in den Kaufmännischen Schulen.

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