Wir sind der größte Sportverein im Kreis“, sagt Margret Härtel. Die Präsidentin des Fördervereins für das Jubiläum hat sich das dieser Tage extra noch einmal schwarz auf weiß vom Sportkreis bestätigen lassen – soll bloß keiner sagen, der Verein schmücke sich mit fremden Federn. Die Turngemeinde Hanau (TGH) ist aber ohnehin der Platzhirsch in der Region.
1837 als Verein zur Körperertüchtigung mit politischem Anspruch gegründet, blickt die TGH auf eine bewegte Geschichte zurück. In den vergangenen zweieinhalb Jahrzehnten hat der Verein eine massive Professionalisierung erlebt, in deren Zentrum steht, eine hauptamtlichen Struktur zu schaffen. Die Mitgliederzahlen und die sportlichen Erfolge geben dem Verein Recht.
3700 Mitglieder gehen in 24 Abteilungen 32 Sportarten nach. Die Tischtennis-Mannschaft ist in der Ersten Liga, die Basketballer spielen in der zweiten.
Die TGH zählt zu den größten Sportvereinen Hessens. Zugleich gilt sie als fünftältester Verein Deutschlands. Der Monatsbeitrag beträgt zehn Euro.
„Wir schaffen den Spagat, ein großer Verein zu sein, ohne den familiären Charakter zu verlieren“, sagt Präsident Robert Oestreich. Er muss es wissen, schließlich kennt er den Verein wie seine Westentasche. Vor Jahren erfolgreich als Schwimmer, spielt er heute nur noch ab und zu Volleyball in einer Freizeitmannschaft – der Beruf fordert seinen Tribut. Zwar hat die TGH seit zehn Jahren eine hauptamtliche Geschäftsführung, doch wird die meiste Arbeit nach wie vor von den Ehrenamtlichen erbracht.
Margret Härtel kann ein Lied davon singen. Hanaus ehemaliger Oberbürgermeisterin ist die Enttäuschung darüber immer noch anzumerken, dass es mit der großen historischen Schau in Schloss Philippsruhe nicht geklappt hat – trotz bester Kontakte in die Politik und ihrer jahrelangen Arbeit im Förderverein. Dass Geschäftsführer Sven Rügner in der heißen Phase der Organisation kündigte, sei indes nicht entscheidend gewesen. „Wir haben nicht genug Sponsoren gefunden“, sagt sie.
Mit ihrem Förderverein will Härtel dafür sorgen, dass das historische Verdienst der Hanauer Turner stärker gewürdigt wird – eine Publikation soll folgen. Außerdem will sie helfen, noch mehr Mitglieder zu gewinnen. „Wir schaffen die 4000“, sagt sie. Präsident Oestreich stellt unterdessen klar: „Wir sind nicht die TG Bornheim.“ Wachstum um jeden Preis werde es unter seine Ägide nicht geben. Sportliche Erfolge gibt es seiner Meinung nach nur, wenn Basis und Nachwuchs stimmen.
Zwar gibt es seit geraumer Zeit Kurse bei der TGH, doch die sollen vor allem Menschen anlocken, die Berührungsängste mit Vereinen haben. „Die Leuten suchen bei der TGH vor allem die Gesellschaft“, findet Härtel. Angesprochen auf die kleineren Vereine in Hanau und Umgebung sagt Oestreich „alle haben ihre Existenzberechtigung – Leben und Leben lassen“. Erst seit drei Jahren wird bei der TGH wieder Fußball gespielt.

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