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Fluglärm: Kampf für neues Anflugverfahren

Der Main-Kinzig-Kreis will mit einem selbst in Auftrag gegebenen Gutachten für lärmarme Anflugverfahren die Landesregierung, das Bundesaufsichtsamt für Flugsicherung und die Deutsche Flugsicherung unter Druck setzen: Die Experten glauben, dass sich der Fluglärm um 50 Prozent mindern lässt.

        

Gemeinsamer Protest gegen Fluglärm: zuviel fürs Ohr.
Gemeinsamer Protest gegen Fluglärm: zuviel fürs Ohr.
Foto: Rolf Oeser

Die Expertise wurde am Mittwochabend vor knapp 500 Besuchern in der Gelnhäuser Stadthalle erstmals in Auszügen vorgestellt. Laut Gutachter Michael Morr von der international tätigen Luftfahrt-Consultingfirma „To70“ lasse sich in einem ersten Schritt der Fluglärm über dem Kinzigtal um rund 50 Prozent mindern.

Allein wenn die Überflughöhe um 300 Meter auf 1500 Meter angehoben würde – beziehungsweise auf 1800 Meter bei der neuen nördlichen Anflugroute –, könnte laut Morr der Schallpegel am Boden um drei Dezibel verringern werden. Das entspreche einer Halbierung der empfundenen Lautstärke. Diese Höhe müssten die Maschinen zudem erst fliegen, wenn sie bei Hanau in den Instrumentenanflug übergehen. Bis dahin sei der kontinuierliche Sinkflug mit geringster Triebwerkleistung möglich. Dabei ziehen die Flieger eine Schleife, die einem Posaunen-Umriss gleichen soll, genannt Trombone-Verfahren (engl. Trombone = Posaune).

Derzeit werden die Jets mit viel Motorleistung bereits ab Bad Orb in einem fast waagerechten Anflug gehalten, dabei kann der Pilot bis auf 1000 Meter über Meeresniveau heruntergehen.

Während der Sinkflug eine alte Forderung der Lärmgegner ist, ermöglicht das Point-Merge-Verfahren laut Studie eine noch höhere Lärmentlastung. Bislang werde es in Dublin und Oslo praktiziert, so Morr. In Paris stehe man auf politischen Druck kurz vor der Einführung. Beim Point Merge werden die Maschinen bereits in großer Höhe für den Endanflug einsortiert, bevor es im geräuscharmen Sinkflug geht.

Die Anflugmethode funktioniert nach Simulationen der Firma „ To70“ auch, wenn sich die Flugbewegungen fast verdoppeln von derzeit 450 000 auf 700 000 bis zum Jahr 2020 - wie prognostiziert. Für die Lotsen der Deutschen Flugsicherung (DFS) sei Point Merge überdies einfacher zu handhaben als der bisherige Anflug, weil weniger Anweisungen an die Piloten zu geben seien. Beide Verfahren lassen sich laut Morr in einer überschaubaren Zeit auch für Rhein-Main einführen, das Trombone-Verfahren sogar von heute auf morgen.

Landrat Erich Pipa (SPD) kündigte an, einen Antrag beim Bundesaufsichtsamt für Flugsicherung zu stellen, um eine veränderte Routenplanung zu erreichen. Sollte dies nicht erfolgen, so Pipa, drohe eine weitere Klage. Bereits für das Gutachten wurde 100 000 Euro ausgegeben, die Kosten teilen sich Kreis und Kommunen.

Auf dem Podium in der Gelnhäuser Stadthalle saß als Vertreter des Wirtschaftsministeriums Bernhard Maßberg. Seine Ansprache blieb unverbindlich. Er verwies auf das bevorstehende Gespräch von Ministerpräsident Volker Bouffier (CDU) mit den Vertretern der Fraport und den Airlines, was beim Publikum zum Teil zu geharnischten Zwischenrufen führt. Ein Frau beklagte, dass die gegenwärtig Situation „eine Menschenrechtsverletzung im Minutentakt“ darstelle. Maßberg war verwundert darüber, dass die Maschinen sich schon ab Bad Orb in geringer Höhe befinden. Er sagte, dass zumindest die Einführung der Mindesthöhe von 1500 Meter „zeitnah umgesetzt werden kann“.

Infoveranstaltungen plant der Kreis auch für Hanau, Rodenbach und andere Kommunen. Vortrag und Präsentation stehen im Internet unter www.mkk.de unter dem Button Fluglärm.

Autor:  Detlef Sundermann
Datum:  27 | 1 | 2012
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