Nur wenige Monate nach dem endgültigen Abbau seiner Großskulptur "Wir sitzen alle in einem Boot" hat Claus Bury seiner Geburtsstadt Gelnhausen ein neues Kunstwerk vermacht. Das "Gewächshaus für Gedanken", ebenfalls aus Holz und mehrere Meter hoch, soll in der kommenden Woche auf der Müllerwiese platziert werden - an gleicher Stelle wie der an einen Schiffsrumpf erinnernde Vorgänger.
Mehr als zwei Jahre hatten sich Kommunalpolitiker, Geschäftsleute und kulturbeflissene Bürger für den Erhalt des zehn Meter hohen alten Kunstwerkes engagiert, das der international renommierte Bury Gelnhausen 1996 zum Hessentag vermacht hatte. Die in mächtigen Doppelkufen gestapelten Baumstämme, Überbleibsel einer Sturmkatastrophe, thematisierten die umweltbedingte Gefährdung der nahen Kaiserpfalz, die Stauferkaiser Barbarossa im 12. Jahrhundert auf Holzpfählen errichten ließ.
Der Künstler wurde am 29. März 1946 in Meerholz, heute ein Stadtteil von Gelnhausen, geboren.
Die Skulptur "Wir sitzen alle in einem Boot" entstand 1996 zum Hessentag in Gelnhausen. Am Kinzigufer wurden 280 Tonnen Holz, überwiegend Windwurf des Orkans Wiebke, verbaut.
Die Rettung des Werkes hätte einen sechsstelligen Betrag erfordert.
An gleicher Stelle soll nun das 2004 errichtete Gewächshaus für Gedanken aufgebaut werden. (jan)
Der Rettungsversuch scheiterte. Neben den morschen Baumstämmen kamen weitere Schäden und Konstruktionsmängel zum Vorschein, für aufwendige Reparaturen reichten Geld und Spenden nicht. Der Künstler hatte das Schicksal seiner "Arche Noah" durch das vergängliche Material vorweggenommen.
Gleichwohl beeindruckt ihn das Engagement der Bürgerschaft zur Rettung des Kunstwerks offenbar so sehr, dass er der Stadt nun "gerne ein neues Kunstwerk" zur Verfügung stellt, wie er sagte und dabei auch seine Verbindung zur Heimatstadt betonte. Der in Gelnhausen und Hanau aufgewachsene Bildhauer hat der Region weitere Kunstwerke gestiftet, so etwa den Entwurf einer blauen Brücke für die Landesgartenschau in Hanau sowie ein überdimensionales Holzinstrument für den dortigen Congress Park.
Das Kunstwerk steht bisher in Nürnberg
Ganz neu ist die Architekturskulptur "Gewächshaus für Gedanken" nicht. Sie war schon 2004 auf einem Gärtnereigelände bei Bonn zu sehen und bis vergangene Woche Bestandteil der dreimonatigen Ausstellung "Maßstabssprünge" im staatlichen Museum für Kunst und Design in Nürnberg, wo Bury seit 2003 auch Professor an der Akademie für Bildende Künste ist.
Nun haben Stadt, Kulturstiftung, Verkehrsverein und Sponsoren der heimischen Wirtschaft die Voraussetzungen für den Transport des begehbaren Kunstwerks geschaffen. "Durch die Zusammenarbeit ist es gelungen, das Projekt zu schultern", freut sich Thorsten Stolz (SPD). Gelnhausens Bürgermeister rechnet damit, dass die hausartige, offene und begehbarer Skulptur aus Fichtenholz "ebenfalls viele Kunstinteressierte und Besucher in die Barbarossastadt ziehen wird".
Für Gelnhausen sei es "eine Ehre und tolle Sache, ein Kunstwerk von einem so bekannten und erfolgreichen Künstler zeigen zu können".
Jürgen Michaelis, Altbürgermeister und Vorsitzender der Kulturstiftung erklärte, Burys Werk passe ideal zur Intention, Kunst im öffentlichen Raum wirken zu lassen. Auch der Verkehrsverein, der sich für die Sanierung der Arche eingesetzt hatte, freut sich über die Attraktion. "Es ist großartig, wieder ein Original von Bury zeigen zu können", betonen der Vorsitzende Wolfgang Diener und Geschäftsführer Heinz Pahlich.

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