Möglichst leise will die Evangelische Kirchengemeinde Mittelbuchen in den kommenden Monaten ein Kapitel schließen, das sie und ihr Verhältnis zu vielen Menschen im Ort über Jahre belastet hat. In einer kleinen Notiz im aktuellen Gemeindebrief wird mitgeteilt, dass ein Mobilfunksender im Kirchturm demnächst demontiert wird.
Der Kirchenvorstand hatte die Nutzungsvereinbarung mit der Telekom gekündigt, nachdem die festgeschriebene Laufzeit des Vertrags nach zehn Jahren beendet war. Der Vorstand folgte damit einem Beschluss des Gemeindeausschusses. Gegenüber der FR gibt sich Pfarrer Horst Jung etwas wortkarg - eigentlich möchte er überhaupt nichts mehr zu dem Thema sagen: "Der Beschluss soll dem allgemeinen Gemeindefrieden dienen." Im Gemeindebrief heißt es zwar, die Kündigung werde "erhebliche finanzielle Auswirkungen auf die Kirchenkasse in Mittelbuchen" haben - wie groß der Verlust ist, dazu mochte Jung jedoch keine Angaben machen.
Er ist seit fünf Jahren Seelsorger für die Gemeinde Buchen, zu der neben Mittelbuchen auch Wachenbuchen gehört, und damit für die Querelen um den Mobilfunksender nicht verantwortlich. Der Vertrag mit der Telekom wurde im Jahr 2000 unter seinem Vorgänger Hans-Joachim Roth abgeschlossen und ließ seither jährlich 7000 Mark in die Kirchenkassen fließen. Roth sah sich nach dem Vertragsabschluss plötzlich Widerständen gegenüber, mit denen er überhaupt nicht gerechnet hatte. Massive Bedenken zu den gesundheitlichen Gefahren durch Elektrosmog wurden laut, sehr laut. Das ging soweit, dass mehrere Gemeindemitglieder ihren Austritt erklärten. Es soll sogar auf die Kirche geschossen worden sein - von wem auch immer.
BI hat heute noch 80 Mitglieder
Das ist alles lange her, aber Andreas Müller-Zimmermann, der "hinter der Kirche" wohnt, kann sich trotzdem noch gut daran erinnern. Er gründete damals die "Bürgerinitiative gegen Elektrosmog", die heute immer noch 80 Mitglieder in Mittelbuchen hat. "Damals", so Müller-Zimmermann, "waren wir mit die ersten, die sich gegen Mobilfunksender in Wohngebieten wandten".
Die anfänglichen Aufgeregtheiten legten sich nach einiger Zeit allerdings wieder. Inzwischen "lassen wir das Thema im Dorf". Auch um - ganz im Sinne von Pfarrer Jung - Frieden in die Gemeinde einkehren zu lassen. Die Kontakte zur Kirchengemeinde seien längst wieder gut, sagt Müller-Zimmermann.
Die Arbeit der Initiative ist mit dem aktuellen Beschluss dennoch nicht beendet. "Das ist ein erster Schritt", sagt Müller-Zimmermann. Nun warte man gespannt, wie das Mobilfunk-Unternehmen darauf reagiere. Irgendwo müsse die Telekom ja nun einen neuen Sender aufstellen - aber nicht im Wohngebiet, dafür will die Bürgerinitiative sorgen. Müller-Zimmermann hat eine Alternative parat: ein Raiffeisen-Silo am Ortsrand, das bereits mit mehreren Antennen anderer Mobilfunk-Anbieter bestückt ist.

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