Mit den zahllosen Tauben in der Innenstadt beschäftigen sich die Stadtverordneten. Der Struktur- und Umweltausschuss hat sich dem Thema angenommen, wie die Zahl der Vögel reduziert werden kann, ohne dass die Tierfreunde auf die Barrikaden gehen. Nach einer Schätzung des Tierschutzvereins Hanau sollen mehrere hundert Tauben in der Stadt leben. Anders als in Florenz oder Venedig sind die grau-blau Gefiederten auf dem Hanauer Marktplatz aber keine Attraktion. Hausbesitzer fürchten den ätzenden Kot der Tiere, Passanten fürchten wegen der mutmaßlichen Krankheitsübertragung durch die Vögel um ihre Gesundheit.
Privatleute und Ladenbesitzer versuchen seit Jahren die ungeliebten Stadtbewohner von und aus Gebäuden fernzuhalten - die Mittel hierzu sind unterschiedlich. Mit Netzen, Stachelreihen oder auch Krähenimitaten versuchen sie die Tauben abzuschrecken oder am Landen zu hindern. Offenbar beeinträchtigt das die Vögel nur wenig, weshalb jetzt die Politik am Zug ist. Auslöser ist ein Antrag der Fraktion Die Linke.
"Tauben vergiften im Park", wie es einst Georg Kreissler sang, soll es in Hanau nicht geben, auch nicht behördlich genehmigt. Eine Bejagung mit Bussarden wäre eine Alternative, sie ist wegen der Häuserschluchten in der Praxis aber nicht erfolgversprechend. In Frankfurt scheiterte der Versuch, weil sich die fliegenden Jäger in den Straßen verirrten.
Möglicherweise wird sich Hanau der Lösung anschließen, die etwa 40 Kommunen seit Jahren bereits pflegen unter anderem Aschaffenburg. "Das Taubenhaus in der Innenstadt steht seit den 90er Jahren, und es hat sich bewährt", sagt Hansjörg Schäfer vom Tierschutzverein Aschaffenburg. Das Haus fungiert jedoch nicht als Wohn- oder Sammelpunkt, sondern als Ort der Geburtenkontrolle. Der turmartige Holzbau bietet an die 20 Nistplätze. Mitarbeiter des Tierheims tauschen dort die Gelege gegen Sand- oder Plastikeier aus. Tauben, die den Schlag nicht zum Brüten nutzen, sind von der Geburtenregelung allerdings nicht betroffen .
"In der Natur brütet die Taube durchschnittlich zwei Mal im Jahr. Bei dem Futterüberangebot in den Innenstädten - vor allem in den Fußgängerzonen mit den Imbissständen und den zu Boden gefallenen Speiseresten - können die Tiere bis zu sieben Mal im Jahr Eier legen", sagt der Veterinär.
Zudem steckt der Einzugsradius des Schlags nur einen kleinen Teil der Aschaffenburger City ab. Die Stadt überlegt deshalb gegenwärtig, neben der Sanierung des alten Taubenhauses ein weiteres in der Stadtmitte aufzustellen, was angesichts eines zentralen Parks die Standortfrage einfach erscheinen lässt.
Anders in Hanau. Oberbürgermeister Claus Kaminsky (SPD) soll in der Ausschusssitzung erklärt haben, dass in der City kein städtisches Gebäude als Taubenunterschlupf infrage komme. Die Befürworter der Taubenbekämpfung setzen ihre Hoffnung nunmehr auf die privaten Immobilienbesitzer, die etwa nach dem Vorbild des Reifenherstellers Dunlop einen Taubenschlag aufstellen, beispielsweise auf dem Dach.
Allerdings hätten ndie Hausbesitzer davon nur einen begrenzten Nutzen, räumen die Aschaffenburger Tierschützer ein. Das Problem mit der Verkotung von Gebäuden, Parkbänken und Wegen sei mit dem Taubenturm lediglich geringer geworden, aber nicht verschwunden. Deshalb seien nach wie vor die Abwehrmaßnahmen an den Gebäudefassaden notwendig. Immerhin lässt eine Taube im Jahr rund zehn Kilogramm Kot fallen.

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