Hans Carl von Carlowitz schrieb 1713 mit Blick auf den Wald von der Notwendigkeit, „daß es eine continuirliche beständige und nachhaltende Nutzung gebe, weil es eine unentberliche Sache ist, ohne welche das Land in seinem Esse [Zustand/Sein] nicht bleiben mag“.
Die Brundtland-Kommission der UN um die ehemalige norwegische Ministerpräsidentin schrieb 1987: „Nachhaltig ist die Entwicklung, die die Bedürfnisse der Gegenwart befriedigt, ohne zu riskieren, dass künftige Generationen ihre eigenen Bedürfnisse nicht befriedigen können.“
Die europäischen Forstminister definierten auf ihrer Konferenz 1993: „Nachhaltige Waldbewirtschaftung ist die Betreuung und Nutzung von Wäldern und Waldflächen auf eine Weise und in einem Ausmaß, das deren biologische Vielfalt, Produktivität, Verjüngungsfähigkeit und Vitalität erhält sowie deren Potenzial, jetzt und in der Zukunft die entsprechenden ökologischen, wirtschaftlichen und sozialen Funktionen (...) zu erfüllen, ohne anderen Ökosystemen Schaden zuzufügen.“
Das Forstamt Hanau-Wolfgang betreut mit neun Forstrevieren etwa 13.500 Hektar Wald zwischen Maintal und Gelnhausen. Davon gehören 71 Prozent den 18 Kommunen, 27 Prozent dem Staat und 2 Prozent Privatleuten. Beim Hanauer Forstamt arbeiten 45 Frauen und Männer, darunter sind auch die Mitarbeiter im Wildpark Fasanerie, in der Baumschule, der Samendarre und im Jugendwaldheim Hasselroth.
Geerntet werden jährlich 75.000 bis 80.000 Kubikmeter Holz, rund 100.000 Kubikmeter wachsen nach.
Wenn Forstamtsleiter Christian Schäfer vor Augen führen will, wieso Nachhaltigkeit im Wald wichtig ist, zeigt er auf die Eichenscheibe, die im Forstamt Hanau-Wolfgang hängt. Einige der rund 330 Jahresringe sind mit Erklärungen versehen: Am Ende des Dreißigjährigen Krieges 1648 beginnt die Spessarteiche zu wachsen, 1713 schreibt Hans Carl von Carlowitz zum ersten Mal von „nachhaltender Nutzung“, 1860 wird die Fichte der Hauptbaum im Spessart, 1770 beginnt dort die nachhaltige Forstwirtschaft, 1970 werden vermehrt Eichen gepflanzt. „Das Holz, das wir heute ernten, haben wir unseren Großvätern zu verdanken. Und heute arbeiten wir für die Enkelgeneration“, fasst Sigrun Brell, die im Forstamt die Öffentlichkeitsarbeit macht, zusammen.
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Vor 300 Jahren, 1713, machte sich der sächsische Berghauptmann Hans Carl von Carlowitz Gedanken darüber, dass der Wald keine Quelle endloser Ressourcen ist, sondern planvoll bewirtschaftet werden muss. Dieses Jubiläum nimmt das Hanauer Forstamt zum Anlass für ein „Jahr der Nachhaltigkeit“. Die Fachleute wollen informieren über Holzverkauf, Jagd und Waldschutz ebenso wie über Waldpädagogik und Naturschutz. Höhepunkte für die Öffentlichkeit sind der Waldaktionstag am 16. Juni und die Vorführung der riesigen Fällmaschinen (Harvester) im Oktober.
Seit von Carlowitz hat sich zwar viel getan in der Waldwirtschaft: Zuletzt kamen vor etwa 100 Jahren der Wald als Erholungsraum und in den 50ern seine Funktion als Lärm- und Gewässerschutz hinzu. Und seit zehn Jahren werde über Biodiversität und die Ansprüche der Menschen, die im Wald Erholung suchen, diskutiert, sagt Forstamtsleiter Schaefer. Doch zum Beispiel der „saure Regen“ wirkt auch nach 30 Jahren nach: Bis heute müssen die Forstleute die Böden an manchen Stellen kalken.
Auch sonst stehe die Waldwirtschaft vor großen Herausforderungen: das Bewusstsein für Nachhaltigkeit erhalten, die Balance zwischen Nutzung und Naturschutz finden – und den Wald für Klimawandel und die prognostizierte Erwärmung vorbereiten.
Zwar sei es nicht sinnvoll, jetzt im Spessart Bäume aus dem Mittelmeerraum anzupflanzen, sagt Schaefer. Doch widerstandsfähige einheimische Bäume wie Douglasie, Eiche und Kiefer spielten eine größere Rolle. Wichtig sei auch, Reinbestände aufzulösen und mehr Mischwälder mit unterschiedlichen Arten sowie jungen und älteren Bäumen anzulegen.
Gerade im Rhein-Main-Gebiet werde „überall an den Waldflächen geknabbert“, sagt Brell. Für den Flughafen wurde ein Teil des Bannwaldes vernichtet, in Hanau zuletzt zwei Hektar für ein Parkhaus im Industriepark Wolfgang. Und falls sich eine der Varianten des Ausbau der Bahnstrecke nach Würzburg durchsetzen sollte – von Schöllkrippen nach Hanau – müsste es „große Rodungen geben“, sagt Brell.
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