Im Jahr 1910 lag der Altersdurchschnitt aller Deutschen bei 24 Jahren. Im Jahr 2025 wird er auf 47 Jahre gestiegen sein. Oder: Zwischen 2007 und 2010 wird die Zahl der Menschen im Ausbildungsalter - zwischen 16 und 20 Jahren - von vier auf drei Millionen gesunken sein. Wir werden älter und wir werden weniger. Die Schere zwischen Geburten und Sterbefällen öffnet sich, und niemand kann es verhindern.
Die demografische Entwicklung der Bevölkerung ist nichts Neues. Sie ist aber ganz offensichtlich noch nicht überall durchgedrungen - insbesondere nicht bei den Arbeitgebern. Die Folgen sind absehbar: Der Mangel an jungen Fachkräften nimmt zu.
Unternehmer, die nicht rechtzeitig reagieren, geraten in die Bredouille. Aus diesem Grund finanziert das Bundesministerium für Arbeit und Soziales die Weiterbildung zu Demografie-Lotsen. In Hanau hat die Gesellschaft für Wirtschaftsförderung nun ein solches 80-Stunden-Seminar abgeschlossen. 16 Teilnehmer, die bereits in der Unternehmensberatung tätig sind, haben sich fortbilden lassen. Hanau ist der einzige Standort in Hessen für das inzwischen bundesweite Projekt.
Karola Brunner aus Aschaffenburg gehört zu denen, die in Hanau mehr über Demografie gelernt haben. Die Betriebswirtin hat während des Seminars quasi als Praktikum bereits eine Kommune beraten - welche, das darf sie aus Datenschutzgründen nicht verraten.
Vielen älteren Arbeitnehmern fehlt die Anerkennung
Eines ihrer Ergebnisse: Viele der älteren Mitarbeiter waren aufgrund der langjährigen, immer gleichen Abläufe in der Verwaltungsarbeit nicht mehr motiviert. Ihr Rat: mehr Anerkennung, damit die Älteren auch eher bereit sind, ihre Erfahrungen an Jüngere weiterzugeben.
Eine andere Zielsetzung in ihrem Praktikum hatte die Physiotherapeutin Petra Katharina Löffler. In einem mittelständischen Unternehmen befasste sie sich mit Gesundheit am Arbeitsplatz.
Bei der Präsentation des Projekts in Hanau betonte auch der Leiter der städtischen Stabsstelle Demografie, Lothar Hain, dass die Problematik der Überalterung in der Arbeitnehmerschaft und der damit verbundene zunehmende Fachkräftemangel noch nicht ausreichend wahrgenommen werde.
Das Interesse an der Präsentation am vergangenen Freitag war dafür bezeichnend: 150 Einladungen an Verwaltungen und Unternehmen waren verschickt worden - nicht mehr als ein Dutzend Interessenten folgte ihr auch.
Dabei sind die Fakten, mit denen sich die Demografie-Lotsen befassen, durchaus naheliegend und für manches Unternehmen auch zukunftsentscheidend: Das Wissen der Älteren muss rechtzeitig an Jüngere weitergegeben werden. Die Arbeitszeitgestaltung muss sich ändern, um Ältere zu halten, Gesundheitsangebote müssen überdacht werden.
Wie notwendig Demografie-Berater für Arbeitgeber sind, zeigen Erkenntnisse, die während des Projekts gewonnen wurden: Nach der Analyse der Altersstruktur musste mancher Betrieb erfahren, dass er in zehn Jahren nicht mehr existiert, wenn nicht jetzt gehandelt wird.

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