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Hanauer Astronom: Auf der Jagd nach der schwarzen Sonne

Der Hanauer Johannes Peters reist um die ganze Welt, um Sonnenfinsternisse zu beobachten. Grade ist er aus China zurückgekehrt - dort fielen die entscheidenden Minuten ins Wasser. Von Ute Vetter

Der Hanauer Physiklehrer Johannes Peters ist gradezu sonnensüchtig: Er reist zu Sonnenfinsternissen in der ganzen Welt und hat noch ein weiteres außergewöhnliches Hobby: Er baut Sonnenuhren. Hier hält er den Nachbau einer Tischsonnenuhr des 18. Jahrhunderts, bei der ein Brennglas eine Kanone, die Mittagskanone abfeuerte.
Der Hanauer Physiklehrer Johannes Peters ist gradezu sonnensüchtig: Er reist zu Sonnenfinsternissen in der ganzen Welt und hat noch ein weiteres außergewöhnliches Hobby: Er baut Sonnenuhren. Hier hält er den Nachbau einer Tischsonnenuhr des 18. Jahrhunderts, bei der ein Brennglas eine Kanone, die "Mittagskanone" abfeuerte.
Foto: Michael Schick

Das All und seine unendlichen Weiten - Johannes Peters hat der Weltraum schon immer fasziniert. Der gebürtige Hanauer, Jahrgang 1950 und im normalen Leben Physik- und Mathematiklehrer am Hessen-Homburg-Schulzentrum, liebt vor allem das Phänomen Sonnenfinsternis. Dafür reist er eigens um die Welt. Etwa nach China. Genauer: Shanghai.

Gerade ist er von einer einwöchigen Reise dorthin zurückgekehrt. Und muss über sich selbst schmunzeln. "Ich kontaktierte eigens ein chinesisches Reisebüro, weil ich unbedingt ein Zimmer in Richtung Osten mit Balkon und freiem Blickfeld brauchte."

Denn er reiste nicht als gemeiner Tourist mit seiner Frau in die Metropole, sondern der Sonnenfinsternis wegen. Und die wollte er nicht nur ungestört sehen, sondern auch filmen. "Das wollten mit mir übrigens auch 300 Millionen Chinesen. Die waren alle deswegen ins Jangtse-Tal gereist." Dazu muss man wissen: Der Jangtse ist über 6000 Kilometer lang, also der drittlängste Strom der Erde. Entsprechend groß ist das "Tal".

Shanghai? Ist ins Wasser gefallen...

Wie dem auch sei: Die Filmaufnahme der Sonnenfinsternis am 22. Juli geriet nicht erhofft spektakulär. Peters: "Es regnete monsunartig. Schade." Karge Worte, ein Schulterzucken, dabei handelte sich um die längste totale Sonnenfinsternis des 21. Jahrhunderts! Der Kernschattenpfad dieses außergewöhnlichen Spektakels erstreckte sich von Indien über Nepal, Bangladesch, Bhutan und Myanmar bis nach China. Peters beantwortet die Frage nach der Sonnenfinsternis-Dauer mathematisch korrekt: "Sechs Minuten und 38,8 Sekunden."

Vor etwa 30 Jahren entdeckte er seine Leidenschaft fürs Sterne- und Planetengucken. Eine Projektwoche seiner damaligen Schule zum Thema Astronomie begeisterte die Schüler und ihn selbst: "Wir konnte alle lange schlafen, denn dafür waren wir ja nachts unterwegs, um Sternbilder am Himmel zu betrachten." Fachartikel taten ihr Übriges: "Ich fand dadurch einen neuen Bezug zur trockenen Physik. Atome, Urknall - das ergab jetzt mehr Sinn."

In der Schule wurde aus der Astronomie-Projektwoche ein ganzjähriger Wahlpflichtbereich. "Die große Frage aller ist immer: Was ist da draußen los?", sagt er.

Mit seiner mobilen Sternwarte ist er oft auf Festen

Er erläutert stufenweise die Entstehung des Weltalls bis hin zu seiner Zukunft. Seit 15 Jahren gibt Peters auch VHS-Kurse zum Thema, bietet Exkursionen und Besuche im Planetarium Fulda. Oder er stellt seine mobile Sternwarte bei öffentlichen Festen in Hanau auf. "Das ist toll, wie viele Leute jeden Alters plötzlich auf einen zukommen, sich interessieren, fragen, durchgucken wollen." Oder er besucht Teleskop-Treffen an Himmelfahrt.

"Dieses Datum im Mai ist eine garantierte Neumondsituation, man sieht dann von der Erde aus keinen Mond", sagt er. Das letzte Treffen war am Gederner See im Vogelsberg. "Man sitzt nachts draußen, schaut durch Teleskope und fachsimpelt. Einer hatte ein so großes Teleskop dabei, dass er dafür eigens einen Anhänger brauchte", sagt er. Das koste locker um die 40.000 Euro.

Aber auch sein Teleskop ist nicht von schlechten Eltern: Es ist computergesteuert, hat ein eingebautes GPS und rund 30.000 Himmelsobjekte gespeichert, also Sterne, Galaxien, Planeten oder Sternenhaufen. "Es ermittelt dank des GPS selbst seinen Standort. Ich muss nur ein Sternbild per Menü eingeben, dann sucht es selbst danach." Die meisten Menschen fragten ihn nach dem "Kreuz des Südens".

Sonnenuhren sind sein Hobby

Peters baut seit vielen Jahren auch Sonnenuhren nach römischen und griechischen Vorbildern. Mit Schülern zuerst einfache Visitenkarten-Sonnenuhren, also zwei Rechtecke, die mittels einer Schnur als Schattenwerfer miteinander verbunden sind. "Ist eigentlich ganz simpel, aber man muss erst mal wissen, wo Süden ist, um sie nutzen zu können", lacht er.

Auch Sonnenuhren aus Metall oder Stein stellt er her. In seinem Arbeitszimmer hängen zahlreiche Sonnenuhren, darunter vertikale auf spanischen Schmuckfliesen. Nachbildungen prangen in einer Vitrine, darunter kleine Skaphen (halbierte Schüsseln), also die klassische Sonnenuhr im antiken Griechenland.

Die nächste Reise führt in die Südsee

Unterm Schreibtisch des Mitglieds der Deutschen Gesellschaft für Chronometrie (Aufgabe ist die Zeitmessung) stapeln sich zudem Fernrohre. Und dicke Wanderstiefel. Etwa für die Reise zur nächsten totalen Sonnenfinsternis.

"Die ist am 11. Juli 2010. Und am besten von der Südsee aus zu sehen", sagt er. Die Zone der totalen Verfinsterung beginnt nordöstlich von Neuseeland, der Kernschatten fällt jedoch nur auf Mangaia, die südlichste der 15 Cook-Inseln. Was sind schon 17.000 Kilometer, gemesssen an den endlosen Weiten des Weltalls

Autor:  Ute Vetter
Datum:  31 | 7 | 2009
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