"Nach 35 Jahren ist mir die Malerei langweilig geworden, ich hatte einfach Lust, etwas anderes zu machen", sagt Beate Thierling unverblümt. Deshalb ignorierte sie ihr früheres Handwerkszeug aus Pinsel, Acrylfarbe und Leinwand irgendwann, um sich ganz ihrer jüngsten Leidenschaft zu widmen: Modekreationen und Kunstobjekten aus Filz.
Auf dem Hanauer Kunst-Weihnachtsmarkt sind Beate Thierlings ausgefallene Hüten, lustige Eierwärmer und farbenprächtige, opulente Jacken aus Filz stets ein Hingucker. Mit dem Verkaufserlös finanziert sie sich ihr künstlerisches Schaffen mit dem Material, das in skurril-dekorative Alraun-Figuren oder dreidimensionale Collagen mündet.
Eine dieser Kompositionen aus Filz, Metall, Holz und Knochen mit dem Titel "Alles ist endlich" wurde gerade als eine von 50 Arbeiten für die internationale Ausstellung "Klima im Wandel" ausgesucht. Sie wird demnächst in Italien, Deutschland und Großbritannien zu sehen sein.
Heute bekommt die gebürtige Hanauerin von Oberbürgermeister Claus Kaminsky (SPD) den Ehrenbrief des Landes Hessen überreicht. Gewürdigt wird damit nicht allein ihr eigenes kreatives Tun, sondern auch ihr Engagement für die Kulturszene in ihrer Heimatstadt. Vielen Hanauern ist Beate Thierling vor allem als Vorsitzende der Künstlervereinigung "Pupille" bekannt. Von 1972 an leitete sie die von ihr mitgegründete Gruppe, entwickelte für sie unkonventionelle Ideen und organisierte etliche Ausstellungen.
Die Künstlerin habe damit "frischen kreativen Wind nach Hanau gebracht", lobt Kaminsky. Im Main-Kinzig-Kreis war Thierling die erste, die Kunst von Kindern öffentlich präsentierte - wie sie überhaupt viel dem kreativen Nachwuchs arbeitete, etwa an der Jugendkunstschule Maintal. Einige ihrer Schüler hielten ihr mehr als zehn Jahre, bis ins junge Erwachsenenalter, die Treue.
Heute gibt die 61-Jährige nur noch ehrenamtlich Kurse im Hanauer Fallbachladen. Seit ihr Mann Manfred im Ruhestand ist, will sie mehr Zeit haben für gemeinsame Unternehmungen. Mit dem studierten Chemiker und passionierten Dichter hat sie bereits in früheren Jahren viele gemeinsame literarisch-künstlerische Projekte verwirklicht.
Kunst studiert hat sie nie
Auch wenn es ihren stets kraft-vollen Arbeiten nicht anzusehen ist: Beate Thierling hat nie Kunst studiert, sondern nach dem Abitur an Rehbein-Gymnaisum zunächst "etwas Handfestes" gelernt: medizinisch-technische Assistentin. Nach der Geburt ihrer Tochter 1972 gab sie die Ausübung dieses Berufs auf, um neben der Familie der Kunst mehr Raum zu geben.
Für ihr kreatives Wirken erhielt Beate Thierling 1999 den Förderpreis der Creativ-Akademie und 2000 den Kulturpreis des Main-Kinzig-Kreises.

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