"Der alljährliche heiße Herbst ist ein wenig zu einem kalten Ritual geworden.“ Frank Herrmann, Vorsitzender der DGB-Region Südosthessen, verkennt nicht, dass es immer schwieriger wird, die Arbeitnehmer zu mobilisieren, wenn ihre Rechte in Gefahr sind. Allerdings, so Robert Weißenbrunner, erster Bevollmächtigter der IG Metall Hanau, im Gespräch mit der FR, „bewegt sich was in den Betrieben“. Die Kollegen glaubten einfach nicht mehr, „dass es ihnen besser geht, wenn sie nur lange genug Verzicht üben“.
Für die Gewerkschaften gibt es vier zentrale Punkte der Kritik an der Bundesregierung, für die sie verstärkt auch auf die Straße gehen wollen: die Gesundheitsreform, das Sparpaket, die Rente erst mit 67 und die desolate Situation der kommunalen Finanzen. Zu einer ersten großen Demonstration haben die Metaller für kommenden Mittwoch, 10. November, in Frankfurt aufgerufen.
Mit dabei sein werden die Mitarbeiter der ABB in Großauheim. Auch dort – wie in vielen Betrieben der metallverarbeitenden Industrie – gäre es, sagt Betriebsratsvorsitzender Richard Pfaff. Die Ausbildungsplätze seien reduziert worden, für die Vorfertigung drohe die Rationalisierung durch Outsourcing. Das Großauheimer Werk des Unternehmens mit Hauptsitz in Zürich „ist in der jetzigen Form bedroht“. Ein weiterer Knackpunkt bei ABB ist die Leiharbeit. Von 800 Beschäftigten, die täglich dort arbeiteten, würden nur noch 500 nach regulären Tarifverträgen bezahlt, die anderen, zumeist Facharbeiter, erhielten etwa halb so viel Lohn.
Auch die rund 1400 Beschäftigten der Vacuumschmelze (VAC) seien mehr als unzufrieden, so Betriebsrat Thorsten Viel. 2008 wurde ein Haustarifvertrag abgeschlossen, der den Mitarbeitern Lohnverzicht auferlegte, um ihre Arbeitsplätze zu sichern. Viel: „Seit diesem Jahr brummt es wieder, aber die Geschäftsführung ist nicht bereit, nun die Kollegen wieder zu entlasten.“ Demnächst stehe der Abschluss eines neuen Vertrags an und man habe den Verdacht, dass er keinerlei Verbesserungen vorsehe.
Verhandlungen gescheitert
Die VAC sei im Übrigen ein gutes Beispiel, wie absurd eine Rente mit 67 sei: „Bei uns gibt es noch genau zwei Mitarbeiter, die älter als 62 Jahre sind.“ Die meisten – und das gelte nicht nur für dieses Unternehmen – wüssten, dass sie es gar nicht bis 67 schafften, sondern vorher aufhören müssten.
Im Vergleich zu diesen beiden großen Hanauer Unternehmen gehe es dem öffentlichen Dienst noch relativ gut, verkennen Dagmar Wolf, Betriebsratsvorsitzende der Stadtwerke Hanau, und Verdi-Geschäftsführerin Angelika Kappe nicht. Aber auch die knapp 300 Mitarbeiter der Stadtwerke sehen sich vor Problemen, sie spürten die Auswirkung der Wirtschaftskrise und die Streichungen im kommunalen Finanzausgleich.
Wie aktuell der Protest der Gewerkschaften ist, beweisen die Mitarbeiter der Firma Norma in Maintal. Verhandlungen über Beschäftigungssicherungen mit dem Inhaber, dem britischen Finanzinvestor 3i, sind gestern gescheitert. Rund 500 Mitarbeiter, so Robert Weißenbrunner, würden heute deswegen ab 13 Uhr auf die Straße gehen. Ein Kundgebung folgt in Hochstadt. Der DGB will heute vor dem Gelnhäuser und morgen vor dem Hanauer Bahnhof Pendler über die Situation informieren und wie schon in Hanau Apfelsinen verteilen: „Wir lassen uns nicht ausquetschen.“

Die Stadt und Region auf einen Blick: unsere neue Übersichtsseite für Frankfurt und Rhein-Main - das Pflicht-Lesezeichen für alle Hessen.
Berichte aus Bad Homburg, Hochtaunus | Bad Vilbel, Wetterau | Darmstadt | Frankfurt | Kreis Groß Gerau | Hanau, Main-Kinzig | Main-Taunus | Mainz | Offenbach | Kreis Offenbach | Wiesbaden.
Facebook | Twitter überregional | Google+