Er galt als gerissener Geschäftsmann, schwerreicher Rennstallbesitzer, großzügiger Partei-Spender und verschwenderischer Lebemann: Charles W. Engelhard junior, der das vom Vater geerbte Vermögen von 20 Millionen auf 250 Millionen Dollar mit Edelmetall-Geschäften mehr als verzehnfachte. Das berichtete das Time Magazine, nachdem er mit nur 54 Jahren im März 1971 in Boca Grande in Florida an einem Herzinfarkt gestorben war.
Ein waschechter Amerikaner also, der allen Bilderbuchklischees entspricht? Vielleicht. Aber zumindest einer mit deutschem, genauer gesagt Hanauer Migrationshintergrund. Denn Engelhard jr. ist der Sohn von Charles W. Engelhard, der 1867 in Hanau geboren wurde, 1891 als Repräsentant von Heraeus in die USA ging, sich dort selbstständig machte und mit der Verarbeitung von Edelmetallen für Industriezwecke Millionen verdiente. Weil er aber seine Heimatstadt nicht vergaß, vor dem Zweiten Weltkrieg ein Jugendheim förderte und danach zahllose Care-Pakete schickte, überreichte ihm Oberbürgermeister Karl Rehbein im Jahr 1947 die Ehrenbürgerwürde. Er starb 1950.
Mildtätige Schenkungen werden auch seinem Sohn zugeschrieben. Doch bekanntgeworden ist der für eine etwas zweifelhafte Ehre: Er soll das Vorbild gewesen sein für Auric Goldfinger, den skrupellosen Gegenspieler des englischen Geheimagenten James Bond.
Das ist zwar nicht wissenschaftlich bewiesen, doch außer dem Time Magazine berichten zahllose weitere Internetseiten darüber. Und auch seine Cousine Gerlind Fischer-Defoy, die in Hanau lebt, kann sich erinnern, „dass das im Familienkreis so erzählt wurde und wir den Film gesehen haben“. Und 50 Jahre, nachdem mit „James Bond jagt Dr. No“ der erste 007-Film in die Kinos kam, rückt auch derjenige ein wenig ins Rampenlicht, der die Vorlage für den Mann geliefert hat, der die gesamtem Goldreserven der USA stehlen (Buch) oder radioaktiv verseuchen (Film) will.
Denn Engelhard jr. ist reich geworden mit dem Handel und der Verarbeitung von Gold, Platin und anderen Edelmetallen. Nachdem er im Zweiten Weltkrieg als Pilot gedient hatte, stieg er in die Unternehmen seines Vaters ein. Doch er wollte sein eigenes Ding machen, berichtet die inzwischen von der BASF übernommene Engelhard Corporation in ihrer Chronik. Aus Südafrika wollte er die Edelmetalle für die Fabriken seines Vaters exportieren.
Da Gold zu dieser Zeit aber nicht gehandelt werden durfte, höchstens in Form von Kunstobjekten, ersann der Geschäftsmann eine List: Er brachte das Gold in Form von Geschirr und Schmuck außer Landes, um es am Zielort wieder einschmelzen zu lassen. Ähnliches tut auch Bösewicht Goldfinger: Er baut das Gold in seinen Rolls-Royce und sein Flugzeug ein.
Und so wurde der, wie der Chroniker es ausdrückte, „schwergewichtige und goldbehangene Engelhard“ Vorbild für den Roman von Ian Fleming. Getroffen haben sollen sich der Autor und der Millionär geschäftlich: Engelhard arbeitete mit dem legendären Bankier Robert Fleming zusammen, dem Großvater von Ian.
Doch abgesehen von inhaltlichen Parallelen lässt sich auch über das Äußere spekulieren. Im Film zumindest wird der Schurke Goldfinger vom deutschen Schauspieler Gert Fröbe verkörpert. Und eine gewisse Ähnlichkeit mit Charles W. Engelhard lässt sich nicht bestreiten.

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