Im Klinikum Hanau gärt es weiter. Erst vor drei Wochen war das Klinikum in den Schlagzeilen, weil es sich überraschend von einem Chefarzt trennte. Nun steht ein Sanierungstarifvertrag im Raum: Die Geschäftsführung will mit den Gewerkschaften darüber verhandeln, ob die 1600 Mitarbeiter weniger Geld bekommen. „Die Zahlen und Prognosen machen einen Sanierungstarifvertrag erforderlich“, sagte Geschäftsführerin Monika Thiex-Kreye der Frankfurter Rundschau. Ziel sei, drei Millionen Euro einzusparen. Es gehe auch darum, die kommunale Trägerschaft zu erhalten.
Noch im Februar hingegen sprachen Aufsichtsratsvorsitzender und Oberbürgermeister Claus Kaminsky (SPD) und die Geschäftsführerin im Rückblick auf 2010 von einem „ermutigenden Jahr“. Fallzahlen und Einnahmen waren gestiegen, das erwartete Defizit von einer Million Euro ausgeblieben. Der Umsatz des Maximalversorgers betrug 120 Millionen Euro. Nun hat sich die Lage wieder verschlechtert. Laut Thiex-Kreye gibt es dafür mehrere Gründe. Bauvorhaben seien ins Jahr 2011 geschoben worden, die Fallzahlen nicht stark genug gestiegen. Zudem habe sie mit einer geringeren Tarifsteigerung gerechnet, und auch in Budget-Verhandlungen mit den Kassen sei die Grenze erreicht.
Betriebsrat will Beteiligung
Dass das Klinikum – wie andere kommunale Häuser auch – unter Druck steht, bestreiten Betriebsratsvorsitzende Monika Schweitzer und Verdi-Gewerkschaftssekretärin Irene Metzler-Reich nicht. Doch sie bezweifeln, dass ein allgemeiner Lohnverzicht derzeit die Lösung ist. Die Verdi-Sekretärin kann sich nur unter zwei Bedingungen Verhandlungen darüber vorstellen: Der Betrieb „braucht wirklich Geld“, und es gibt ein „schlüssiges Sanierungskonzept“. Doch bisher hätten sie weder aktuelle Geschäftszahlen noch einen Wirtschaftsplan für 2012. Auch ein Konzept fehle. „Und ohne Sanierungskonzept sagen wir definitiv Nein“, sagt Metzler-Reich. Auch Andreas Wagner von der Ärztegewerkschaft Marburger Bund sieht einen Sanierungstarif „vom Grundsatz her kritisch“.
Dabei war das Klinikum nach Ansicht der Arbeitnehmervertreterinnen auf einem guten Weg. Die Unternehmensberatung Roland Berger habe 2009 einen Sanierungsprozess angestoßen und intensiv begleitet. Dieser habe Beschäftigte aller Ebenen einbezogen. „Das war ein guter Anfang“, sagt Schweitzer. Doch nach einem Jahr ging der Unternehmensberater, „und der Prozess ist so ausgeplätschert“, sagt Metzler-Reich.
Dem widerspricht Geschäftsführerin Thiex-Kreye: „Der Sanierungsprozess hat überhaupt nicht nachgelassen.“ Er sei aber nicht mehr „in diesen aufwendigen Projektstrukturen“ gelaufen, das „war ein Zeitfresser“. Das soll sich nun aber ändern. Thiex-Kreye will wieder Projektstrukturen aufgreifen, die Beschäftigten mehr einbeziehen und mit dem Betriebsrat beim Sanierungskonzept zusammenarbeiten. „Das dient der besseren Transparenz“, sagt sie.
Offensichtliche Unterstützung von 80 Beschäftigten auf den Zuschauerrängen hatte Thiex-Kreye vor drei Wochen, als die Stadtverordneten über die Trennung von Chefarzt Martin Wolff redeten. Als Betriebsrätin finde sie zwar die Vorgehensweise gegenüber dem Chefarzt nicht in Ordnung, sagt Schweitzer. Inhaltlich können sie die Trennung aber verstehen: Es habe von Wolff „zu wenig Bereitschaft“ gegeben, sich am Sanierungsprozess zu beteiligen.

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