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Kriminalstatistik 2010: Einbrecher auf dem Vormarsch

Das Polizeipräsidium Südhessen präsentiert weitgehend positive Zahlen. Das gilt allerdings nicht für die Wohnungseinbrüche. Deren Zahl ist seit seit 2008 um 30 Prozent gestiegen.

 Kriminalität im Main-Kinzig-Kreis
Kriminalität im Main-Kinzig-Kreis
Foto: FR- Info-Grafik

Gerade mal zwei Sekunden dauert es, bis Polizeipräsident Roland Ullmann das Fenster aufgebrochen hat. Es ist nicht alt, entspricht aber auch nicht dem neuesten Sicherheitsstandard. Die Demonstration des Polizeichefs soll zeigen, dass ein stabileres Fenster einem Einbrecher das Leben deutlich schwerer gemacht hätte. Das würde sich die Polizei im Dienstbezirk Südosthessen wünschen. Sie ist zuständig für Stadt und Kreis Offenbach, Hanau und den Main-Kinzig-Kreis. Trotz vieler positiver Zahlen in der jüngsten Kriminalitätsstatistik machen den Beamten einige Entwicklungen Sorgen.

Die Zahl der Delikte ist um 4,2 Prozent gestiegen. Schuld daran sind zum einen die Wohnungseinbrüche. Seit 2008 hat die Zahl der Fälle im gesamten Dienstbezirk um knapp 30 Prozent zugenommen. In Hanau blieb die Zahl der Wohnungseinbrüche zwar nahezu konstant, im Main-Kinzig-Kreis aber wurden mehr Wohnungen aufgebrochen als im Jahr zuvor. Nur jeder zehnte Wohnungseinbruch in Hanau und knapp 13 Prozent der Einbrüche im Kreis konnten aufgeklärt werden.

In Hanau wurde häufiger als im Jahr zuvor in Geschäfte eingebrochen. Im Kreis ging dieses Delikt deutlich zurück. 61 Einbrüche gehen allein auf das Konto von zwei 22-Jährigen. Sie brachen in den Monaten März und April in Geschäfte vor allem in Hanau, Klein-Auheim und Großauheim ein. Sie erbeuteten rund 30 000 Euro und richteten einen Schaden von mindestens 20 000 Euro an. Die Lage der Tatorte in Industriegebieten nahe Autobahnen lasse den Schluss zu, dass es sich häufig auch um reisende Einbrecherbanden handele, sagt Kripo-Chef Klaus Blaesing.

Alles in allem ist der Polizeipräsident mit der Aufklärungsarbeit seiner Kollegen zufrieden. „Mit einem plus von zwei Prozent konnten wir die höchste Zuwachsrate bei den Aufklärungsquoten aller hessischen Polizeipräsidien erzielen“, so Ullmann. In Südosthessen wurden 56,2 Prozent der 53 790 Fälle aufgeklärt.

Gefälschte Fahrkarten

Auch die Schwarzfahrer in öffentlichen Verkehrsmitteln tragen dazu bei, dass die Fallzahlen steigen. Die Polizei berichtet von einem 20-Jährigen aus Offenbach, der mit seinem PC-Drucker Hunderte falscher Monats- und Jahreskarten hergestellt hat. Personen, die „preisgünstige Fahrkarten“ von dem jungen Mann gekauft hatten, wurden bei Kontrollen erwischt. Die Zahl der erwischten Schwarzfahrer sei auch deshalb so hoch, weil in Bussen und Bahnen verstärkt kontrolliert werde.

„Betrug ist das Delikt der Zukunft“, sagt der Kripo-Chef. Mittlerweile zähle jede fünfte Straftat dazu. In Hanau (211 Fälle mehr) und im Main-Kinzig-Kreis (333 mehr) sind die Betrüger offenbar besonders aktiv. Die Internetkriminalität bildet einen deutlichen Schwerpunkt. Dazu zählen nicht nur der Warenbetrug im Netz, sondern auch Fälle von Kinderpornografie, Beleidigung oder Urkundenfälschung.

Besonderes Augenmerk legen die Polizeistatistiker auf die Gewaltkriminalität, weil sie laut Blaesing das Sicherheitsgefühl der Bürger besonders berühre. Rund die Hälfte aller Gewalttaten werde von Straßenräubern begangen. Die Zahl der erfassten Fälle ging deutlich zurück – mit Ausnahme der Stadt Offenbach. Weil viele dieser Taten von Jugendlichen und Heranwachsenden begangen werden, strebt Ulllmann ein „abgestimmtes Vorgehen von Polizei, Justiz und Jugendhilfe“ an. Mit besonderen Programmen will er die kriminellen Karrieren von „Mehrfach- und Intensivtäter“ unterbrechen.

Autor:  Angelika Ohliger
Datum:  3 | 3 | 2011
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