kalaydo.de Anzeigen

Schlüchtern: Kuki flimmert weiter im Exil

"Kuki" nennt sich das Programmkino in der ehemaligen Synagoge der osthessischen Kleinstadt Doch unklare Mietverhältnisse und Brandschutzprobleme verlangen den Cineasten eine "kreativen Pause" ab. Von Jörg Andersson

Der  Saal in der früheren Synagoge  gilt Cineasten als ein Kleinod.
Der Saal in der früheren Synagoge gilt Cineasten als ein Kleinod.
Foto: Hoyer/FR

Der kleine Saal mit den Rundbögen und den rot gepolsterten Samtsesseln hatte es Volker Schlöndorff angetan. Bei einem Besuch in Schlüchtern schwärmte der Regisseur von "Hessens schönstem Kino". "Kuki" nennt sich das Programmkino in der osthessischen Kleinstadt, das seit 15 Jahren viel Flair verbreitet. Die Filme laufen in der ehemaligen Synagoge. Der 112 Jahre alte markante Sakralbau hatte den Judenpogrom zumindest äußerlich unbeschädigt überstanden.

Hanspeter Haeseler, Vorsitzenden des gemeinnützigen Kuki-Vereins, der für seine Programmgestaltungen wiederholt preisgekrönt wurde, weiß um die Bedeutung der Spielstätte. "Das Haus ist unser großes Kapital." Doch das liegt nun brach. Seit sechs Monaten ist das Programm ein Provisorium. "Kuki im Exil" heißt es auf der Internetseite, Filmvorführungen werden an anderen Orten avisiert oder verschoben.

Unklare Mietverhältnisse und Brandschutzprobleme hatten die Cineasten zur "kreativen Pause" veranlasst. Im bis 2014 fixierten Vertrag ist Kuki nur Untermieter. Doch Haeseler (55) hegt ehrgeizige Ausbaupläne. Für die Einrichtung einer Kino-Lounge im Erdgeschoss stünden dem Verein 120000 Euro Fördermittel in Aussicht. Mit einem zweiten Vorführungssaal sei die Kooperation mit den Verleihern und der Zugriff auf neueste Filme viel einfacher.

Doch die Kommunikation zwischen Verein, Hausbesitzer und Stadt hat sich als kompliziert erwiesen. Obwohl die Stadtverordneten 50000 Euro für Brandschutzauflagen bereitstellten, ist noch offen, zu welchen Bedingungen der Eigentümer das zuvor auch als Fabrik und Bücherei genutzte Gebäude der Stadt zur Verfügung stellt. Mindestens 300000 Euro müssten investiert werden, so ein Kostenvoranschlag der Stadt. Ob das für das denkmalgeschützte Ensemble reicht, hält Bürgermeister Falko Fritzsch (SPD) noch für fraglich.

Streit um Ausweichquartiere

Seit der Hängepartie laufen die Kuki-Projektoren, die in Schlüchtern auch im Zuge von Medienbildung zum Einsatz kommen, nur noch sporadisch. Am Mittwoch etwa, beim Schulprogramm, stellten die Feuerwehr den Brandsicherheitsdienst in der ehemaligen Synagoge. Beim Main-Stream-Kino gibt es Komplikationen. Um die Ausweichquartiere ist ein weiterer Streit entstanden. Nach einem Filmabend in einer Möbelfabrik wollte Kuki "Avatar" an einem Wochenende in der Schlüchterner Kreissparkasse zeigen. Schon die zweite Vorführung musste abgesagt werden. Haeseler ist sauer: "Es hieß, wir brauchen nur eine Schankgenehmigung. Kinovorführungen sind nicht ungefährlicher als manche Kochveranstaltung, die dort stattgefunden hat." Fritzsch verweist auf die zuständige und hellhörig gewordene Kreisbauaufsicht.

Die Kuki-Veranstalter werden ungeduldig. Alleine mit Public Viewing, Sommertouren und Bildungsprogrammen sei der Verein trotz Filmförderungszuschüssen nicht lebensfähig. Dazu drohe der Verlust einer Kulturstätte, in der über Jahre Konzerte, Kabarett und Ausstellungen stattgefunden hätten. Auch Fritzsch versichert, die Spielstätte dauerhaft sichern zu wollen. Doch eine kompromissorientierte Lösung könne noch Zeit in Anspruch nehmen.

Autor:  Jörg Andersson
Datum:  19 | 2 | 2010
Kommentare:  Kommentieren
Empfehlen:  E-Mail
Leserbrief:  Leserbrief
Artikel:  Drucken
Regionale Startseite

Nachrichten aus Frankfurt und Rhein-Main

Spezial

Die heiße Phase: Termine, Reportagen, Bilder - vom Kinderfasching bis zur Prunksitzung.

Fastnacht in Rhein-Main
Migrantenverbände kritisieren offen die Personalpolitik des Hessischen Rundfunks
Umstrittene Büttenrede 
Der Umzug ist vorbei. Doch kein Grund zu trauern. Denn nächstes Jahr heißt es wieder Klaa Paris!
Fastnachtsumzug in Heddernheim 
Die Narren sind los!
Fastnachtszug in Jügesheim 
Social Media
Unser Twitter-Ticker für Frankfurt und Rhein-Main.

 

Facebook | Twitter überregional | Google+
Was bedeutet das hier? FR@Social Media!

Kostenlos bestellen

Spezial

Der Wiederaufbau nach dem Krieg war schnell und lieblos. Nun wagt sich die Stadt an eine umfassende, mutige Stadtreparatur.

Spezial

Eines der größten Kohlekraftwerke der Welt in Großkrotzenburg am Main?

Polizeimeldungen

Was ist passiert? Polizeimeldungen aus Frankfurt, Darmstadt, Offenbach und Hanau sowie Wiesbaden.

Glosse
        

Da steht sie auf ihrem Brunnen in der Klappergasse.

Jeden Tag gibt's nun eine kurze Glosse zu unglaublichen Geschichten aus dem Frankfurter Alltag zu lesen.

Spezial
Alexander Kraft

Raus - und aufs Bike! Alexander Kraft präsentiert die FR-Mountainbike-Routen abseits der berüchtigten "Biker-Autobahnen".

 

 

Spezial

Hat Volker Bouffier als Innenminister einen Parteifreund begünstigt? Ein Untersuchungsausschuss sucht Antworten.

Spezial

Der Ausbau des Flughafens ist in der Region heftig umstritten. Die FR-Serie informiert über die Landebahn.

Meistgeklickt
Sängerin Loreen holt mit Euphoria den ESC nach Schweden und siegt in Baku.
Eurovision Song Contest in Baku 
Harry Nutt
Leitartikel zum Eurovision Song Contest 
Ermittler der Spurensicherung der Polizei durchsuchen in Kiel ein ehemaliges Trafohaus auf dem Gelände einer Kfz-Werkstatt.
Einsatz gegen Rockerbande