Der kleine Saal mit den Rundbögen und den rot gepolsterten Samtsesseln hatte es Volker Schlöndorff angetan. Bei einem Besuch in Schlüchtern schwärmte der Regisseur von "Hessens schönstem Kino". "Kuki" nennt sich das Programmkino in der osthessischen Kleinstadt, das seit 15 Jahren viel Flair verbreitet. Die Filme laufen in der ehemaligen Synagoge. Der 112 Jahre alte markante Sakralbau hatte den Judenpogrom zumindest äußerlich unbeschädigt überstanden.
Hanspeter Haeseler, Vorsitzenden des gemeinnützigen Kuki-Vereins, der für seine Programmgestaltungen wiederholt preisgekrönt wurde, weiß um die Bedeutung der Spielstätte. "Das Haus ist unser großes Kapital." Doch das liegt nun brach. Seit sechs Monaten ist das Programm ein Provisorium. "Kuki im Exil" heißt es auf der Internetseite, Filmvorführungen werden an anderen Orten avisiert oder verschoben.
Unklare Mietverhältnisse und Brandschutzprobleme hatten die Cineasten zur "kreativen Pause" veranlasst. Im bis 2014 fixierten Vertrag ist Kuki nur Untermieter. Doch Haeseler (55) hegt ehrgeizige Ausbaupläne. Für die Einrichtung einer Kino-Lounge im Erdgeschoss stünden dem Verein 120000 Euro Fördermittel in Aussicht. Mit einem zweiten Vorführungssaal sei die Kooperation mit den Verleihern und der Zugriff auf neueste Filme viel einfacher.
Doch die Kommunikation zwischen Verein, Hausbesitzer und Stadt hat sich als kompliziert erwiesen. Obwohl die Stadtverordneten 50000 Euro für Brandschutzauflagen bereitstellten, ist noch offen, zu welchen Bedingungen der Eigentümer das zuvor auch als Fabrik und Bücherei genutzte Gebäude der Stadt zur Verfügung stellt. Mindestens 300000 Euro müssten investiert werden, so ein Kostenvoranschlag der Stadt. Ob das für das denkmalgeschützte Ensemble reicht, hält Bürgermeister Falko Fritzsch (SPD) noch für fraglich.
Streit um Ausweichquartiere
Seit der Hängepartie laufen die Kuki-Projektoren, die in Schlüchtern auch im Zuge von Medienbildung zum Einsatz kommen, nur noch sporadisch. Am Mittwoch etwa, beim Schulprogramm, stellten die Feuerwehr den Brandsicherheitsdienst in der ehemaligen Synagoge. Beim Main-Stream-Kino gibt es Komplikationen. Um die Ausweichquartiere ist ein weiterer Streit entstanden. Nach einem Filmabend in einer Möbelfabrik wollte Kuki "Avatar" an einem Wochenende in der Schlüchterner Kreissparkasse zeigen. Schon die zweite Vorführung musste abgesagt werden. Haeseler ist sauer: "Es hieß, wir brauchen nur eine Schankgenehmigung. Kinovorführungen sind nicht ungefährlicher als manche Kochveranstaltung, die dort stattgefunden hat." Fritzsch verweist auf die zuständige und hellhörig gewordene Kreisbauaufsicht.
Die Kuki-Veranstalter werden ungeduldig. Alleine mit Public Viewing, Sommertouren und Bildungsprogrammen sei der Verein trotz Filmförderungszuschüssen nicht lebensfähig. Dazu drohe der Verlust einer Kulturstätte, in der über Jahre Konzerte, Kabarett und Ausstellungen stattgefunden hätten. Auch Fritzsch versichert, die Spielstätte dauerhaft sichern zu wollen. Doch eine kompromissorientierte Lösung könne noch Zeit in Anspruch nehmen.

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