Im Lamboy entstehen Reihenhäuser, Wohnungen und Supermärkte, die neue Hauptfeuerwache und demnächst ein riesiges Fachmarktzentrum auf dem ehemaligen Gleisbauhof. Doch Gastronomen an der Lamboystraße haben es mangels Kundschaft recht schwer.
Kulturpalast
Im Lamboy, dem östlichsten Quartier der Innenstadt, lebten Ende 2010 fast 10600 Menschen, davon rund 3200 Menschen ausländischer Herkunft.
Der Bezirk ist nach dem französischen General Lamboy benannt. Seine Belagerung der Stadt anno 1636 wurde durch ein hessisch-schwedisches Heer unter Landgraf Wilhelm V. von Hessen-Kassel (1627-1637) beendet. Seither wurden jährlich Dankgottesdienste gefeiert, aus denen sich dann ab 1800 das Lamboyfest entwickelte.
Die Arbeitslosenquote im Lamboy soll rund 20 Prozent betragen, die Sozialhilfebedürftigkeit etwa 17,5 Prozent. ute
Bert Nenner, Betreiber des rund 1000 Quadratmeter großen Kulturpalastes, einem ehemaligen Offizierskasino in einer prächtigen Villa, hat schon viel versucht in der Lamboystraße, um Gäste dauerhaft zu halten. Zuerst als Irish Pub mit Live-Bands, dann als Kulturpalast mit Restaurant, Open Stage, Kleinkunst, Talkshows, Karaoke, Poker-Montagen oder Jazz-Frühschoppen. „Nur Konzerte und ein schönes Ambiente reichen nicht“, sagt der Gastronom, der diverse Gastro-Objekte im Umland konzipiert. Zuletzt versuchte er es mit Salsa-Abenden samt Workshops, doch auch das half nichts.
Nenner will trotz seines Vertrages bis 2017 „definitiv Ende März mit dem Kulturpalast in der jetzigen Form aufhören“, sagte er auf Anfrage der Frankfurter Rundschau. Dies stehe nach einem Rundgang mit dem Eigner der Immobilie am vergangenen Samstag fest. Wird sein Wunsch-Nachfolger akzeptiert, soll ein Tanzcafé im Stil der Bad Homburger Tennis-Bar Freunde gepflegter Tanzmusik und Discofox über 40 Jahren anlocken. Eventuell könnte der Besitzer die Immobilie auch ganz anders vermarkten. „Das steht noch nicht fest“, sagte Nenner. Und kann sich die Bemerkung nicht verkneifen, dass ihn die Stadt, respektive deren Kulturmanager, nie wirklich unterstützt hätten.
Barbizz-Lounge
„Wir geben die Hoffnung nicht auf, wir waren mit einem guten Angebot einfach zu früh“, sagt Mike Raven (51). Der Werbeprofi betreibt seit 2009 die Barbizz-Lounge am Hessen-Homburg-Platz. Zuvor waren dort die Cape Town Lounge und das Schröders gescheitert. Raven bot ein Jahr lang Tagesgastronomie an, doch es fehlte Laufkundschaft – obwohl in der Nachbarschaft Büros, die Volkshochschule, Schulen, das Technische Rathaus und das städtische Medienzentrum sind. Raven stellte auf abendlichen Betrieb um, doch auch das half nicht. Nun bietet er in der „Phase des Durchhaltens“ das, was Nenner vorher bot: Salsa-Abende. Für die Gastronomie mit Tapas, Riojas und mehr sorgt Richard Uhl, Caterer und Betreiber der Kochakademie in Rodenbach.
Denn nur von den monatlichen Barbizz-Treffen ist die Lounge nicht zu halten, obwohl die Präsentationen und Netzwerktreffen von Selbstständigen, Unternehmern oder Freiberuflern je nach Thematik durchaus bis zu 50 Menschen anlocken. Tagungen und Seminare könnten häufiger gebucht werden und auch die erhofften Business-Nomaden sind in den Büros nicht sesshaft geworden. Vielleicht, weil es im Industriepark Wolfgang längst ein entsprechendes Modell gibt.
Club 905
Ein ähnliches Konzept wie Raven bietet auch der Club 905 am Ulanenplatz. Betreiber sind seit Anfang 2009 Markus Dembinski (47) und Thomas Müller (39), Web-Designer und Vermessungsingenieur. Sie glauben weiter an den „event-orientierten Veranstaltungsort“ mit Bar und Küche, den sie an Private und Geschäftsleute vermieten. Doch Dembinski war froh, als im Oktober 2010 der bundesweit erste US-Veterans Club wöchentliche Treffen in den Räumen ankündigte. Er will demnächst Tages-Gastronomie anbieten.
Alle drei Gastronomen glauben jedoch an die Zukunft dieses Quartiers, ein sozial teils schwacher Stadtteil mit hoher Ausländerrate und vielen Alten. „Der Standort wird aufblühen, er hat Potenzial“, sagen sie. Und hoffen nach wie vor auf eine positive Entwicklung wie bei der Hanauer Landstraße in Frankfurt.
David Ermel, Betreiber eines Supermarktes, ist anderer Meinung: „Das Lamboy hat schöne Ecken, aber die findet man schwer“. Die vierspurige Lamboystraße sei eine Durchgangsstraße, biete keine Aufenthaltsqualität. „Ortsfremde kennen nur die VHS und McDonald’s“. Spielcasinos, Ladenleerstände und viele Fassaden seien ebenfalls unattraktiv.

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