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Kraftwerk Staudinger: Landrat bezweifelt Sicherheit des Kohlelagers

Nach der Überhitzung des Kohlelagers in der Nacht zum 10. Juli erhebt Landrat Erich Pipa Vorwürfe gegen Regierungspräsidium und Werksfeuerwehr. Das Landratsamt hätte „Brandspuren und Betonabplatzungen an der Außenwand feststellen müssen.“

Die Wand des Kohlesilos am Kraftwerk Staudinger ist angeblich nicht feuerfest genug.
Die Wand des Kohlesilos am Kraftwerk Staudinger ist angeblich nicht feuerfest genug.
Foto: Sascha Rheker
Großkrotzenburg –  

Erich Pipa (SPD) hat in der Diskussion um die Sicherheit des neuen Staudinger-Brennstofflagers Vorwürfe gegen den Regierungspräsidenten (RP) und den Kraftwerksbetreiber Eon erhoben. Der Landrat stellte am Freitag im Kreistag das Brandschutzkonzept und die Feuerfestigkeit der Außenwände des 57 Meter hohen Kohlebunkers des Kraftwerks in Großkrotzenburg in Zweifel.

Das Silo mit einer Kapazität von 220.000 Tonnen ist seit Frühjahr in Betrieb. Durch Überhitzung waren in der Nacht zum 10. Juli im Lager Glutnester entstanden. 5000 Tonnen Kohle mussten ausgelagert werden. Es kam zu Qualmwolken und Geruchsbelästigungen.

„Obwohl es nur ein bisschen gekokelt hat, haben wir Brandspuren und Betonabplatzungen an der Außenwand feststellen müssen“, monierte Pipa, der dem RP vorwirft, die Eon-Pläne inklusive des von einer Privatfirma erstellten Brandschutzkonzeptes „ohne weitere Auflagen“ akzeptiert zu haben. Noch vor einem Jahr habe der Kreis weitere Überwachungskameras und eine bessere Belüftung angeregt. Darauf habe man keine Reaktion erhalten. Der Kreis habe seine Pflicht erfüllt. Der Genehmigungsbescheid müsse geändert werden.

Der Werksfeuerwehr warfen Pipa sowie Heinz Lotz vor, die Rettungsleitstelle falsch und verspätet informiert zu haben. Der SPD-Landtagsabgeordnete verwies auf einen Bericht des Umweltministeriums, wonach es in den Tagen zuvor bereits drei Einsätze wegen Hitze im Lager gegeben habe.

Grüne: Störfall wird die Regel

Die Grünen warfen Eon vor, kein zuverlässiges Sicherheitskonzept zu haben. Es fehle ein Notfallmanagement, Sensoren sowie Messungen zur Luftbelastung. Eon habe suggeriert, mit der Einhausung der Kohle die Staubbelastung zu reduzieren. Tatsächlich habe der Konzern jetzt eingeräumt, dass im Kohlelager immer wieder punktuelle Wärmequellen entstünden. „Damit wird der Störfall zum Regelbetrieb“, schlussfolgert Fraktionschef Reiner Bousonville. Da die Kohle einen Cocktail an Giftstoffen von Arsen bis Quecksilber enthalte, sei eine härtere Gangart erfoderlich.

Eon habe mit „dürren Informationen“ sowie dem verfeuern billiger kolumbianischer Kohle, von deren Konsistenz man offenbar keine Ahnung habe, „Akzeptanz und Vertrauen verspielt“, meinte auch der CDU-Landtagsabgeordnete Aloys Lenz. Mittlerweile habe sich Wiesbaden eingeschaltet. Gleichwohl dürfe man daraus keine Kampagne gegen den geplanten Neubau von Block 6 starten. Dieser habe nichts damit zu tun.

Das sieht Lotz anders. Der 1100 Megawatt-Block rentiere sich erst durch das Kohlelager, von dem ein Zwilling geplant ist. „Wir sind weiter für einen 750 Megawatt-Block“ unterstrich er. „Der Wunsch nach einer kleinen Lösung führt nicht zum Erfolg“, erwiderte Bousonville und forderte das Aus für Block 6. Lenz warf er vor, Angst zu schüren. „Sie fürchten sich mehr vor Bürgerprotesten als vor den Gefahren durch Eon."

Autor:  Jörg Andersson
Datum:  3 | 9 | 2010
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