Manche Mütter müssen lernen, ihr Kind anzusprechen und anzulächeln“, sagt Mechthild Sckell. „Mit dem seit Januar bestehenden Projekt Familienhebamme bringen wir diesen Frauen bei, ihr Baby zu lesen“, erläutert die Leiterin der Familienberatungsstelle des Albert Schweitzer Kinderdorfs (ASK). In einem zweiten Projekt sucht das ASK Paten, die sich Kindern von psychisch kranken Eltern zeitweise annehmen.
Mit der Familienhebamme soll ein niederschwelliges und kostenloses Angebot für unerfahrene Familien im Altkreis Hanau geschaffen werden. Die Stadt Hanau beschäftigt seit zwei Jahren Familienhebammen.
Hilfe für die Bindung
Aktuell werden von den zwei ausgebildeten Familienhebammen des ASK neun Fälle betreut. Die jungen Familien werden bis zu drei Mal in der Woche besucht. Es sind überwiegend Frauen, um die 20 Jahre alt, die allein mit ihrem Neugeborenen zurechtkommen müssen. „Hinzu kommt ein schwieriges soziales Umfeld“, ergänzt Sckell. Diesen Müttern falle es schwer, eine Bindung zu dem Baby zu entwickeln und die Bedürfnisse des Kindes zu erkennen. „Oft erhält das schreiende Kind die Flasche statt mütterlicher Zuneigung“, berichtet Sckell.
Das Kreisjugendamt unterstützt zwar das Projekt, hält sich jedoch aus der Arbeit der Familienhebammen heraus. Das ASK meldet den Einsatz der zu Verschwiegenheit verpflichteten Familienhebamme nicht, außer es liegt ein Verstoß gegen das Kinderschutzgesetz vor. Oft erhalten Mütter vom Kinderarzt oder von der Wochenbetthebamme den Rat, sich an das ASK zu wenden.
Paten für Kinder gesucht
Sckell betont, dass früh an einer engen Mutter-Kind-Bindung gearbeitet werden sollte. Je fester dieses Fundament sei, umso besser überstehe der Nachwuchs „die Stürme der Zeit“ – und die nehmen laut einer Statistik des ASK in den Familien keineswegs ab.
Laut ASK ist die Zahl der Familienberatung mit knapp 700 in 2011 zwar konstant geblieben, aber „die Problematiken werden komplexer“. Weit vorne liege Beratung wegen Trennung oder Scheidung. Das zweite große Problemfeld seien seelische Erkrankungen bei Kindern im Schulalter.
Um die Entwicklungschance von Heranwachsenden seelisch kranker Eltern zu verbessern, sucht das ASK Personen, die eine Patenschaft für deren Kinder übernehmen können. „Die Paten sollten sich ein – zweimal in der Woche um das Kind kümmern, es mit in die Bibliothek oder ins Schwimmbad nehmen“, so Mechthild Sckell. Für eine kranke Mutter könne ein Pate auch bedeuten, dass bei einer stationären Therapie das Kind im gewohnten Umfeld aufgehoben sei.
Info unter Telefon 06181/270620.

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