"Steigerung der eigenen sozialen Kompetenz" - so definiert Anja Billing den Hintergrund für ein etwas ungewöhnliches Angebot, das die Lindenauschule - genauer: die Schulseelsorge - Schülerinnen und Schüler der Jahrgangsstufe acht gemacht hat: Die jungen Leute wurden in sechs Wochen zu "Dogsittern", also Hundehütern ausgebildet, mit Zeugnis am Schluss.
Die Schulseelsorge bietet bereits seit zwei Jahren Seminare an, in denen sich Schülerinnen und Schüler zu Babysittern ausbilden können. Das Ziel ist nicht nur, anderen Menschen konkret helfen zu können.
Die Teilnehmer sollen auch zu dem Begriff Verantwortung geführt werden, mehr Selbstbewusstsein entwickeln können, sagt Anja Billing. Der Hundehüter-Kurs richtete sich daher gezielt an Schüler einer sogenannten SchuB-Klasse, die junge Leute mit Lern-Problemen fördert.
Lebenstraum Hundesalon
Die 33 Jahre alte studierte Pädagogin bot sich als Seminarleiterin geradezu an. Vor einiger Zeit hat sie ihre Tätigkeit als Erzieherin aufgegeben, um sich einen "Wunschtraum" zu erfüllen: "Ich wollte immer einen Hundesalon eröffnen." Den hat die inzwischen diplomierte "Groomerin" (Hundefriseurin) nun in der Steinheimer Vorstadt.
Acht junge Leute im Alter zwischen 14 und 15 Jahren haben an dem Seminar teilgenommen, freiwillig. Bemerkenswert fand Anja Billing, dass in den sechs Wochen, die das Seminar dauerte, keiner abgesprungen ist: "Alle waren bei allen Terminen, und pünktlich." Offensichtlich hat das Thema Tier ungewöhnliche Zugkraft.
Die Schülerinnen und Schüler lernten eine ganze Menge: den richtigen Umgang mit den Hunden, die Unterschiede zwischen den Rassen, Pflege der Tiere, ihre richtige Ernährung und auch Erziehung. Das alles wurde zunächst in der Theorie besprochen- das Mitbringen von Hunden ist in der Schule nicht erlaubt. Dann übten die angehenden Hunde-Sitter aber auch draußen in der Praxis: "Gassi gehen" gehörte natürlich dazu.
Bei dem Zeugnis als Hundehüter soll es nicht bleiben. Besprochen und nunmehr auch in Arbeit ist eine Hundesitter-Kartei. Sie soll über Anja Billings Homepage piccobello-hundesalon.de laufen und ab Herbst aufrufbar sein. Interessenten finden dort die persönlichen Profile der Hundehüter und Details zum Angebot.
Dass es Bedarf gibt, bezweifelt die 33-Jährige nicht. Sie weiß, dass sich immer wieder Hundebesitzer von ihren Tieren trennen müssen, weil der Beruf zu viel Zeit raubt. "Ein Hundesitter kann da sicher in vielen Fällen verhindern", glaubt Billing.
Kostenlos gibt es diese Hilfe natürlich nicht. Die Hundehüter müssen jedoch ihre Preise mit den Kunden selbst aushandeln - auch das gehört wohl zum Entwickeln von mehr Selbstbewusstsein. Anja Billing findet, sieben Euro die Stunde Hundehüten wären angemessen.
Der Erfolg des Seminars, bislang ein Pilotprojekt, spricht für eine Wiederholung, möglicherweise im kommenden Frühjahr.

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