Der umstrittene Zehn-Jahres-Vertrag für den zwischenzeitlich gekündigten Geschäftsführer des Bildungspartners (BIP), Karsten Rudolf, hat für die Main-Kinzig-CDU vor allem eine politische Komponente. Der Kreistagsvorsitzende Michael Reul klagt über eine „Schmutz- und Neidkampagne“ sowie ein „Possenspiel“. Parteichef Peter Tauber spricht von dem Versuch, „sich mit aller Macht von einem erfolgreichen Geschäftsführer mit falschem Parteibuch zu trennen“.
„Stillos“ sei Rudolf (CDU) vom Ersten Kreisbeigeordneten André Kavai (SPD) mit einem „bestellten Gutachten aus der Kanzlei von Lothar Klemm (SPD) in eine Ecke gedrängt worden“, aus der heraus dieser vernünftige Gespräche nur habe ablehnen können.
Mit juristischen Bewertungen hält sich das CDU-Führungsduo zurück. Der Vorwurf, der damals zuständige Dezernent Günter Frenz (CDU) habe mit den großzügigen Konditionen, die Rudolf laut Gutachten bei einseitigem Kündigungsrecht ein Jahressalär von bis zu 183500 Euro plus Dienstwagen-Privatnutzung in Aussicht stellten, seine Befugnisse überschritten, kommentiert die Union mit dem Hinweis, auch der alte, mit 85000 Euro dotierte Vertrag sei auf identische Weise und gängige Praxis wie in weiteren Gesellschaften zustandegekommen. Das von Kavai monierte „fehlerhafte Bestellungsverfahren“ sei vorgeschoben.
Tauber geht Pipa an
Tauber kritisiert zugleich Landrat Erich Pipa (SPD), der sich nach dem Ende der großen Koalition nun von seinem Ex-Stellvertreter Frenz distanziere, wo dieser sich nicht mehr auf Augenhöhe wehren könne. „Zuvor haben sich stets alle mit schönen Fotos für ihre Beschlüsse feiern lassen.“
Der CDU-Kreischef fordert von Kavai zudem zügige und klare Aussagen, was er mit der „von Frenz erfundenen“ und von Rudolf zum Erfolgsmodell ausgestaltet BIP plane, deren Zerschlagung er offenbar vorbereite und deren Image bei Sponsoren er er nachhaltig erschüttert habe. Leidtragende seien nur die Mitarbeiter.
Details zu den Umständen der Vertragsverhandlungen für Rudolf gehören aus Sicht von Reul nicht in die Öffentlichkeit, auch wenn man sich nun im Sinne der Transparenz Gedanken über die Offenlegung von Geschäftsführer-Bezügen machen werde. „Die Gehaltssteigerungen für Rudolf seien nach außen allerdings schwer darstellbar“, räumt Reul ein. Ähnlich äußert sich Tauber, der den seit 2008 BIP-Chef zugleich als „Leuchtturm“ bezeichnet, der uns was wert sein muss“.
Kavai bezeichnet die CDU-Vorwürfe als „Ablenkungsmanöver“. Mit der politischen Einordnung werden vieles vermischt. Es gehe um den Fall Rudolf, dessen eigenmächtig ausgehandelter Vertrag „zu viel Schlagsahne“ enthalten habe. Über die Zukunft der BIP entscheide nicht er alleine. „Das werden wir in den politischen Gremien entscheiden.“

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