Nur vier Monate nach der feierlichen Eröffnung der neuen Grundschule in Mottgers wird bereits wieder über eine Schließung der Unterrichtsstätte diskutiert. „Wenn wir das Problem nicht politisch entscheiden, werden uns die sinkenden Schülerzahlen dazu zwingen“, sagt der Kreisbeigeordnete Matthias Zach (Grüne) auf Anfrage der Frankfurter Rundschau. Nach den Bevölkerungsprognosen würden in dem 800-Einwohner-Dorf im Sinntal im Sommer 2016 nur noch 13 Mädchen und Jungen die Grundschule besuchen.
Die für rund eine Million Euro erbaute Dorfschule mit zwei Klassenzimmern sowie Betreuungsraum und Bibliothek gilt als Paradebeispiel einer fragwürdigen Investitionspolitik im Schulbereich aus der Ära der großen Koalition. Lange Zeit wurde die Schließung kleiner Grundschulen für tabu erklärt. Die Investition in Mottgers sei ein Bekenntnis, „stellvertretend zu allen kleinen Schulen im Main-Kinzig-Kreis, in denen hervorragende Arbeit geleistet wird“, hatte der seinerzeitig verantwortliche Erste Kreisbeigeordnete Günter Frenz (CDU) beim Spatenstich vor einem Jahr betont.
Im Main-Kinzig-Kreis gibt es ein Dutzend kleiner Schulen mit weniger als 40 Kindern, die Hälfte davon in Sinntal. Nicht nur in Mottgers, sondern auch im nahen Sannerz stellt die demographische Entwicklung deren Fortbestand in Frage. Dort werden 2016 gleichfalls nur 14 Grundschulkinder erwartet.
Der seit November zuständige Dezernent Zach will das Problem nun offensiv angehen. Schon beim Jahresempfang des Interessenverbandes Hessischer Schulleiter (IHS) deutete Zach im Gespräch über den neuen Schulentwicklungsplan an, dass man Schließungen von Schulen mit wenigen Schülern in Erwägung ziehe. „Daran kommen wir nicht vorbei, auch wenn das Aus nicht Knall auf Fall erfolgen wird“, sagte Zach nach weiteren internen Beratungen. Er werde es nicht so weit kommen lassen, dass erst über die Lehrerzuweisung durch das hessische Kultusministerium Fakten geschaffen werden. Selbst viele Eltern seien mitunter schon einen Schritt weiter und entschieden sich dagegen, ihre Kinder an allzu kleine Schulen anzumelden.
In Steinau-Uerzell, wo derzeit noch 13 Kinder lernen, gehen nach den Sommerferien, mit der Pensionierung von Schulleiterin Brigitte Gebhardt, die Lichter aus. In Mottgers, wo die alte Dorfschule abbruchreif war, ist die Konsequenz ausgeblieben. Einen Kindergarten gibt es nicht. Den besuchen die Mädchen und Jungen überwiegend im oberhalb gelegenen Schwarzenfels. Weitere Grundschulen gibt es in den Nachbarorten Weichersbach sowie Sterbfritz und Altengronau. Zach spricht von einer „abstrusen Situation“.
Auch Bürgermeister Carsten Ullrich (SPD) bereitet sich auf eine Veränderung der Schullandschaft im Sinntal vor. „Wir wissen, dass nicht alle Schulen dauerhaft erhalten werden können.“ Eine Nutzungsänderung der Gebäude sei allerdings nicht einfach, die Anforderungen und Auflagen für einen Kindergartenbetrieb etwa seien ganz anders.

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