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Main-Kinzig und die deutsche Einheit: Aus Paten sind Partner geworden

Eine ganze Reihe von Städten und Gemeinden im Main-Kinzig-Kreis knüpfte 1989 Kontakte zu Kommunen in der Noch-DDR. Daraus entwickelten sich oft Freundschaften. Von Andreas Zitzmann

Die Salzmannschule im Waltershausener Ortsteil Schnepfenthal. Seit dem Mauerfall hat die Puppenstadt Waltershausen engen Kontakt zum Hanauer Puppenmuseum - nur ein Beispiel für viele freundschaftliceh Kontakte, die in den vergangenen 20 Jahren gediehen sind.
Die Salzmannschule im Waltershausener Ortsteil Schnepfenthal. Seit dem Mauerfall hat die Puppenstadt Waltershausen engen Kontakt zum Hanauer Puppenmuseum - nur ein Beispiel für viele freundschaftliceh Kontakte, die in den vergangenen 20 Jahren gediehen sind.
Foto: dpa

Die Euphorie war in Deutschland im Spätherbst 1989 groß. Sie ergriff auch Dirk Schäfer. Der damalige Vorsitzende der Gemeindevertretung von Hammersbach setzte sich ins Auto und fuhr einfach drauf los. In Wechmar nahe Gotha in Thüringen hielt er an, warum auch immer dort. Und fragte ganz einfach: "Braucht ihr Hilfe?"

Die Wechmarer nahmen das Angebot dankbar an. Und 20 Jahre später war eine Hammersbacher Delegation in Wechmar zu Gast - beim Festakt zum Tag der Deutschen Einheit.

Eine ganze Reihe von Städten und Gemeinden im Main-Kinzig-Kreis knüpfte damals Kontakte zu Kommunen in der Noch-DDR. Daraus entwickelten sich oft Freundschaften, die zum Teil bis heute, über 20 Jahre hinweg, bestehen. Andere Partner- und Patenschaften kochen längst nur noch auf Sparflamme.

So hatte 1989 die evangelische Kirche den ersten Kontakt zwischen Wächtersbach und Roßleben im Unstruttal hergestellt. Hilfe beim Aufbau der Verwaltung nach "westlichen Prinzipien" war gefragt. Heute besuchen die Roßlebener noch mit einem Tourismus-Stand die Messe Wächtersbach - das war's.

Die Neugier war groß

In Nidderau hingegen ist Bürgermeister Gerhard Schultheiß (SPD) sichtlich stolz darauf, dass die Partnerschaft zum thüringischen Gehren voller Leben ist. Ein Ostheimer Bürger, der aus Illmenau stammte, hatte die Initiative ergriffen. "Die Neugier war einfach groß", sagt Schultheiß.

Kurz darauf war die erste Nidderauer Delegation nach Gehren unterwegs. Die Vereine folgten auf dem Fuß, die Sportfischer, die Karnevalisten "Schlüsselrappler". Am 1. September 1990 wurde ein Partnerschafts- und Kooperationsvertrag unterschrieben. "Die deutsche Einheit", sagt Schultheiß, "hat in unseren Gesprächen auch heute noch Bedeutung" - zuletzt bei einem Rundflug auch über die frühere Grenze, die ihm sein Amtskollege anlässlich der Amtseinführung von Schultheiß im Mai dieses Jahres schenkte.

In Gründau sieht es kaum anders aus. Aus bereits bestehenden privaten Kontakten entstand eine Partnerschaft mit Neugersdorf in der Oberlausitz, die heute noch auf allen drei Ebenen floriert: Verwaltung, Vereine, privat. Erst unlängst rückten die Neugersdorfer per Bus zum Feuerwehrfest in Rothenbergen an. Im kommenden Jahr steht ein Gegenbesuch an.

Ein Faxgerät war die erste "Hilfslieferung" aus dem Erlenseer Rathaus nach Wusterwitz in Brandenburg. Der "Rat der Regionen" hatte die Patenschaft als Aufbauhilfe für die dortige Verwaltung vermittelt. Etwa ein Jahr dauerte die Unterstützung, 1992 wurde daraus ein Partnerschaftsvertrag. Handballer, Feuerwehr, Angler halten die Freundschaften, die sich in zwei Jahrzehnten entwickelten, am Leben. Erst vor wenigen Wochen pflanzten die Erlenseer einen Partnerschaftsbaum in Wusterwitz.

Der Musikverein Ronneburg (Hessen) ist befreundet mit dem Musikverein Ronneburg (Thüringen), die Puppenstadt Waltershausen (Thüringen) hat engen Kontakt zum Puppenmuseum in Hanau, der Main-Kinzig-Kreis insgesamt ist Partner des Kreises Gotha - aber nach 20 Jahren ist der ursprüngliche Gedanke, die lang erhoffte Wiedervereinigung mit Leben zu erfüllen, eher in den Hintergrund getreten.

Er wurde ersetzt durch persönliche Freundschaften. "Nachhilfeunterricht" benötigen die Partnerkommunen schon lange nicht mehr.

Autor:  Andreas Zitzmann
Datum:  6 | 11 | 2009
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