Menschen aus Rumänien und Bulgarien, die der Armut in ihrem Heimatland entfliehen, kommen seit einem Jahr zunehmend auch nach Hanau; vor allem in den Südosten der Stadt, sagt Sozialdezernent Axel Weiss-Thiel (SPD). Die damit verbundenen Probleme beschäftigten derzeit viele Städte. Um diese Situation „nur annähernd bewältigen zu können, brauchen wir zwingend die Unterstützung durch Bund, Land und Europäische Union“, erklärt Weiss-Thiel.
Der Magistrat schließt sich deshalb der Forderung des Deutschen Städtetags nach Finanzhilfe an, „damit die Kommunen die schwierige Integrationsarbeit überhaupt leisten können“. Gleichzeitig hat Weiss-Thiel der hessischen Kultusministerin Nicola Beer (FDP) einen Brief geschrieben, in dem er sie um Unterstützung bittet: „Damit der Stadtteil Südost nicht aus der Balance gerät“ – auch wenn Hanau von Zuständen wie in Offenbach, wo 4700 Rumänen und Bulgaren leben, „noch weit entfernt“ sei. In seinem Schreiben bittet Weiss-Thiel die hessische Kultusministerin zudem, sich dafür einzusetzen, dass das Gebiet Südost in das Programm Soziale Stadt aufgenommen wird; Hanau hatte das bereits 2011 beantragt.
Brennpunkt Daimlerstraße
Viele Menschen, die aus Südosteuropa nach Hanau kommen, leben in der Daimlerstraße; die FR berichtete vor einigen Wochen über die schwierige Situation in den Blocks. Nach Angaben der Stadt sind derzeit rund 350 Bewohner mit rumänischem Pass dort gemeldet. Seit dem Beitritt Bulgariens und Rumäniens zur EU konzentriert sich die Zuwanderung in Ballungsräumen. Weiss-Thiel beschreibt die daraus folgenden Probleme so: „Wir sind konfrontiert mit Menschen, die nur eine geringe Bildung haben, kein Deutsch sprechen und aus einem Kulturkreis kommen, der zur Abschottung neigt. Die Kontaktaufnahme gestaltet sich ausgesprochen schwierig.“ Bislang habe man in Hanau nur wenig Erfahrung mit dieser Bevölkerungsgruppe. „Es fehlt an Fachpersonal, das deren Sprache spricht und mit den kulturellen Gepflogenheiten vertraut ist.“
2012 hat die Stadt eine Arbeitsgruppe gegründet, die sich speziell mit diesem Thema beschäftigt. Darin vertreten sind die Ausländerbehörde, das Ordnungsamt, die Bauaufsicht, der Fachbereich Bildung, Soziale Dienste und Integration, der Eigenbetrieb Kindertagesbetreuung und das Staatliche Schulamt. Außerdem steht die Stadt mit dem Sozialamt und dem Gesundheitsamt des Kreises in Kontakt, ebenso mit der Polizeidirektion Main-Kinzig, die eine eigene Arbeitsgruppe für die Daimlerstraße installiert hat – auch wenn die Blocks derzeit nicht als Schwerpunkt der Kriminalität gelten. Viele Bürger bewerteten das anders, sagt Weiss-Thiel. Klagen gibt es unter anderem wegen Lärm und Müll. Das Ordnungsamt kontrolliert deshalb zweimal täglich.
Schule stößt an ihre Grenzen
Der Stadtrat sieht es als wichtig an, die Kinder aus diesen Familien früh zu integrieren. So sind an der Anne-Frank-Schule die Kapazitäten für die Seiteneinsteiger-Klasse vergrößert worden, wo Zuwandererkinder Deutsch lernen. Allerdings stoße die Schule in jeder Beziehung an ihre Grenzen, sagt Weiss-Thiel. Im Stadtteilzentrum Südost wird deshalb eine Ausweichklasse für rund 20 Kinder eingerichtet. (pam.)
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