Die gute Nachricht zuerst: Hans Hiesberger (69) spielt Tennis. Günter Pinkel (72) reißt gern Witze. Horst Andes (60) fährt Fahrrad und Langlaufski. Die schlechte Nachricht: Alle drei Maintaler haben seit Jahren Parkinson. Sie haben sich der unheilbaren Nerven-Krankheit gestellt. „Wir zittern nicht mehr alleine zu Hause ’rum“, erzählt der einstige Grünen-Stadtverordnete Andes. Und grinst dazu bei einem Glas Wasser auf der Terrasse von Hiesberger in Maintal-Wachenbuchen (Main-Kinzig-Kreis). Humor ist, wenn man trotzdem lacht.
Das Trio gründete im November 2006 den ersten Maintaler Parkinson-Stammtisch. Anfangs waren es nur fünf Betroffene, heute sind es etwa 50. Neuester Coup: Die Gruppe hat nach zwei Jahren Vorbereitung mit Filmemacher und Kameramann Werner Czarnecki aus Großkrotzenburg (Main-Kinzig-Kreis) einen Film gedreht: „Diagnose Parkinson ... was nun?“. 2000 DVDs sind schon gebrannt, die öffentliche Uraufführung ist am kommenden Montag im städtischen Klinikum Hanau. Über 150 Gäste sind avisiert. Die Deutsche Parkinson Vereinigung schickt ihren Geschäftsführer und will die DVDs bundesweit an Neurologen verteilen.
Uraufführung „Diagnose Parkinson... was nun?“ am Montag, 4. Juli, um 15 Uhr in der Aula der Psychiatrie des Klinikums Hanau, Julius-Leber-Straße 2.
DVD-Bestellungen möglich bei Hans Hiesberger, Telefon 06181 / 432262, E-Mail: hans@hiesberger.de.
Der Parkinson-Stammtisch trifft sich in der „Goldenen Krone“ in Maintal-Hochstadt, Hauptstraße 36. Infos : Horst Andes, Telefon 06181 / 2946887. ute
www.parkinsonstammtisch.de.
Finanziert wurde der Film, der aus der Sicht von Betroffenen über den Umgang mit der Krankheit informiert, mit Hilfe von Sponsoren. Die meisten trieb Hiesberger auf. Die inhaltliche Unterstützung, fachliche Expertise und Gestaltung des medizinischen Teils lieferte die Neurologische Klinik am Klinikum unter der Leitung von Chefarzt Horst Baas.
Eine Kämpfernatur
Rückblende: Die Initialzündung für die Gründung des Parkinson-Stammtisches in Wachenbuchen gab Horst Andes. 1998 erfuhr der Lehrer, dass er Parkinson hat. Nach einigen Jahren hatte der Hochstädter es satt, sich in der 40000-Einwohner-Stadt damit allein zu fühlen, wollte andere Betroffene finden, um offensiv damit umzugehen. Er „outete“ sich: Am 5. September 2006 erschien unter der Überschrift „Akzeptieren, nicht bekämpfen“ ein ausführlicher Artikel über ihn im „Maintal Tagesanzeiger“. Prompt rief Hiesberger bei ihm an.
Er hatte Ende 2000 erfahren, dass er Parkinson hat. „Ich wollte unbedingt etwas tun, bin seit jeher eine Kämpfernatur“, so der Diplom-Ingenieur, der über 30 Jahre eine Maintaler Firma leitete. Hiesberger ist ein aktiver Typ: Er übernachtete in eisiger Höhe von 3500 Metern Höhe, machte einen Fallschirmsprung, lernte mit 56 Jahren Motorradfahren. Jahrelang flog er sein eigenes Flugzeug, eine Piper PA 24. Er segelte, war Wellenreiten in Australien, nahm an einer Hochseeregatta auf dem Mittelmeer teil. Auch per Gleitschirm, auf Inlineskates und in einem Heißluftballon war er unterwegs.
Wegen der Krankheit musste er seinen Pilotenschein abgeben, auch das Mopedfahren ist perdu – doch trotz seiner zwei künstlichen Kniegelenke spielt er noch Tennis. Als ihm ein Arzt empfahl, die einsetzende Muskulaturschwäche im Gesicht mit Lippenübungen auf einem Holzplättchen zu bekämpfen, kaufte er sich lieber ein Saxophon. „Das gefällt auch meiner Enkelin viel besser – und der Speichelfluss ging dadurch weg“, erzählt er stolz.
„Bewegung ist das A und O, um die Krankheit zu verlangsamen“, betont das Trio unisono. Andes schwört auf die Feldenkrais-Methode: „Ohne diese Übungen könnte ich nicht mehr Radfahren“. Andere Stammtisch-Teilnehmer sind aktiv bei Skat, Bogenschießen, Reha-Übungen oder Musizieren. Info-Abende gibt’s regelmäßig, etwa über Magnetfeldmatratzen, Medikamente, neueste Forschungsergebnisse. Ausflüge und Feste kommen hinzu.
Er wollte es nicht wahrhaben
Günter Pinkel, für seine Scherze beliebt, kann auch ernst: „Ich habe vor fünf Jahren die Diagnose erhalten, wollte es erst nicht wahrhaben“. Der Wachenbuchener, der früher ein Lebensmittelgeschäft betrieb, vergrub sich zu Hause. Bis er Beate Hiesberger dank gemeinsamer Bekannter in einer Gaststätte kennenlernte: „Sie nickte ständig, wenn ich von meiner Krankheit sprach. Ich wollte wissen, wieso“. Sie erzählte, ihr Mann sei auch betroffen. „Fünf Wochen später klingelte er bei uns. Dazu gehört viel Mut“, erinnert sich Hiesberger. Das Parkinson-Trio war geboren.

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