Gespannt warten die Schüler der Ludwig-Geißler-Schule auf Nachwuchs von Pocardis Muralis, der Mauereidechse. Wird sich das scheue Reptil trotz massiver Störungen von Menschenhand behaupten und seinen neuen Lebensraum annehmen? Das ist für ein Jungforscherteam aus den Leistungskursen in Biologie und Chemie in der nächsten Zeit eine zentrale Frage. Bei dem groß angelegten Eidechsen-Umsiedlungsprojekt vom Hanauer Gleisbauhofareal nach Mühlheim-Dietesheim haben sie einen Teil der wissenschaftlichen Erfolgskontrolle übernommen.
"Die Schüler leisten durch ihr Monitoring der Bestandsentwicklung nach der Umsiedlung einen wichtigen Beitrag zum Artenschutz. Die Stadt Hanau und Fachbehörden haben Interesse an den gewonnenen Daten," sagt der Biologe Martin Schroth. Als Mitarbeiter der Unteren Naturschutzbehörde in Hanau begleitet er das Projekt.
Gemeinsam mit den Schülern hat Schroth bereits das neue Terrain der streng geschützten Mauereidechsen erkundet und dabei erklärt, was man für die Beobachtung der Reptilien wissen muss. Zum Beispiel, dass Mauereidechsen auf Bodenerschütterungen mit Flucht reagieren. Die Schüler müssen sich also geschickt anschleichen, wenn sie die neuen Bewohner im Naturschutzgebiet Oberwaldsee bei Dietesheim zu Gesicht bekommen und fotografieren wollen.
Mit ihrem ambitionierten Projekt wollen die Schüler des beruflichen Gymnasiums am Wettbewerb "Jugend forscht" teilnehmen. Eine ganze Reihe von Fragen sind dafür systematisch abzuarbeiten: Welche Teillebensräume nutzt die Mauereidechse im neuen Gebiet? Hat sie sich bereits ausgebreitet? Wie teilt sie den Lebensraum mit der ursprünglich dort vorkommenden Zauneidechse?
Berufliche Praxis vermitteln
Die Idee, Schüler könnten das Projekt wissenschaftlich begleiten, kam ursprünglich vom Leiter des Hessischen Forstamtes Wolfgang, Dieter Müller. "Wir wollen durch ein solches Angebot berufliche Praxis vermitteln und auf die Bedeutung des lokalen und europaweiten Arten- und Naturschutzes aufmerksam machen", erläutert die Biologin Marianne Demuth-Birkert die Idee. Auch sie, Lehrerin an der LGS und freiberuflich und ehrenamtlich als Gutachterin im Arten- und Naturschutz tätig, unterstützt die Nachwuchsforscher bei ihrer Aufgabe. Auch das Senckenberg-Institut begleitet die Umsiedlung wissenschaftlich.
Der Umzug vom Gleisbauhof im Hanauer Lamboyviertel war notwendig geworden, weil dort unter anderem das Einkaufszentrum "Kinzigbogen" entstehen soll. Der nach der EU-Richtlinie "Fauna-Flora-Habitat" streng zu schützenden Tierart musste ein geeigneter Ersatzlebensraum angeboten werden. Mehr als 2000 Eidechsen wurden im Frühjahr eingefangen und ins Gelände der alten Basaltsteinbrüche des Hanauer Nachbarortes gebracht.
Der natürliche Lebensraum der Mauereidechsen ist die Mittelmeer-Region. Wissenschaftler vermuten, dass die ersten Exemplare vor Jahren mit Schwellentransporten der Bahn aus Süddeutschland eingewandert sind. lex

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