Für Ian Watson war das Blaue Haus vor drei Jahren nur ein weiterer „unloved site“, für die Stadt eine der schwersten Hypotheken ihrer Industriegeschichte. Dass dieser Schandfleck am Südosteingang in den kommenden Monaten verschwindet, hat sie dem Investment von Watsons Firma zu verdanken und dem Expansionsdrang von Heraeus. Der Edelmetall-Konzern will dort in einem Jahr einziehen.
Dort wo Hanaus zweites industrielles Schwergewicht, die damalige Degussa, bis Mitte der 80er Jahre produzierte, ziehen Teile der Verwaltung der Heraeus-Dentalsparte ein. Der flache Anbau an das Blaue Haus direkt am Kreisel wird demnächst abgerissen. Dort entsteht eine Art Vorplatz, der dem künftigen Bürogebäude einen repräsentativen Charakter gibt. Watsons Firma steckt 8,5 Milionen Euro in den Umbau.
Das Areal zwischen Kurt-Blaum-Platz sowie Leipziger und Willy-Brandt-Straße misst 48000 Quadratmeter. Darauf befindet sich ein Wildwuchs von Gebäuden, der jahrelang größtenteils leer stand.
Der Londoner Immobilien-Investor Ian Watson kaufte das Areal im Januar 2008 mit seiner Firma Hansteen von der Industriebank IKB im Zuge eines Insolvenzverfahrens.
Der Vermietungsstand hat sich seitdem von 25 auf 70 Prozent erhöht. Die Einnahmen stiegen von knapp 300000 auf zwei Millionen Euro pro Jahr.
Die wichtigsten Mieter sind derzeit das Finanzamt und die Klinikum-Schule.
Heraeus wird die Flächen nach Angaben des Immobilien-Verwalters langfristig mieten. Auf allen acht Etagen entstehen Büros und Besprechungsräume, die Fassade wird ihr Blau verlieren und im Erdgeschoss werden die derzeitigen Zäunen und Bretterverschlägen hellen Fensterfronten weichen. „Das Haus wird komplett entkernt“, kündigt Projektleiter Alptug Taskin an.
Laut dem Frankfurter Immobilien-Verwalter François Hagdorn ist mittlerweile ein Großteil der Nutzfläche vermietet. Neben dem Finanzamt, das im Sommer für zweieinhalb Jahre einzog, befindet sich dort seit dem Jahreswechsel auch die Pflegeschule des Klinikums. Entscheidend für die Vermietung des Blauen Hauses war aus Sicht von Hagdorn der Bau des Parkhauses auf einem Teil des Geländes an der Leipziger Straße. Die 600 Dauer-Stellplätze würden schon jetzt hauptsächlich von Heraeus-Mitarbeitern genutzt. Um 900000 Euro erhöhen sich durch den Mietvertrag mit der Nachbar-Firma die Einnahmen von Watsons Immobilien-Gesellschaft, doch die Pläne von Heraeus gehen weiter.
Der Edelmetall-Konzern ist seit geraumer Zeit mit seinen Platz-Kapazitäten am Ende und hat deshalb bereits im vergangenen Jahr einen Teil des Stadtwerke-Areals gekauft. Dort will Heraeus eines Tages weiter expandieren und neue Verwaltungsgebäude errichten. Laut Pressesprecher Christoph Ringwald bleibe der Stammsitz jedoch in der Heraeusstraße. Die Stadt spricht dennoch von einer erheblichen Aufwertung des Stadteingangs.

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