Gäbe es Herbstzeugnisse für Hanauer Schulmensen, dann würden die Noten mutmaßlich überwiegend alles andere als zufriedenstellend ausfallen. Seit dem Bericht der Frankfurter Rundschau im April über die geringe Akzeptanz bei den Schülern hat sich eine Arbeitsgruppe aus Schulelternvertretern gebildet. In einer Informationsveranstaltung mit Stadtelternbeirat und Schulverwaltungsamt wurde jüngst eine Statistik über die Auslastung der Mensen vorgestellt, die das Schulverwaltungsamt zusammengetragen hat. Allein hier und dort den Caterer zu wechseln, reicht offenbar nicht aus, um die Probleme in den Griff zu bekommen, darüber sind die Stadtelternbeirat und Politik einig.
Die Qualität des Essens, das verschiedene Lieferanten in den Speisesälen ausgeben, ist offenbar weiter in den Keller gerutscht. Schon im April berichteten Schüler von pampigen Speisen, in denen auch schon mal Haare zu finden waren. An der Lindenauschule oder an der Hessen-Homburg-Schule packen in der Mittagspause auch die Pädagogen lieber das Butterbrot aus, als sich an der Theke zu bedienen. Die Pflicht zur Vorbildfunktion hört offenbar in der Schulkantine auf.
„An unserer Schule isst inzwischen kein Lehrer mehr in der Mensa“, weiß der stellvertretende Schulleiter des Schulzentrums Hessen-Homburg, Guido Wolf, auf Anfrage zu berichten. „Das Angebot ist nicht ausgewogen und die Essen sind wenig appetitlich“, erklärt er. Auch wenn die Statistik mit 18 Prozent im Vergleich zu anderen Schulen in der Stadt eine überdurchschnittliche Ausnutzung anzeige, sei die Wirklichkeit jedoch differenzierter. „Die meisten Jugendlichen nehmen kein Menü, sondern kaufen sich einen Snack in der Mensa“, so Guido Wolf.
Sabine Pohl, bis vor kurzem noch Mitglied im Stadtelternbeirat, sieht ein allgemeines Strukturproblem bei der Schulverpflegung. In den Schule fehle das Personal, das sich ausschließlich um den Mensabetrieb kümmere. „Diese Arbeit wird Lehrern oder Eltern aufgedrückt.“ Schulen und Lieferanten müssten sich vernetzen, um nicht länger an den Bedürfnissen der Jugendlichen vorbei zu kochen, so Pohl.
Die Schulen müssten auch einen Weg finden, eine Esskultur aufzubauen, wie dies etwa in Frankreich der Fall sei. Dort koste ein wirklich frisches Menü zwar doppelt so viel wie an Hanauer Schulen, die Mensen seien aber voll. Laut Pohl verstehe zudem das hiesige Catererpersonal auch nicht immer, mit den Schülern angemessen umzugehen.
Der neue Schuldezernent Axel Weiss-Thiel (SPD) sieht die Lage in Hanauer Schulmensen nicht generell schaurig. „Es gibt gewiss Ausreißer nach oben und nach unter“, sagt er. „Es kann allerdings nicht angehen, dass neue und teure Mensen hingestellt werden und kaum einer sie nutzt.“
Weiss-Thiel sieht wie der Stadtelternbeirat eine Lösung in der engeren Kommunikation von Schulen, Jugendlichen und Elternvertretungen. Auf die Frage, ob Schulen ihren Caterer wechseln können, erklärte Weiss-Thiel, dass ein „dezentrales System bei der Catererauswahl“ bestehe.
Hanaus Mensen leeren sich nicht allein ob der Qualität. Kinder aus einkommensschwachen Familien fehlt schlicht das Geld, um den vollen Essenspreis von drei bis vier Euro pro Menü bezahlen zu können.
Seit Beginn des Schuljahres gibt es zudem den unbürokratischen Weg zum Essensgeldzuschuss über die Kübler-Stiftung nicht mehr. Nun muss ein Antrag ausgefüllt werden. „Das schreckt viele Eltern ab. Wer will schon seine Einkommensverhältnisse der Schule offenlegen“, so Guido Wolf vom Schulzentrum. Eine genaue Zahl der verzichtenden Kinder gibt es mangels Statistik nicht.

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