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Nach Verkauf: Schwer belastet in die Zukunft

Die Vacuumschmelze zahlt ihren Mitarbeitern keine Anerkennungsprämie. Die Belegschaft ist tief enttäuscht darüber, dass sie nicht am Verkaufserlös ihres ehemaligen Eigentümers beteiligt wurde.

        

Nicht nur der Betriebsrat ist enttäuscht.
Nicht nur der Betriebsrat ist enttäuscht.
Foto: Bernd Fickert

Hier stimmt die Chemie!“ lautet das Motto der Tage der Industriekultur. Doch während auch die traditionsreiche Vacuumschmelze (VAC) am Freitag und Samstag wieder ihre Tore für einen Blick hinter die Kulissen öffnet, ist dort die Stimmung derzeit alles andere als gut. Die Belegschaft ist tief enttäuscht darüber, dass sie nicht am Verkaufserlös ihres ehemaligen Eigentümers beteiligt worden ist.

Wie der Betriebsrat nach eigenen Angaben bereits am Mittwoch erfuhr, ist der Verkauf der VAC durch den Finanzinvestor One Equity Partners (OEP) an die OM Group mittlerweile vollzogen. Der Preis: Eine Milliarde US-Dollar, umgerechnet rund 700 Millionen Euro – fast doppelt so viel wie OEP vor gut fünf Jahren an den Vorbesitzer überwiesen hatte.

Das Unternehmen

Die Vacuumschmelze (VAC) in Hanau stellt seit 1923 magnetische Spezialwerkstoffe und daraus veredelte Produkte her. Ab 1933 gehörte die VAC mehrheitlich zu Siemens. 1999 verkaufte Siemens die VAC für 180 Millionen Euro an den britischen Metallbauer Morgan Crucible.

Ende 2005 übernahm der US-Finanzinvestor One Equity Partners (OEP) die VAC für 360 Millionen Euro. Im Juli 2011 verkaufte dieser die VAC für 700 Millionen Euro an die amerikanische Spezial−Chemiefirma OM Group weiter.

Bei einem Vor-Ort-Termin des Bundestagsabgeordneten Sascha Raabe (SPD) sagte Betriebsratschefin Cornelia Gramm, eine Anerkennungsprämie für die Beschäftigten werde es nicht mehr geben. Laut der Geschäftsleitung der VAC sei diese nie vorgesehen gewesen. Sie habe keinen Grund gesehen, die Belegschaft am Verkaufserlös zu beteiligen.

„Nach unseren Informationen wäre OEP durchaus bereit gewesen, eine Prämie zu zahlen“, sagte Gramm. Das Management habe dies aber nicht gewollt und sich nicht dafür eingesetzt. Zu den Vorwürfen wollte sich die Geschäftsführung der VAC am Donnerstag gegenüber der Frankfurter Rundschau nicht äußern.

Eine vertrauensvolle Zusammenarbeit zwischen Arbeitnehmern und Arbeitgebern sieht nach Ansicht des Betriebsrats anders aus. Nachdem der Eigentümer-Wechsel vollzogen ist, will der Betriebsrat jedoch die Angelegenheit auf sich beruhen lassen. Laut dem Bevollmächtigten der IG Metall in Hanau, Robert Weißenbrunner, sind keine weiteren Protest-Aktionen geplant.

Am Donnerstagmittag hängten die Mitglieder des Betriebsrats vor dem Werkstor am Grünen Weg Unterschriftenlisten auf. Sie hatten bis Anfang der Woche gehofft, damit die Betriebsleitung noch umstimmen zu können. Vor genau zwei Wochen hatten sie an gleicher Stelle eine halbe Stunde lang demonstriert. Die 1500 Mitarbeiter forderten gut 3300 Euro für jeden – insgesamt fünf Millionen Euro.

„In den Gesprächen mit den Beschäftigten ist die Enttäuschung zu spüren“, sagt Cornelia Gramm. Mit einer Anerkennungsprämie hätte die Geschäftsführung der VAC ihrer Einschätzung nach ein Zeichen für einen Neuanfang setzen können. Das Vertrauensverhältnis sei „schwer belastet“.

Sascha Raabe findet den Vorgang „pervers“. Nachdem die Mitarbeiter mit ihrem Lohnverzicht geholfen hätten, die VAC profitabler zu machen, werde diese nun zum doppelten Preis verkauft.

Autor:  Christoph Süß
Datum:  5 | 8 | 2011
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