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Seminar in Hanau: Hilfe gegen S-Bahn-Rüpel

Der Polizist Randolph Schwenke bringt Frauen und Männern in Hanau bei, wie sie sich gegen Übergriffe in der S-Bahn wehren können. Das Interesse ist groß.

Randolph Schwenke macht ein langes Gesicht, das gar nicht zu seiner Bomberjacke passt. „Hee, was ist los mit euch beiden Hübschen“, ruft er den Frauen nach, die sich flugs in ein anderes S-Bahn-Abteil begeben. Zuvor hatte die eine Mitreisende der anderen aus einer prekären Situation geholfen. Die Frau wurde von Schwenke grob angemacht.

Schwenke ist von Beruf Polizeioberkommissar, und die ganze Szene spielte sich am Samstag nicht in einer realen S-Bahn ab, sondern im Saal des Kulturzentrums Hans Böckler. Das Bürgerseminar zur Zivilcourage der Stabsstelle Prävention der Stadt Hanau und des Polizeipräsidiums Südosthessen ist Teil der landesweiten Kampagne „Gewalt – Sehen – Helfen“.

Es ist bereits das fünfte Seminar für 2010. „Es gibt ein sehr starkes Interesse in diesem Jahr“, berichtete Stephanie Kämmerer, Leiterin der Stabsstelle. Sie erklärte dies mit Übergriffen in öffentlichen Verkehrsmitteln, die in den Medien große Resonanz fanden. Nicht zuletzt mit dem tragische Tod des Müncheners Dominik Brunner, der wahrscheinlich sterben musste, weil Mitfahrende feige wegsahen.

Agieren ohne Aggressionen

Die zwölf Seminarteilnehmer, der älteste war 90 Jahre alt, erfuhren im Rollenspiel selbst, wie man sich man sich in der Haut des Opfers und des potenziellen Helfers fühlt. Agieren ohne dem Täter mit Aggressionen zu entgegen, lautete eine der Hauptregeln des sechsstündigen Workshops.

Die betroffene Person aus dem „Magnetfeld“ des Aggressors holen kann man oft schon mit einem Händereichen, gepaart mit dem Ausruf an das Opfer. „Ach, welche Überraschung, dass ich dich hier treffe...“, bricht die heikle Lage auf. „Die helfende Hand kam mir in diesem Moment riesig vor“, erzählte eine Teilnehmer in der Nachbesprechung der Szene.

Schwenke gab noch den Tipp, sich anschließend mit seinem Retter aus der Sichtweite des Angreifers zu entfernen. Er betonte jedoch, dass immer – wenn möglich – andere Personen zur Mithilfe motiviert werden sollten. Es sei auch nicht feige, auf „seine innere Alarmanlage zu hören“ und deshalb mit einem Notruf an die Polizei indirekt zu helfen.

„Ich fahre jeden Werktag mit der S-Bahn und will wissen, wie ich helfen kann, ohne mich in Gefahr zu bringen“, erläuterte eine 51-Jährige ihr Mitmachen. Eine Gewalttat gegen einen Mitreisenden habe sie noch nicht erlebt, jedoch „häufig Streitereien im Zug“.

Ein 59-Jähriger berichtete hingegen von einem Moment, in dem er beinahe zum Opfer geworden wäre. „Zwei jungen Frauen hatte ich gesagt, dass in der S-Bahn nicht geraucht werden darf. Da wurde sie gegen mich laut und drohten mir Schläge an“, erzählte er in der Seminarpause.

Die Kursnachfrage vergrößere sich, so Stephanie Kämmerer. Nicht nur Buchungen von Einzelpersonen gehen zunehmend ein. Für das Jahr 2011 stehen schon Anmeldungen des Familiennetzwerks Steinheim, des Ordnungsamt s und des Stadtladens auf der Teilnehmerliste.

Infos unter Telefon 06181/295-1668.

Autor:  Detlef Sundermann
Datum:  22 | 11 | 2010
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