Der Verein Museumseisenbahn Hanau kann das Damoklesschwert abhängen: Er ist seit Jahresbeginn Eigentümer und nicht mehr Mieter des ehemaligen Bahnbetriebswerks (BW) östlich des Hauptbahnhofs. Seit 20 Jahren residiert der Verein dort und restauriert historische Fahrzeuge. Sein Ziel ist ein „lebendiges“ Eisenbahnmuseum.
Als Mieter drohte ständig das Aus, sollte der bisherige Besitzer – die Firma Aurelis Real Estate, die ehemalige Immobilien der Deutschen Bahn Immobilien verwaltet und vermarktet – einen anderen Käufer finden.
Der Verein Museumseisenbahn Hanau hat etwa 70 Mitglieder; etwa zwei Dutzend sind Aktive, die sich jedes Wochenende auf dem Gelände an den Heideäckern treffen.
Haupteinnahme-Quelle sind Sonderfahrten mit einem historischen Personenzug, gezogen von einer 70 Jahre alten Dampflok der Baureihe 50.
Trotz ihren hohen Alters ist die Lok mit ihren 1650 PS immer noch gut genug, um hin und wieder an Firmen vermietet zu werden, um Bauzüge zu ziehen.
Sonderfahrt-Termine unter www.museumseisenbahn-hanau.de. az
Zur Übernahme war eine Stiftung gegründet worden, die zusammen mit dem Verein Gesellschafter der ebenfalls neu gegründeten Firma „Historisches Bahnbetriebswerk Hanau“ ist, dem eigentlichen neuen Eigentümer.
Stiftungsvorsitzender Klaus Kröger, er ist auch Mitglied des Vereinsvorstandes, nannte keine Kaufsumme. Sie könnte im sechsstelligen Bereich liegen. Das wird für den Verein eine gewaltige Belastung Bein sein, denn außer Mitgliedsbeiträgen und einigen Spenden erwirtschaftet er Einnahmen ausschließlich durch Sonderfahrten mit dem eigenen historischen Dampfzug. Von der Stadt kam – wegen der unsicheren Zukunft des Vereins – bislang nur wenig Unterstützung. Sie beteiligte sich lediglich mit 5000 Euro am Stiftungskapital.
Brücke bedroht Lokschuppen
Allerdings hat sich die Stadt Hanau bei der Deutschen Bahn dafür verwandt, dass die Baupläne für eine Straßenüberführung im Bereich Heideäcker abgeändert werden. Der Brücke würde der alte Ringlokschuppen auf dem Areal des Bahnbetriebswerks zum Opfer fallen. Die Bahn, so Kröger, prüfe den Antrag derzeit.
Das 1,8 Hektar große Gelände, das nun dem Verein gehört, hat den Zweiten Weltkrieg so gut überstanden wie nur wenige Bahneinrichtungen in Deutschland. Das Bahnbetriebswerk ist mittlerweile fester Bestand der Route der Industriekultur. Vor gut 100 Jahren gebaut, waren dort zur Dampflokzeit bis zu 900 Menschen beschäftigt. Hanau war (und ist) einer der wichtigsten Bahnknoten in Hessen. Besonders schwere Güterzug-Lokomotiven wurden dort gewartet und mit frischer Kohle und Wasser versehen.
Mit der Sicherheit, nun nicht mehr vertrieben zu werden, können sich die Museumseisenbahner jetzt dringend anstehenden Arbeiten widmen. Vordringlich ist ein Lokschuppen: Dessen altes Dach stürzte vor einiger Zeit ein. Zunächst aber ist der Aufbau von zwei Wasserkränen geplant, denn die Hanauer wollen auch eine Anlaufstelle für Museumszüge anderer Vereine auf deren Fahrten werden – ganz wie früher.

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