Der Betroffene bemüht sich um Gelassenheit. „Wir werfen die Flinte nicht ins Korn“, sagt Uwe Ringel. Die Worte des Ersten Stadtrates klingen fast trotzig. Wen mag das schon verwundern in Bruchköbel, wo die einzige Konstante bei der Wahl zu politischen Ämtern seit Jahren deren Unberechenbarkeit ist.
Am Dienstagabend hat es einmal mehr den Grünen Ringel getroffen. Der Antrag auf seine Wiederwahl scheiterte, obgleich das schwarz-grüne Bündnis über 20 der 37 Stadtverordnetenmandate verfügt. Doch für eine zweite Amtszeit des hauptamtlichen Wahlbeamten gab es nur 18 Stimmen.
Uwe Ringel wurde im September 2006 erst im dritten Wahlgang Erster Stadtrat von Bruchköbel. Bei den ersten Durchgängen war es trotz schwarz-grüner Mehrheit zur Patt-Situation mit dem überraschend angetretenen FDP-Bewerber Alexander Noll gekommen.
Im Zuge des parteiinternen Konfliktes in der Bruchköbeler Union stehen bei der Bürgermeisterwahl Ende 2007 zwei Kandidaten mit CDU-Parteibuch zur Wahl. Amtsinhaber Michael Roth unterliegt dem als unabhängigen Bewerber angetretenen Günter Maibach mit 43,2 zu 56,8 Prozent.
Parallelen erblicken Polit-Beobachter in Gelnhausen, wo im Sommer 2005 die Wiederwahl des Ersten Stadtrats Jürgen Degenhardt (CDU) an Abweichlern aus dem eigenen Lager scheiterte. Zehn Tager später warf Degenhardt hin. Die Kreisstadt hat seither keinen zweiten Wahlbeamten mehr.
„Das alles ist schwer zu greifen“, kommentiert der 56-Jährige den Vorgang, obgleich dieser Erinnerung weckt. Als Ringel 2006 vom Grünen-Fraktionschef zum Ersten Stadtrat aufstieg, waren gleich drei geheime Wahlgänge erforderlich, obgleich CDU und Grüne damals sogar über 22 von 37 Sitzen verfügten. Unabhängig von kritischen Stimmen, die dem zuvor langjährigen Geschäftsführer der Taxi-Genossenschaft Hanau die politische Aufgabe nur schwer zutrauten, war Ringel zur Zielscheibe einer erbitterten innerparteilichen Auseinandersetzung in der CDU geworden.
Die Querelen in der Union, die lange über satte Mehrheiten in der 20500-Einwohner-Stadt verfügte, haben viele politische Karrieren beeinflusst. Über den Versuch, den einstigen CDU-Kreisgeschäftsführer Harald Hormel als Ersten Stadtrat zu installieren, zerfiel die Partei in zwei Lager. In der Folge musste Bürgermeister Michael Roth seinem Widersacher aus eigenen Reihen, Günter Maibach, den Chefposten im Rathaus überlassen. Schließlich spaltete sich der Roth-treue-Fraktionsflügel als Bruchköbeler-Bürgerbund (BBB) ab. Und als der BBB vor zehn Monaten mit fünf Abgeordneten ins Parlament einzog, legte CDU-Parteichef Gerhard Rehbein enttäuscht den Vorsitz nieder. Und selbst das vermochte offenbar nicht alle Animositäten auszuräumen. Als zuletzt selbst die Wahlen zum Fliegerhorst-Zweckverband Unstimmigkeiten eröffneten, gab Rehbein kurz vor Weihnachten auch Mandat und Parteibuch ab.
Ringel gewinnt dem ganzen eine gute Seite ab und interpretiert seine Wahlschlappe weniger als Kritik an der eigenen Arbeit. Überhaupt habe es bei Sachfragen in den vergangenen Jahren nie Probleme und Abweichler gegeben.
In diesem Punkt pflichtet ihm der Bürgermeister bei. „Unsere Zusammenarbeit ist gut. Am Ersten Stadtrat gibt es auch fachlich nichts auszusetzen“, betont Maibach (CDU). Unklar bleibt für die Rathauspolitiker indes, welche Motive und Ziele hinter der Wahlverweigerung stecken könnten.
Partei- und Fraktionsvorstand der Union fanden sich am Mittwochabend zusammen, um die Vorgänge aufzuarbeiten. Auch wenn es schwierig werde, die Abweichler aus den eigenen Reihen herauszudeuten, glaubt Maibach, sich auf die schwarz-grüne Koalition verlassen zu können. „Es wird zu keiner weiteren Spaltung oder keinem neuerlichen Rücktritt kommen“, ist sich Maibach sicher. Motto: „Jetzt erst recht.“
„Ich setze auf die Selbstheilungskräfte“, betont auch Ringel. Wie viel Geduld der Grüne Politiker dabei an den Tag legt, ist offen. Derweil will der BBB die Stelle ausschreiben lassen. Die FDP denkt über eine Streichung nach. Das ist für Maibach bei aller Geldnot kein Thema: „Eine Stadt von der Größe Bruchköbels braucht einen zweiten Wahlbeamten.“

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