Die Interessengemeinschaft gegen Block 6 bei Staudinger sieht nach wie vor gravierende Mängel in den Genehmigungsunterlagen für die umstrittene Erweiterung des Kohlekraftwerks in Großkrotzenburg. Sie wirft dem Betreiber Eon vor, Daten zu manipulieren; an die Genehmigungsbehörden geht der Vorwurf, trotz falscher Daten und damit wider geltendes Recht den Bau von Block 6 zuzulassen.
Die Interessengemeinschaft, ein Zusammenschluss von 15 Mitgliedern, die sich mit rechtlichen und technischen Aspekten des Vorhabens befassen und eigenen Angaben zufolge eng mit der Bürgerinitiative Stopp Staudinger zusammenarbeiten, verwies in einer Bürgerinformations-Veranstaltung am Donnerstag in Großauheim nochmals auf die aus ihrer Sicht unzureichenden Messungen der Werte für Schwefeldioxid und Stickstoffdioxid hin.
In den Eon-Unterlagen tauchen für den Betrieb des geplanten Blocks 6 hochgerechnet Spitzenwerte für beide Stoffe auf, die laut Immisionsschutzgesetz den Bau ausschließen würden. So werde ein in einigen Gebieten ein Stundenmittelwert von 1184 Mikrogramm Schwefeldioxid genannt. Die Alarmschwelle liege jedoch bei 500 Mikrogramm.
"Billige Rhetorik und Verniedlichung eines Gesetztesverstoßes"
Eon hatte - wie berichtet - diese Zahlen als "rechnerisch ermittelte statistische Randwerte" eingestuft. Rolf Wich von der Interessengemeinschaft nannte das "billige Rhetorik und Verniedlichung eines Gesetztesverstoßes". Im Übrigen seien die gemessenen Basiswerte, auf die die Hochrechnung für Block 6 fundiert, "unbrauchbar", weil an falschen Stellen gemessen worden sei.
Einige der Messanlagen bestünden lediglich aus einem "Einweck-Glas", in dem die Niederschläge gesammelt und einmal monatlich ausgewertet würden. Eigene Messungen der Interessengemeinschaft hätten ergeben, dass "alles viel schlimmer" sei.
Aus den Reihen der gut besuchten Versammlung wurde massive Kritik am Regierungspräsidium Darmstadt laut, das als Genehmigungsbehörde versagt habe.
Die Interessengemeinschaft fordert, die vorhandenen Blocks 4 und 5 auf 85 Prozent Leistung anzuheben. Derzeit lägen sie weit niedriger. Außerdem müsste der Schadstoff-Ausstoß der Blöcke 4 bis 6 reduziert werden. Dann könne man auf den Bau des 1,23 Milliarden Euro teuren Blocks 6 verzichten.

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