Das Mobiltelefon als Museumsführer: In einer ehemaligen Scheune in Steinau wird an diesem Freitag eine neue Verbindung ins Multimediazeitalter geknüpft. Das Guide-System kommt nach Angaben von Stadt und Entwickler Heino Bütow in dieser Form erstmals in Deutschland zum Einsatz.
Burkhard Kling, Leiter des Museums Steinau, schwärmt von einem Pilotprojekt, das Maßstäbe in setze und schon das Interesse mehrerer anderer Museen in Hessen geweckt habe.
Der 47-jährige Kling feilt seit zwölf Jahren daran, Steinau wirkungsvoller in der deutschen Museumslandschaft zu platzieren. 2009 zählte er an seiner Wirkungstätte 10.000 Besucher. Mit der neuen Technik dürfte die Ausstellungs-Präsentation speziell bei Schülern und anderen Vertretern der Internet-Generation einen zusätzlichen Schub erfahren.
Das System ermöglicht es, Bilder, Texte und Sounds zu Ausstellungen und deren Exponaten auf Handys, Blackberrys oder I-Phones, aber auch dem heimischen PC abzurufen. Komplizierte Geräte-Ausleihprozeduren entfallen. Gleichwohl gibt es für technisch nicht entsprechend ausgerüstete Besucher Leihgeräte im Museum. Entwickler Bütow, der in Darmstadt das Unternehmen iot-labs leitet, bezeichnet seine Anwendung auch als "satelles".
Auf Basis aktueller Internet-Technik (Web 3.0) sei ein nahtloser Übergang zwischen drinnen und draußen möglich. Auch eine Vor- oder Nachbereitung des Museumsbesuchs sei jederzeit möglich. Auf der Website www.museum-steinau.de/audio sind 50 Minuten Text in Deutsch und Englisch gespeichert. Laut Kling umfasst die Projektphase zunächst den Museumsbereich in der Amtshofscheune und ermöglicht eine visuelle Führung entlang der alten Handelsstraße von Frankfurt nach Leipzig, einem Abschnitt auf einer alten europäischen Kulturstraße, der "Via Regia" von Spanien bis zur Ukraine.
Die Anwendung wird später auch auf das benachbarte Brüder-Grimm-Haus und den historischen Stadtkern erweitert. "Steinau wird damit praktisch zu einem begehbaren Hörbuch", schwärmen Kling und der Anwendungs-Entwickler Bütow.
Das 2006 eröffnete Museum in der Amtshofscheune bietet schon bisher über Animationen, Filme und Hörstationen Einblicke in die Geschichte des Reisens - ein bis ins 19. Jahrhundert beschwerliches, zuweilen gefährliches Unterfangen. In Steinau lebten die meisten Bürger davon. Auch der Keramikproduktion ist eine große Abteilung gewidmet.Mit dem 1562 errichteten Amtshaus verfügt Steinau außerdem - im Gegensatz zu Hanau oder Kassel - über einen Grimmschen Original-Schauplatz. 1791 bis 1796 haben die Sprach- und Märchenforscher Jacob und Wilhelm Grimm und Malerbruder Ludwig-Emil hier ihre Jugend verbracht. Die Sanierung des stattlichen Renaissance-Baus, in dem Vater Philipp Wilhelm einst als landgräflicher Amtmann waltete, schreitet voran.
Neun der 18 Räume sind saniert, sechs davon in eine Dauerausstellung zum wissenschaftlichen Wirken der Grimms eingebettet. Mit Geld vom Land und dem hessischen Museumsverband ist eine literarische Gedenkstätte entstanden die derzeit im Obergeschoss durch etliche Märchenfacetten ergänzt wird. Dank des Konjunkturprogramms soll die Sanierung 2011 abgeschlossen sein.

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