Das Genehmigungsverfahren für den sechsten Block von Staudinger hat eine Strafanzeige gegen Kraftwerksbetreiber Eon ausgelöst. Die Hanauer Grünen werfen dem Konzern vor, einen Schornstein von Block 2 illegal weiter betrieben zu haben.
Als Beweis präsentieren die Grünen ein zehn Monate altes Foto, das eine aus dem Schornstein aufsteigende Rauchfahne zeigt. Anlass für die Anzeige bei der Hanauer Staatsanwaltschaft lieferte der Erörterungstermin im Bürgerhaus Großkrotzenburg am vergangenen Donnerstag. Dort hatte laut Grünen ein Sprecher des Regierungspräsidiums (RP) auf Nachfrage bestätigt, dass Block 2 seit 2002 stillgelegt und die Genehmigung dieser Anlage laut Bundesimmissionsschutzgesetz damit drei Jahre später, also 2005, erloschen sei.
Staudinger-Sprecherin Julia Katzenbach-Trosch nennt den Vorwurf "haltlos". Der Rauch, der auf der Aufnahme vom 12. Januar 2009 zu erkennen sei, stamme aus einer gasbefeuerten Hilfskesselanlage, die bei Wartungsarbeiten zum Einsatz käme und nicht unmittelbar aus Block 2. Auch sei noch nicht abschließend geklärt, ob für den 1965 errichteten Kraftwerksblock mit einer Kapazität von 250 Megawatt, der mit Kesselhaus, Schornstein und Zusatzanlage ausgestattet ist, noch eine Betriebsgenehmigung vorliege.
Auch RP-Sprecher Gerhard Müller sagte am Montag, dass der Schornstein nicht ausschließlich Emissionen aus dem Block ausstoße, sondern auch Nebenanlagen diene. Der Vorfall werde geprüft.
1,2 Milliarden Euro Baukosten
Im Genehmigungsverfahren um das Eon-Steinkohlekraftwerk, das seit den 60er Jahren die Silhouette von Großkrotzenburg prägt, werden mehr als 8500 Einwände gegen den geplanten Block 6 behandelt. Dieser soll bei rund 1,2 Milliarden Euro Baukosten 2013 ans Netz gehen und drei alte Blöcke ersetzen. Neben umliegenden Kommunen wehren sich Umweltverbände gegen die Darstellung, der neue 1100 Megawatt-Block mit 180 Meter hohem Kühlturm bringe wegen der erhöhten Effizienz keine Mehrbelastung.
Umweltschutz-Landesverbände monierten in der ersten des auf drei Wochen anberaumten Verfahrens, dass ein Nachweis für die Unschädlichkeit des neuen Blocks fehle. So sei nicht auszuschließen, dass durch die Vermischung von Kühlwasser und Abgasen Kombinationswirkungen der Schadstoffe und damit neue Belastungen für Bevölkerung und Umwelt entstünden. Die Grünen monierten zudem, der Quecksilber-Ausstoß steige um mehr als 40 Prozent auf über 100 Kilogramm im Jahr. Der Main-Kinzig-Kreis, der auf eine 800-Megawatt-Anlage gehofft hatte, nannte das Bauwerk, das um 40 Meter in die Höhe wachse, "bauplanungsrechtlich nicht genehmigungsfähig", zumindest nicht, wie geplant, nach § 34 Baugesetzbuch ohne Aufstellung eines neuen Bebauungsplanes.
Die Staudinger-Gegner werfen dem RP vor, sich auf ein Gutachten zu verlassen, das von Eon beauftragt und bezahlt worden sei.

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