Der Selbstversuch zu abendlicher Stunde kostet Überwindung. Zu Fuß bei Dunkelheit vom neuen „Kinopolis“ am Steinheimer Tor zum Marktplatz in die Innenstadt zu laufen, das bedeutet: durch unbelebte, schlecht beleuchtete Straßen gehen, die eigenen Schritte auf dem Pflaster hallen hören, vorbei an dunklen Hauseingängen und unübersichtlichen Ecken. Gruseliger Höhepunkt ist der Gang durch die Hahnenstraße. Düster wirkende, heruntergekommene Häuserblocks der Nassauischen Heimstätte säumen den Weg, nur eine über die Fahrbahn gespannte Lampe verbreitet fahles Licht.
Keine Schilder
Auch Wilfried Schneider, der für die Sozialdemokraten im Ortsbeirat Innenstadt sitzt, hat diese Erfahrung gemacht. Nach einem Kinobesuch sei er über den Marktplatz nach Hause in die Salzstraße gelaufen, erzählt er dem Gremium: „Ein tristes Erlebnis.“ Wie in dem Kriminalfilm „Der dritte Mann“, der im Wien der ersten Nachkriegsjahre spielt, sei er sich vorgekommen. Die SPD Innenstadt hat deshalb den Antrag gestellt, die Fußwegeverbindung vom Kinopolis in die City „unverzüglich auszuschildern“ und besser zu beleuchten. Es fehlten Wegweiser, das Licht sei „unzureichend“, die Strecke deshalb „absolut unattraktiv“, so Schneider. Der Ortsbeirat befürwortete die Forderung der SPD einstimmig.
Nun sollen aber ohnehin sämtliche Straßen in der Innenstadt nach einem „Gestaltungsleitbild“ verschönert werden und mit einem einheitlichen Beleuchtungskonzept besser ins Licht gesetzt werden. Außerdem soll das Kinopolis Endpunkt eines neuen „Brüder-Grimm-Kulturwegs“ mit Märchenskulpturen werden, der von dort aus bis zum Schlossplatz in der Altstadt führt.
Der Ortsbeirat berücksichtigte das und verlangt, mit der Verschönerung der Straßen vom Kino zum Marktplatz nicht zu warten, bis es im Zuge des Stadtumbaus irgendwann in den kommenden Jahren vorgesehen sei. „Diese Anregung ist dringend“, befand Martin Dittmar von der BfH. Und Wilfried Schneider ergänzte: „Wenn es sich erst eingebürgert hat, dass niemand dort entlanggeht, ist das nur schwer wieder in Gang zu kriegen. Wir dürfen nicht warten, bis der Zeitrahmen passt.“
Die Mitglieder des Gremiums einigten sich deshalb darauf, dass die Kino-Innenstadt-Strecke zeitgleich mit der Hammerstraße umgestaltet werden soll. Die Hammerstraße wird als Verbindung zwischen Markt- und Freiheitsplatz als erste Straße bereits ab Mai umgestaltet. Zur Weihnachtszeit soll sie sich dann in neuem Glanz präsentieren. Über die Forderung des Ortsbeirats muss nun der Magistrat beraten. Siehe Kommentar

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