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Technologie- und Gründerzentrum Wolfgang: Im Dienste der Internet-Abzocker

Im öffentlich geförderten Existenzgründer-Zentrum Hanau treibt eine Firma Geld für Online-Fallensteller ein - jetzt warnt die Verbraucherzentrale vor den Inkasso-Briefen. Von Alexander Polaschek

In einem Schreiben, das der Frankfurter Rundschau vorliegt, fordert Proinkasso Hanau im Auftrag von IM Internet media Ltd. für die angebliche Anmeldung auf der Seite www.Deinschicksal.cc die Summe von 175,71 Euro, zahlbar binnen sieben Tagen auf das Treuhandkonto der Rechtsanwaltskanzlei Kristina Straßburg. Ansonsten drohe Zwangsvollstreckung, Pfändung und Eintrag in Schuldnerverzeichnisse.
In einem Schreiben, das der Frankfurter Rundschau vorliegt, fordert Proinkasso Hanau im Auftrag von "IM Internet media Ltd." für die angebliche Anmeldung auf der Seite www.Deinschicksal.cc die Summe von 175,71 Euro, zahlbar binnen sieben Tagen auf das Treuhandkonto der Rechtsanwaltskanzlei Kristina Straßburg. Ansonsten drohe Zwangsvollstreckung, Pfändung und Eintrag in Schuldnerverzeichnisse.
Foto: Salome Roessler

Die Firma Proinkasso in Hanau-Wolfgang empfiehlt sich der Geschäftswelt als "direkter und effizienter Partner im Forderungsmanagement". Im Technologie- und Gründerzentrum Wolfgang (TGZ) galt das Untermehmen als willkommene Ergänzung und Service-Partner für Jungunternehmer.

Doch das hat sich radikal geändert, seit Proinkasso durch rigorose Mahnschreiben im Dienst dubioser Internetseitenbetreiber von sich reden macht.

TGZ-Geschäftsführer Horst Hupke wehrt sich gegen den Ruch, zweifelhafte Aktivitäten mit städtischen Mitteln zu fördern. "Das Mietverhältnis ist gekündigt", sagte er der Frankfurter Rundschau. Er erwarte den Auszug aus den öffentlich geförderten Räumen "lieber heute als morgen".

Verbraucherzentrale warnt vor Mahnschreiben aus Hanau

Seit Ende 2008 erreichen den städtischen Wirtschaftsförderer Beschwerden von Bürgern, die sich zu Unrecht mit Inkassobriefen aus der Rodenbacher Chaussee 6 konfrontiert sehen. Auch die Kripo sei schon vorstellig geworden.

"Ich will hier keine Negativ-Wirkung", zeigt sich Hupke um die gute Adresse besorgt, nachdem am Montag die Verbraucherzentrale Rheinland-Pfalz eine Warnung vor den Mahnschreiben aus Hanau veröffentlichte. In einem solchen Schreiben, das der FR vorliegt, fordert Proinkasso, Geschäftsführer Stefan Straßburg, im Auftrag von "IM Internet media Ltd." für die angebliche Anmeldung auf der Seite www.Deinschicksal.cc die Summe von 175,71 Euro, zahlbar binnen sieben Tagen auf das Treuhandkonto der Rechtsanwaltskanzlei Kristina Straßburg.

Ansonsten drohe Zwangsvollstreckung, Pfändung und Eintrag in Schuldnerverzeichnisse. Die Adressatin versichert jedoch, sie habe sich niemals für die Vorhersage der "Lebenslinie" nebst Gewinnspiel unter Deinschicksal.cc angemeldet. "Kein Einzelfall", weiß Ute Klaus, Sprecherin der Verbraucherzentrale Hessen. "Auch wir haben schon solche Zahlungsaufforderungen erhalten, nachdem ein Kollege eine beanstandete Internetseite lediglich angeschaut hat." Die Betreiber speicherten die IP-Adresse des Besuchers, eine Zahlenkombination, und beschafften sich damit vom Provider die Anschrift.

Die einschlägigen Abzockerseiten würden immer wieder abgemahnt, sagt Klaus, aber "die Anbieter solcher Abo-Fallen schießen wie Pilze aus dem Boden". Und sie sind kaum zu belangen, das sie meistens vom Ausland aus operieren. Umgekehrt würden durch die Drohkulisse, die Firmen wie Proinkasso aufbauten, etwa zehn Prozent der Betroffenen so eingeschüchtert , dass sie zahlten.

Verbraucherschützer raten: Nicht zahlen

Inkassodienste versuchten immer öfter, "durch zweifelhafte Methoden" auch unberechtigte Forderungen einzutreiben, so die Verbraucherschützer in Mainz. "Nicht zahlen." Das empfehlen sie zu den Proinkasso-Briefen für die Firma CC Profi. Für angebliche Gewinnspiele sollen 133,61 Euro fällig sein. Keinesfalls sollte eine Ratenzahlungsvereinbarung unterschrieben werden, so die Warnung, da so die Forderung anerkannt werde. Von Proinkasso war bei telefonischer Anfrage keine Stellungnahme zu erhalten.

Die Justiz tut sich bislang schwer. Zwar ermittelt die Hanauer Staatsanwaltschaft wegen vieler Anzeigen gegen Proinkasso. Aber Pressesprecher Wolfgang Popp hat Zweifel, dass hier Tatbestände wie Nötigung oder Beihilfe zum Betrug greifen könnten: "Mitwirkendes Verhalten nachzuweisen ist sehr schwierig." Zudem: Die Internetseiten seien wohl oft wettbewerbswidrig, aber über die strafrechtliche Relevanz "streiten die Experten".

Autor:  Alexander Polaschek
Datum:  27 | 7 | 2009
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