Der politische Widerstand gegen den geplanten Ausbau des Eon-Kraftwerks in Großkrotzenburg bröckelt offenbar. Nach der gescheiterten Regierungsbildung in Hessen haben in der Region führende Sozialdemokraten vermehrt den Bau effizienter Kohlekraftwerke gefordert.
Zusammen mit dem Ersten Kreisbeigeordneten André Kavai (SPD) haben ein Dutzend Bürgermeister aus dem Main-Kinzig-Kreis eine Resolution für den Bau moderner Kohlekraftwerke unterschrieben, darunter die sozialdemokratischen Rathauschefs Stefan Erb aus Erlensee, Gerhard Schultheiß (Nidderau), Klaus Schejna (Rodenbach), Thorsten Stolz (Gelnhausen), Rainer Krätschmer (Wächtersbach), Michael Göllner (Hammersbach) sowie die einzige Bürgermeisterin Iris Schröder aus Neuberg. Auch die Gewerkschaften Bau, Chemie, Energie und Verdi stehen auf der Liste für eine "verlässliche Stromversorgung".
Ausbau in kleineren Maßen
"Kavai und Bundesumweltminister Sigmar Gabriel (SPD) malen das Gespenst der Stromlücke an die Wand, wenn keine neuen Kohlekraftwerke à la Block 6 Staudinger gebaut würden", kommentieren die Hanauer Grünen die Aktion. "Die beiden Kohlebefürworter haben ihren Dolchstoß gegen die eigene Landespartei und die Grünen ausgerechnet im Jugendwaldheim Niedermittlau ausgeheckt", kommentiert Elmar Diez die nach einem Besuch Gabriels initiierte Aktion. Dabei verschwiegen sie, dass ein Kohlekraftwerk 40 Jahre in Betrieb bleibe. Im Kreistag hatten die Grünen bereits vor drei Monaten allein gegen den Ausbau gestritten. Der von Eon geplante Kraftwerksblock steigere die CO2-Emission in der Region von fünf auf neun Millionen Tonnen und beschere der Bevölkerung einen weiteren Schadstoffzuwachs an Stäuben, Schwermetallen und Stickoxiden, kritisierte Fraktionschef Rainer Bousonville.
Bei der Neubau-Anhörung im Sommer 2007 hatte Main-Kinzig-Landrat Erich Pipa (SPD) den Konzern noch aufgefordert, die 1,2 Milliarden Euro teuren Pläne in dieser Dimension aufzugeben und gefordert, das Geld in regenerative Energien zu stecken. Pipa bot ein kostenloses Grundstück zum Bau von Hessens größtem Solarpark an. Gleichwohl hat der Kreisausschuss im Raumordnungsverfahren eine Variante für ein 800 Megawatt-Steinkohlekraftwerk eröffnet. Eine Position, auf sich jetzt auch der SPD-Landtagsabgeordnete Christoph Degen zurückzog. Er sei für Kohlemix und könne sich einen kleineren Ausbau vorstellen. Auch die SPD-Politiker erklären, ihre Resolution sei keine explizite Befürwortung der Eon-Pläne. Eon will einen 1100-Megawatt-Block bauen und veraltete Bereiche schließen. Bei doppelter Stromproduktion soll der C02-Ausstoß pro Kilowattstunde um ein Fünftel sinken. Industrie- und Handelskammer und Kreis-FDP sind für den Ausbau. Die Stadt Hanau ist dagegen.

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