Klaus Pulter glaubt nicht an die Versprechen, die derzeit in Sachen DSL die Runde machen. „Gelnhausen erhält schnelles Internet über die Luft“, verkündete die Telekom gestern. Am gleichen Tag behauptete der Kreis, er nehme die Sache mit der Breitbandversorgung „selbst in die Hand“. „Heiße Luft“, nennt das der technikaffine Hanauer.
Seine Frau, seine Kinder und er selbst „surfen“ seit zehn Jahren mit weniger als einem Megabyte (MB) pro Sekunde durch das Internet. „Da lernt man wirklich Langmut“, kommentierte er vor wenigen Tagen einen Artikel der Rundschau im Netz. Darin hatte Hanaus Wirtschaftsdezernent Ralf-Rainer Piesold (FDP) die Kehrtwende der Stadt bei der Initiative des Kreises begründet.
Wer in den Hanauer Stadtteilen Klein-Auheim, Wolfgang oder Mittelbuchen wohnt, hat derzeit im Internet noch das Nachsehen, „surft“ mit teils weniger als einem MB durch’s Netz. Das gleiche gilt für Teile von Maintal, obwohl dort die Telekom mittlerweile nachgebessert hat. So bietet der Ex-Monopolist in Wachenbuchen mittlerweile bis zu 16 MB an. Doch darüber kann Pulter nur lachen. „Die Bezeichnung ist irreführend.“ Er selbst könnte für seinen Tarif eigentlich mit drei MB surfen, doch tatsächlich erreicht würden nur 784 Kilobyte (KB).
Seiner Meinung hat es die Stadt in den letzten Jahren versäumt, bei Kanalarbeiten Rohre für die jetzt vom Kreis geplanten Glasfaserkabel zu verlegen. In der Magistratsvorlage, die Piesold in einer Woche dem Parlament vorstellen wird, heißt es deshalb, die Stadt erkläre sich bereit, „entsprechende Informationen zu geplanten Baumaßnahmen zu liefern sowie operatives Zuarbeiten im Rahmen ihrer Möglichkeiten zu leisten“.
Die Stadt Maintal hat ähnlich wie alle anderen Kommunen im Kreis bereits ihr Einverständnis für die Breitband-Initiative des Kreises gegeben. Die FDP hatte dort im Vorfeld – vergeblich – darauf gedrungen, prüfen zu lassen, das der Stadt dadurch keine großen Kosten entstehen. Doch Piesold versichert: „Der überwiegende Teil der Kosten liegt in Gelnhausen.“
Der Main-Kinzig-Kreis will sich 60 Millionen Euro leihen und damit bis 2015 ein flächendeckendes Glasfasernetz aufbauen. Ziel ist eine Datenrate von 25 bis 50 MB in allen Ortsteilen. Hintergrund ist, dass die großen Netzanbieter kein Interesse an der Peripherie haben.
Im Kreis gibt es laut einem Gutachten noch große Gebiete, die mit weniger als einem oder zwei MB im Netz unterwegs sind. Darüber hinaus gebe es Bereiche, in denen nur ein Bruchteil der angepeilten Geschwindigkeit erreicht wird.

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