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Handball-EM 2016
Aktuelle News, Ergebnisse, Spielberichte, zur Handball-EM der Männer in Polen.

31. Januar 2016

Handball-EM: Deutschland holt den Titel

 Von 
Deutschland lässt Spanien überhaupt keine Chance und ist am Ende der verdiente Sieger.  Foto: AFP

Die deutschen Handballer setzen sich in einem berauschenden EM-Finale gegen gedemütigte Spanier die europäische Krone auf. Dieser Erfolg ist natürlich untrennbar mit dem Namen Dagur Sigurdsson verbunden.

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Als das goldene Lametta auf die Köpfe der Europameister herniederrieselte, wurde die Krakau-Arena zum Tollhaus. Wie kleine Kinder im Bällebad tobten die deutschen Handballer auf dem Siegerpodium umher. Es war dies zweifellos der emotionale Höhepunkt nach einem denkwürdigen Finale, das die Deutschen gestern Abend unerwartet deutlich mit 24:17 (10:6) gegen Spanien für sich entschieden. Die von Bundestrainer Dagur Sigurdsson bei seinem Amtsantritt vor anderthalb Jahren als die neuen „Bad Boys“ betitelte Mannschaft („damals hatten einige von denen noch nicht mal Bartwuchs“, so Teammanager Oliver Roggisch) machte ihrem Namen alle Ehre. Die Deckung mit den „bösen Buben“ Finn Lemke und Hendrik Pekeler im Mittelblock stand wie eine Wand, dahinter lieferte Keeper Andreas Wolff eine Weltklasseleistung ab. „Das war das perfekte Spiel“, sagte Pekeler, „aber nur für heute“, sollte Sigurdsson später noch mit einem Augenzwinkern anfügen.

Henning Fitz zum Sieg

Wenn die Überlegenheit zu groß wird, ein ungleicher Kampf ein Ende finden soll, wissen sich die Boxer zu helfen. Dann ist es üblich, ein weißes Handtuch in den Ring zu werfen, um den Kampf abzubrechen. Im Handball gibt’s das nicht. Sonst wäre gestern Abend in einem so noch nie dagewesenen EM-Finale zweifellos ein weißes Laken aus der spanischen Ecke aufs Feld geflogen. Stattdessen hörten die Iberer in der Schlussminute einfach auf zu spielen. Auf der Hallen-Uhr tickten die Sekunden runter, die deutschen Spieler lagen sich bereits jubelnd in den Armen. Zu eindeutig war das Kräfteverhältnis, zu gut die deutsche Mannschaft. „Wir hatten überhaupt keine Chance“, gestand der spanische Coach Manuel Cadenas.

Die größtmögliche Überraschung ist Realität geworden. Die kleinen Deutschen haben sich auf wunderliche Art und Weise die europäische Handballkrone aufgesetzt und den großen Spaniern eine schmerzhafte Lektion erteilt. Aus der 29:34-Niederlage zum Vorrundenauftakt hatte Sigurdsson die richtigen Lehren gezogen und seine Mannschaft sehr gut eingestellt. „Wir wollten die Kreisläufer und die Außen aus dem Spiel nehmen und die Spanier aus dem Rückraum werfen lassen“, erzählte Pekeler. Der Plan ging auf. Die Spanier verzweifelten. Auch und gerade am „bösen Wolff“. Der Torhüter hielt die Hälfte aller Schüsse und schaffte als bester Keeper des Turniers den Sprung ins Allstar-Team. Ebenfalls in diese Europaauswahl berufen wurde Rechtsaußen Tobias Reichmann vom polnischen Meister Kielce. Der gebürtige Berliner glänzte bei diesem Turnier vor allem als sicherer Siebenmeterschütze. Bis zum finalen Countdown traf er bei 27 Versuchen 26-mal. Ausgerechnet im Endspiel versagten ihm vom Strich die Nerven; er verwarf zwei von zwei. Das änderte aber nichts am Gesamteindruck .

Dieses junge, von so viel Verletzungspech gebeutelte deutsche Team, widersetzte sich in den zurückliegenden 15 Tagen beharrlich allen Unkenrufen, die ein vorzeitiges Scheitern herbeiriefen. Seit der Auftaktniederlage gegen Spanien „hatten wir nur noch Endspiele“, sagte Sigurdsson. Sie haben sie alle gewonnen. In der Vorrunde gegen Schweden (27:26) und Slowenien (25:21), in der Hauptrunde gegen Ungarn (29:19), Russland (30:29) und Dänemark (25:23). Die ob ihrer hohen Ziele Belächelten arbeiteten sich am vergangenen Freitag auch durchs Halbfinale, schubsten Norwegen (34:33) aus dem Rennen, und haben sich zu guter Letzt dann noch mal die „alten“ Spanier zur Brust genommen.

Die Iberer sind mit einem Altersschnitt von 29,2 Jahren fast fünf Jahre älter als die deutschen Spieler, die als jüngstes Team der EM gerade einmal auf einen Schnitt von 24,6 Jahren kommen.

„Wir haben eine neue goldene Generation“, sagte Uwe Schwenker, der Präsident der Handball-Bundesliga (HBL). Handball „Made in Germany“ ist wieder ein Qualitätsprodukt. Auf Jahre hinaus wird es nun gleichsam Anspruch und Verpflichtung sein, bei Welt- und Europameisterschaften um die Medaillen mitzuspielen.

Direkte Qualifikation für Rio

Dieser Erfolg ist natürlich untrennbar mit dem Namen Dagur Sigurdsson verbunden. Ein Mann, den die jungen Europameister verstehen und dem sie blind vertrauen. Der Isländer schaffte es aus großen Talenten eine Mannschaft von hohem internationalem Format zu formen. Dieser Triumph ist der Erfolg eines Kollektivs. Es gibt keine Stars. Der Star ist die Mannschaft. Das mag nach einer Phrase klingen, beschreibt aber den Ist-Zustand des deutschen Handballs sehr exakt.

Angenehmer Nebeneffekt des ersten EM-Triumphes einer deutschen Handball-Nationalmannschaft seit dem Titelgewinn 2004 ist die direkte Qualifikation für die Olympischen Sommerspiele in Rio. Die Teilnahme an der WM 2017 in Frankreich hatte die Auswahl des Deutschen Handball-Bundes (DHB) bereits mit dem Einzug ins Halbfinale sicher. „Das bedeutet mir persönlich sehr, sehr viel“, sagte Sigurdsson und wollte nur noch Feiern. „Ich muss jetzt erst einmal etwas Ungesundes zu mir nehmen“, sagte Lemke und verabschiedete sich in die Partynacht von Krakau, die auf dem mittelalterlichen Marktplatz (Rynek Glowny) im Restaurant La Grande Mama bei Pitta und Pasta ihren Anfang nahm. Danach, prophezeite Christian Dissinger, „legen wir uns eine Infusion.“

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