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Handball-EM 2016
Aktuelle News, Ergebnisse, Spielberichte, zur Handball-EM der Männer in Polen.

27. Januar 2016

Handball-EM: Deutschland im Halbfinale der EM

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Wenn alle Dämme brechen: Die deutschen Handballer fallen nach dem Einzug ins Halbfinale in einen kollektiven Freudentaumel.  Foto: AFP

Die deutschen Handballer ziehen bei der Europameisterschaft nach einer famosen Leistung durch einen Sieg gegen Dänemark ins Halbfinale ein. Der überragende Mann des Abends heißt Steffen Fäth - nicht nur wegen seiner sechs Tore.

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Am Ende gab es kein Halten mehr. Die Männer in schwarz rockten das Parkett in der ehrwürdigen Jahrhunderthalle von Breslau. Ein Tollhaus der Emotionen, ein Hüpfen und Springen, ein Schreien und Grölen. Die deutschen Handballer haben geschafft, was ihnen vor der Europameisterschaft in Polen nicht mal die kühnsten Optimisten zugetraut hatten. Sie spielen um eine Medaille, stehen nach dem 25:23 (12:13)-Sieg gegen den haushohen Favoriten Dänemark im Halbfinale der Europameisterschaften.

Am Freitag wird die Mannschaft von Dagur Sigurdsson in Krakau auf Norwegen oder Polen treffen.

Es liefen die Schlussminute eines denkwürdigen Spiels, als Torwart Andreas Wolff völlig entrückt die Arme in die Höhe riss. 59:26 Minuten stand auf der Uhr unter dem Kuppeldach. Eine letzte Parade des bärenstarken Keepers der HSG Wetzlar besiegelte „die größte Sensation, die ich bislang in meiner Karriere erlebt habe“, wird Bundestrainer Dagur Sigurdsson später sagen. Wolff schossen die Glückshormone in den Kopf. „Ich habe vor der EM gesagt, ich möchte Europameister werden. Dieser Sieg war daher nur die logische Konsequenz auf unserem weiteren Weg.“


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Es war ein Abend der Superlativen. „Phänomenal“, „gigantisch“, „unfassbar geil“ – die jungen deutschen Handballer waren außer Rand und Band. Nichts und niemand scheint sie stoppen zu können. Sie steckten den verletzungsbedingten Ausfall von Kapitän Steffen Weinhold und Christian Dissinger mit scheinbarer Leichtigkeit weg. Die beiden Nachrücker Kai Häfner und Julius Kühn fügten sich diesen eingeschworenen Haufen ein, als wären sie von Beginn an dabei gewesen. „Der Junge hatte noch nicht mal seine Tasche ausgepackt und lenkt hier das Spiel“, sagte Handball Altstar Stefan Kretschmar über Häfner.

Der überragende Mann des Abends aber war Steffen Fäth. Nicht nur wegen seiner sechs Tore. Der Spielmacher aus Wetzlar war Dreh- und Angelpunkt im deutschen Spiel. Das nicht er, sondern der dänische Superstar Mikkel Hansen am Ende als „Man oft he Match“ ausgezeichnet wurde, war für ihn eine Petitesse. Völlig ausgepumpt und zufrieden konnte auch er sein Glück nicht fassen. „Ich glaube, es braucht noch eine Weile, bis wir hier wirklich alle realisieren, was uns gelungen ist.“

Diese junge, von so viel Verletzungspech gebeutelte deutsche Mannschaft bot dem Favoriten nicht nur die Stirn, sie hielt von der ersten Minute mit Verve dagegen und die Partie offen. Es war ein Duell auf Augenhöhe, voller Dramatik und Klasse. Das ging an die Nerven, auch auf der Platte. Nicht nur einmal standen sich die Protagonisten Nase an Nase gegenüber, ein paar markige Sprüche inklusive. Verständigungsprobleme konnte es keine geben. Das Gros der Dänen verdient sein Geld in der Bundesliga.

Die Führung wechselte ständig, mal waren im ersten Durchgang die Dänen mit zwei Toren vorne, mal waren es die Deutschen (10:8, 22. Minute). Ausgerechnet nach dem ersten Tor des nachnominierten Häfner schlichen sich erste Konzentrationsfehler ein. Der nach Weinholds Ausfall im rechten Rückraum spielende Fabian Wiede scheiterte ebenso wie Rune Dahmke am starken Dänen-Keeper Niklas Landin. Und als Dahmke dann auch noch leichtsinnig den Ball verdaddelte, nutzte die Mannschaft um Vorzeigehandballer Mikkel Hansen die Gunst des Augenblicks, drehte ein 8:10 binnen fünf Minuten in ein 12:10.

Sigurdsson hatte seine Mannschaft prächtig auf den Vize-Europameister eingestellt. Als Lehrbeispiel dienten dem Isländer unzweifelhaft die 60 Minuten vom Vortag, als die Schweden den Dänen im Nachbarschaftsduell ein beachtliches 28:28 abtrotzen. „Wir haben das Spiel genau analysiert und festgestellt, dass die Schweden mit derselben Taktik Erfolg hatten, die auch wir uns vorgestellt hatten“, erzählte Sigurdsson. Sein Plan, die Dänen mit taktischen Umstellungen in der eigenen Deckung vor wechselnde Problemsituation zu stellen, ging auf. „Wir haben immer wieder zwischen einer 6-0- und einer offensiven 4-2-Deckung gewechselt, um den starken linken Rückraum aus dem Spiel zu nehmen“, erklärte Hendrik Pekeler den Matchplan, der am Ende auch aufgehen sollte.

Nach Wiederanpfiff ging es zunächst aber genauso weiter wie in Halbzeit eins. Die zweiten fünfzehn Minuten dienten dafür als Blaupause. Die DHB-Auswahl drehte ein 12:13 in ein 15:13 (34.), um diesen Vorsprung binnen acht Minuten wieder herzuschenken (16:18, 42.). Wie groß die nervliche Belastung für die Spieler war, ließ sich in dieser Phase am Dänen Jesper Noddesbo ablesen, der das Kunststück fertigbrachte den Ball am leeren Tor vorbeizuwerfen. Es war dies auch ein Zeichen von Müdigkeit. „Ab der 53. Minute“, analysierte ein frustrierter Gudmundur Gudmundson, „wurden meine Spieler immer müder.“ Nur zu verständlich. Während die deutschen Spieler zwei Ruhetage zur Regeneration nutzten, mussten die Dänen zwei Spiele binnen 20 Stunden absolvieren.

Dieses Endspiel um den Halbfinaleinzug entwickelte sich in der Schlussphase zu einem echten Krimi. Das war nichts für schwache Nerven. Drei Minuten vor dem Ende stand es noch 22:23 aus deutscher Sicht. Dann machte Wolff sein Tor dicht. Julius Kühn, Martin Strobel, Tobias Reichmann und Florian Wiede drehten mit vier Toren in Serie das Spiel und eröffneten damit die große Party von Breslau.

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