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Handball-EM 2016
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18. Januar 2016

Handball-EM: Deutschland siegt im Handball-Krimi

 Von 
Andreas Wolff macht beim 27:26 (13:17)-Sieg gegen Schweden den Unterschied.  Foto: AFP

Die deutsche Handball-Nationalmannschaft gewinnt ihr zweites EM-Gruppenspiel gegen Schweden - dank Torhüter Andreas Wolff und einer großen Leistungssteigerung in der zweiten Halbzeit. Damit lebt der Traum vom Halbfinale weiter.

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Nach der Schlusssirene gab es kein Halten mehr. Alle, die das Trikot mit dem Adler auf der Brust trugen, rannten auf das Parkett der Breslauer Jahrhunderthalle. Mittendrin ein überglücklicher Andreas Wolff. Der Torwart der HSG Wetzlar macht beim 27:26 (13:17)-Sieg gegen Schweden den Unterschied. „Was er heute geleistet hat, war einfach großartig“, lobte ihn sein Teamkollege Hendrik Pekeler nach einer Partie, in der die deutsche Mannschaft eine Halbzeit lang wie ein sicherer Verlierer wirkte. „Wir haben in der zweiten Halbzeit die Deckung offensiv umgestellt, damit sind die Schweden überhaupt nicht klargekommen“, sagte ein überglücklicher Wolff nach dem besten Länderspiel in seiner noch jungen Karriere.

Durch den ersten Sieg im zweiten EM-Spiel lebt für die deutsche Mannschaft der Traum vom Halbfinale weiter. Im abschließenden Gruppenspiel am Mittwochabend (17.15/ZDF) gegen Slowenien reicht nun ein Punkt, um sich für die am Freitag beginnende Hauptrunde zu qualifizieren. Vom Leistungsstand des WM-Achten konnten sich die deutschen Spieler gestern selbst ein Bild machen. Sie verfolgten die letzten Minuten der Slowenen gegen Spanien in der Aufwärmzone der Jahrhunderthalle. Zu diesem Zeitpunkt waren noch knapp fünf Minuten zu spielen. Die Mannschaft von Veselin Vujovic lag mit zwei Toren vorne. Am Ende erkämpften sich die Iberer noch einen schmeichelhaftes 24:24 und damit den entscheidenden Punkt zum Einzug in die nächste Runde.

Das Spiel gegen Schweden war zunächst alles andere als das von Sigurdsson erwartete Duell auf Augenhöhe. Die deutsche Mannschaft lief der Musik und damit dem Gegner von der ersten Minute hinterher. Die Skandinavier präsentierten sich mit ihrer starken 6-0-Deckung und ihrem Weltklassekeeper Mattias Andersson stabiler in der Abwehr, aus dem Rückraum setzte vornehmlich der in Flensburg beschäftigte Johann Jacobsson (8 Tore) die deutsche Nummer eins vor schier unlösbare Probleme. Carsten Lichtlein flogen die Bälle nur so um die Ohren. Wie schon zum Auftakt gegen Spanien (29:32) war der 35 Jahre alte Routinier nicht der erhoffte Rückhalt. Von neun Bällen parierte er gerade einmal einen. Nach nur zehn Minuten räumte er den Platz unter der Latte für sein Backup Andreas Wolff. Eine wichtige Personalie. Wolff hielt die Mannschaft mit einigen Paraden im Spiel. Ebenso wie Rechtsaußen Tobias Reichmann (9/6), der in den ersten 30 Minuten von der Siebenmeterlinie fast fehlerfrei geblieben war.

Geht dahin, wo es wehtut: der deutsche Rückraumspieler Fabian Wiede.  Foto: AFP

Bis zum 10:10 (18.) kämpfte sich die die Auswahl des Deutschen Handball-Bundes (DHB) heran. Das war umso bemerkenswerter, weil ihr im Spielaufbau zunächst wenig bis gar nichts gelang. Rückraumkanonier Christian Dissinger (1) floppte im ersten Durchgang, der bereits gegen Spanien nicht überzeugende Kapitän Steffen Weinhold schien anfangs ebenso überfordert wir Steffen Fäth („Wir kamen einfach nicht in Wurfposition“) auf der Spielmacherposition. Das war natürlich auch Sigurdsson nicht verborgen geblieben. Er wechselte fleißig durch. Mal versuchte sich Niclas Pieczkowski im Aufbau, mal gab Fabian Wiede den Spielmacher. Linie brachten aber auch sie nicht ins Spiel der deutschen Mannschaft. Und weil auch die deutsche Abwehr der schwedischen Wucht aus dem Rückraum weder mit der 6-0- noch mit der 5-1-Deckung nichts entgegenzusetzten hatten, lagen die Deutschen zur Halbzeit mit vier Toren (13:17) hinten.

Zu diesem Zeitpunkt sprach wenig bis gar nichts für ein Comeback der Männer in Weiß. Wenn dem Sigurdsson-Team allerdings eines nicht abzusprechen ist, dann ist es allerdings ihr unbändiger Wille. Diese junge deutsche Mannschaft mit ihren 14-EM-Debütanten gibt nie auf. Sie kämpften sich nach der Pause zurück ins Spiel. Entscheidend aber war die Umstellung auf die offensive 4-2-Deckung. Sigurdsson spontane Eingabe überraschte die Schweden. „Diese Deckung haben wir zuvor nicht ein einziges Mal gespielt, nicht einmal im Training“, verriet Pekeler. Keeper Wolff entnervte die den schwedischen Schützen mit erstklassigen Reflexen. Das Spiel kippte, auch weil Weinhold plötzlich voranging. Nach nur sechs Minuten im zweiten Durchgang war Gleichstand (18:18) hergestellt, nach 45 Minuten war der Vorsprung erstmals auf vier Tore (24:20) angewachsen.

In den letzten fünf Minuten entwickelte sich ein echter Krimi. Dissinger sah nach seinem Einsatz gegen Jakobsson Rot (56.), der Vorsprung schmolz auf 27:26 zusammen. Finn Lemke hätte eine Minute vor Schluss mit einem Gegenstoß für die Entscheidung sorgen müssen. Der Magdeburg ballerte die Kugel aber völlig frei über das Tor der Schweden. Die Nerven spielten ihm einen Streich. Ein böser Fauxpas, der aber ohne Folgen bleiben sollte. Die deutsche Mannschaft hatte ihren ersten Stresstest bei dieser EM bestanden.

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